Geld einfach liegen gelassen

Haben die Amerikaner ein Luxusproblem? Man könnte es meinen, bei so viel Milliarden Dollar, die von den Besitzern nicht eingelöst werden.

Tausende Kunden haben hier noch Rückerstattungen zugute: Luxuskaufhauses Bergdorf in New York.

Tausende Kunden haben hier noch Rückerstattungen zugute: Luxuskaufhauses Bergdorf in New York.

(Bild: Reuters Lucas Jackson)

Lynn Scheurer@Ciao_Lynn

Madonna, Bill Clinton und der Dalai Lama haben etwas gemeinsam: Sie haben vergessen, dass ihnen eigentlich noch Geld zusteht. Und sie sind nicht die Einzigen: Laut «New York Times» gelten allein im Bundesstaat New York 13 Milliarden US-Dollar als unbeanspruchtes Geld. Die Summe setzt sich zusammen aus vergessenen Bankkonten und Mietkautionen, Lohnrückständen, nicht eingelösten Dividendenchecks und Rückvergütungen. 31 Millionen Personen haben laut dem Staat New York Anspruch auf Geld, das sie offensichtlich vergessen haben. Insgesamt warten in den USA 62 Milliarden Dollar auf ihre Besitzer.

In den USA wird – anders als in der Schweiz – zum Beispiel die Rückerstattung von Stromkosten nicht direkt auf das Konto des Kunden überwiesen. Wird das Geld nicht beansprucht oder der Gehaltscheck nicht eingelöst, versucht die Bank, die Versicherung oder das Elektrizitätswerk, den rechtmässigen Besitzer über seinen Anspruch zu informieren. Die Firmen tun dies, indem sie den Besitzer per Mail benachrichtigen und seinen Namen in der Lokalzeitung publizieren. Wenn nach zwei bis fünf Jahren immer noch niemand Anspruch auf das Geld erhebt, wechselt es zur Finanzbehörde.

Diese unternimmt noch einen Versuch und veröffentlicht die Summe und den Besitzer an Messen oder Jahrmärkten und im Internet. Aber manche Besitzer sind inzwischen verstorben oder weggezogen, ohne eine Adresse zu hinterlassen. Oder sie sind schlichtweg zu faul, den Betrag abzuholen. Meldet sich niemand, landet das Geld in der Kasse des betreffenden Bundesstaates.

Das ist der Regelfall – obwohl das Geld problemlos ohne Gebühren hätte bezogen werden können. Dem Bundesstaat New York sind so im letzten Jahr 700 Millionen Dollar zugeflossen. Die Hälfte der Beträge liegt unter 100 Dollar, aber es gibt auch ein unbeanspruchtes Konto, auf dem 1,7 Millionen Dollar liegen.

Madonna hat Gehaltschecks nicht eingelöst

Unter den vergesslichen Besitzern befinden sich Prominente wie der Komiker Jerry Seinfeld, Musiker Bruce Springsteen oder Schriftsteller Tom Wolfe. Letzterer freute sich «wie ein Kind», als er erfuhr, dass er Anspruch auf Geld hat. Jahrelang habe er erfolglos die Liste der uneingelösten Checks in der Zeitung durchgesehen. Jetzt erfuhr er, dass ihm noch ein Gehaltscheck aus den 80er-Jahren zusteht.

Jerry Seinfeld, Joan Rivers und fast 7000 andere Kunden haben beim New Yorker Luxuskaufhaus Bergdorf ihre Rückerstattungen nicht abgeholt. Und Madonna hätte eigentlich noch Lohn zugute; zwei Checks von Walt Disney und Warner Music hat sie nie eingelöst.

Da in der Schweiz Löhne und Rückerstattungen direkt auf das Bankkonto überwiesen werden, geht auch weniger Geld vergessen. Im Zusammenhang mit «verwaisten» Freizügigkeitskonten wurde aber auch hierzulande von «vergessenen Guthaben» gesprochen. So vergessen Arbeitnehmer beim Wechsel der Stelle immer wieder, ihr Guthaben aus der Pensionskasse an eine neue Kasse weiterzuleiten.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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