Fiese Tricks bei der Scheidung

Ist die Ehe am Ende, kämpfen Ex-Partner manchmal mit harten Bandagen und versuchen, aus der gescheiterten Beziehung möglichst viel Gewinn zu schlagen. Dabei geht es meistens um Geld und ums Sorgerecht.

Oft machen sich scheidende Paare gegenseitig das Leben schwer: Beispielsweise wird Vermögen beiseite geschafft, um nicht teilen zu müssen.

Oft machen sich scheidende Paare gegenseitig das Leben schwer: Beispielsweise wird Vermögen beiseite geschafft, um nicht teilen zu müssen. Bild: Fotolia

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Wenn aus Liebe Hass wird, dominiert Wut das Handeln der ehemaligen Partner. Eine sachliche Auseinandersetzung ist schwierig. Die Scheidung kann zu einem nervenaufreibenden Rosenkrieg werden, der sich über Jahre hinzieht. Dabei versuchen einige, dem anderen das Leben möglichst schwerzumachen. Folgende fiese Tricks kennen Juristen aus der Praxis.

Der Vorwurf des ­Kindesmissbrauchs

Kinder leiden häufig am meisten unter der Scheidung. Sie müssen die Trennung der Eltern ver­kraften und werden trotzdem häufig als Druckmittel gegen den gehassten Ex-Partner eingesetzt. Oft ist dieser am verwundbarsten, wenn es um sein Kind geht. Es ist darum die schärfste «Waffe» im Scheidungskrieg.

Um das Kontaktrecht des Vaters gegenüber dem Kind zu sabotieren, kann eine böswillige Mutter den Missbrauchsvorwurf erheben. Das Gericht weiss nicht, ob die Vorwürfe stimmen, und gibt in aller Regel ein Gutachten dazu in Auftrag.

Bis dieses vorliegt, getraut sich kaum ein Richter, unbegleitete Besuche des Vaters anzuordnen. Die Vorwürfe könnten genauso gut zutreffen, und der Richter hätte das Kind dann weiter dem Missbrauch ausgesetzt. Während das Gutachten erstellt wird, sieht der Vater darum das Kind oft gar nicht. Das dauert rund ein halbes Jahr, und in dieser Zeit entfremdet sich das Kind.

Eine andere fiese Möglichkeit, den Partner von sich und den Kindern fernzuhalten, ist der erfundene Vorwurf der häuslichen Gewalt. So lassen sich superprovisorisch ein Annäherungs- und Kontaktverbot sowie ein Rayonverbot für das Gebiet um die Familienwohnung und den Arbeitsplatz erwirken. Der Vorwurf muss nicht ­bewiesen, sondern nur glaubhaft vorgebracht werden.

Das geschieht zum Schutz der tatsächlichen Opfer von häuslicher Gewalt, die das nicht beweisen können. Geht die Mutter so vor, ist der Vater von einem Moment auf den anderen aus der Familienwohnung entfernt und sieht die Kinder mindestens bis zum Verhandlungstermin nicht mehr.

Pensum reduzieren oder eine schlechtere Stelle annehmen

Auch beim Unterhalt gibt es hinterhältige Tricks. Bei der Berechnung der Unterhaltsbeiträge orientiert sich das Gericht an der Situation, die die Eheleute vor der Trennung gelebt haben. Oft sind es in der Schweiz auch heute noch die Männer, die ihre Ex-Partnerin nach der Scheidung unterstützen müssen. Die Männer klagen häufig, ihre nach­eheliche finanzielle Solidarität werde überstrapaziert.

Mancher kommt daher auf die Idee, weniger zu arbeiten, um der Ex weniger Geld bezahlen zu müssen. Das Bundesgericht stellte kürzlich in einem neuen Leiturteil klar: Das geht nicht. Wer das Einkommen absichtlich vermindere, um der Ex zu schaden, könne nicht mehr vor Gericht eine Herabsetzung der Unterhaltsbeiträge fordern.

Selbstständigerwerbende verdienen plötzlich wenig

Viele versuchen auch, bei der Berechnung der Unterhaltsbeiträge zu tricksen. Vor allem Selbstständige können Einkünfte relativ einfach kleinrechnen. Sie wollen dadurch den Unterhalt senken.

So kann man etwa Investitionen vorziehen, Rückstellungen bilden oder Einnahmen nicht de­klarieren. Wer sich gegen einen solchen Partner wehren will, braucht einen Anwalt oder ein kostspieliges Gutachten eines Wirtschaftsprüfers.

Das Vermögen beiseite­schaffen

Oft wird versucht, vor der Scheidung einen Teil des Vermögens beiseitezuschaffen. Das Ziel ist, nicht mit dem Partner teilen zu müssen. Die Berner Anwältin ­Anna Murphy sagt: «Es ist sehr heikel, Vermögen zu verstecken. Neben Problemen mit der Steuerbehörde kann der Schuss auch familienrechtlich nach hinten losgehen.» Denn die Ehefrau hat Anspruch auf den ehelichen Lebensstandard.

Falls man mehr als genug Einkommen hatte und deshalb sparen konnte, ist diese Sparquote vom Einkommen abzuziehen. Sie fliesst nicht in die Unterhaltsberechnung ein, weil sie den Lebensstandard nicht finanzierte. «Die Sparquote muss der Ehemann beweisen, der dadurch weniger Unterhalt zahlt. Das kann er aber nicht, wenn er das Geld verschwinden liess», so Murphy. Bei langer Unterhaltsdauer zahlt er so rasch mehr, als wenn er das Vermögen transparent deklariert und geteilt hätte.

Wenn es Streit um das Eigenheim gibt

Streit gibt es auch ums gemeinsame Eigenheim. «Wenn der eine Ehepartner sofort seinen Anteil haben will, dann hat man ein Problem», so Murphy.

Hier könne man sich nur mit dem Partner einigen, indem man etwa anbiete, den Anteil als Darlehen zu verzinsen. Zudem kann eine Gewinnbeteiligung bei einem Verkauf nach der Scheidung vereinbart werden. Wenn man sich nicht einigen kann, muss man das Haus verkaufen.

Bei der Pensionskasse haben die Richter gehandelt

Früher versuchten manche, die Scheidung hin­auszögern, damit das Pensionskassenvermögen des vermögenden Partners anwachsen kann. Denn bei der Scheidung wird das während der Ehe angesparte Pensionskassenguthaben geteilt, egal, wer wie viel einzahlte.

Je später das Scheidungsurteil erfolgte, desto höher stieg der Betrag. Seit dem 1. Januar wird auf den Zeitpunkt der Rechtshängigkeit der Scheidung geteilt. Dieser Termin lässt sich nicht verzögern: Er ist auf zwei Jahre nach der Trennung terminiert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.09.2017, 09:13 Uhr

Hotline zum Familienrecht

Die Telefon-Hotline zum Familienrecht findet morgen Mittwoch von 16 bis 19 Uhr statt. Am Mittwoch, 1. November, findet die nächste Hotline statt zum Thema Krankenkassen. Erneut von 16 bis 19 Uhr stehen Experten für telefonischen Rat zur ­Ver­fügung.

Telefon: 031'330'38'38

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