Darf mein Ehemann sein Vermögen seiner Geliebten schenken?

Verliert das Kuckuckskind die Erbansprüche? Was muss ich tun, damit meine Schwester von mir nichts erbt? Diese und weitere Fragen haben Notare und Anwälte an der letzten Hotline zum Erbrecht der Berner Zeitung beantwortet.

Liebe weg, Vermögen weg: Zu Lebzeiten darf jeder mit seinem Vermögen machen, was er will.<p class='credit'>(Bild: Fotolia)</p>

Liebe weg, Vermögen weg: Zu Lebzeiten darf jeder mit seinem Vermögen machen, was er will.

(Bild: Fotolia)

1. Mein Mann hat sich in eine junge Russin verliebt. Ihr will er das gesamte Vermögen verschenken. Geht das?
Zu Lebzeiten darf jeder mit seinem Vermögen machen, was er will. Aber: Schenkungen, die in den letzten fünf Jahren vor dem Tod gemacht werden, können von den Erben angefochten werden, wenn deren Pflichtteile verletzt wurden. Eine Ausnahme sind kleinere Gelegenheitsgeschenke.

2. Unser Vater hat mir und meiner Schwester je unterschiedliche Ausbildungskosten finanziert. Ihre Ausbildungskosten betrugen mehrere Tausend Franken, meine hingegen nur ein paar Hundert Franken. Muss meine Schwester diese Kosten ausgleichen?
Grundsätzlich besteht zwischen den Geschwistern in Bezug auf die von den Eltern erhaltenen Erbvorbezüge eine gegenseitige Ausgleichungspflicht. Jedoch sind gemäss Gesetz die Auslagen des Erblassers für die Erziehung und die Ausbildung einzelner Kinder der Ausgleichungspflicht nur insoweit unterworfen, als sie das übliche Mass übersteigen.

3. Ich lebe von meinem Ehemann getrennt. Wir haben eine vertragliche Gütertrennung. Erbt mein Ehemann trotzdem von mir, wenn ich sterbe?
Ja. Dies ergibt sich indirekt aus Art.120 ZGB. Erst wenn Sie geschieden sind, erbt Ihr Ex-Mann nichts mehr. Ändern könnten Sie dies, wenn Sie mit Ihrem Ehemann das Gespräch suchten und ihn dazu bewegen könnten, einen Erbverzichtsvertrag zu unterschreiben.

4. Wir leben in einer kinderlosen Ehe. Unsere Eltern sind gestorben. Mein Ehemann und ich haben allerdings noch Geschwister. Was passiert, wenn ich oder mein Ehemann stirbt? Muss der Überlebende die Erbschaft mit den Geschwistern des Erblassers teilen?
Den Geschwistern steht grundsätzlich ein Viertel der Erbschaft zu. Möglich ist allerdings, dass Sie sich als Ehegatten gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Das können Sie entweder mit einem Erbvertrag oder einem Testament. Bei Geschwistern muss man keine Pflichtteile berücksichtigen, und Sie können über Ihre Erbschaft frei verfügen.

5. Ich bin verheiratet, und wir haben zwei Kinder. Wie kann ich meinen Ehemann für den Fall meines Todes maximal begünstigen?
In Ihrem Fall empfiehlt sich der Abschluss eines Ehe- und Erbvertrages, in dem Sie Ihren Ehegatten sowohl güterrechtlich als auch erbrechtlich maximal begünstigen. Sind Ihre Kinder volljährig, wäre der Abschluss eines Erbverzichtsvertrages möglich. Im Falle des Versterbens des ersten Elternteils verzichten Kinder auf ihre Erbschaft. Für den Abschluss eines Ehe- und/oder Erbvertrages braucht es einen Notar, der bei der Ausgestaltung des Vertrages hilft.

6. An meiner Wohnung habe ich die Nutzniessung. Nun gehe ich ins Altersheim. Darf ich die Wohnung vermieten?
Ja, wenn Sie ins Altersheim gehen, dürfen Sie die Wohnung vermieten. Der Mietzins gehört Ihnen, und mit diesem Zins müssen Sie wohl die Kosten im Altersheim bezahlen.

7. Ich bin verwitwet und habe zwei Kinder. Mir gehört eine Eigentumswohnung, in der ich mit meiner langjährigen Partnerin lebe. Nach meinem Tod soll sie weiterhin dort leben können. Geht das?
Räumen Sie der Partnerin in Ihrem Testament ein Wohnrecht ein. Dieses muss nach Ihrem Ableben von den Kindern zugunsten Ihrer Partnerin berücksichtigt werden, solange sie lebt beziehungsweise solange sie nicht von sich aus auf ihr Wohnrecht verzichtet.

8. Wir haben einen Ehevertrag und möchten diesen aufheben. Wie können wir dies tun?
Den Erbvertrag können Sie jederzeit durch schriftliche Übereinkunft aufheben.

9. Mit meiner Ehefrau habe ich drei Kinder. Der jüngste Sohn liess einen Vaterschaftstest machen. Dieser zeigte, dass ich nicht der leibliche Vater bin. Verliert er mir gegenüber nun die Erbansprüche?
Nach Zivilgesetzbuch gilt der Ehemann als Vater, wenn das Kind während der Ehe geboren wurde, egal, wer der leibliche Vater ist. Wird diese gesetzliche Vermutung der Vaterschaft nicht angefochten und gerichtlich aufgehoben, verliert der Sohn seine Erbansprüche nicht.

10. Was passiert mit der Erbschaft, wenn die Kinder vor den Eltern sterben?
Haben die Kinder Nachkommen, sind diese erbberechtigt. Andernfalls geht die Erbschaft an die Eltern. Ihre Pflichtteile muss man berücksichtigen, über den Rest des Vermögens kann man frei verfügen.

11. Ich bin ledig und habe drei Schwestern. Die Eltern sind gestorben. Nachkommen habe ich keine. Ich möchte, dass eine meiner Schwestern nichts erbt. Was muss ich tun?
Geschwister sind nicht pflichtteilsgeschützt. Sie können also ein Testament schreiben, in dem Sie nur die beiden Schwestern als Erbinnen einsetzen, die sie wollen. Das Testament müssen Sie vollständig von Hand schreiben, datieren und unterzeichnen. Als Alternative können Sie das Testament auch notariell beurkunden lassen.

12. Meine Partnerin will ich als Alleinerbin einsetzen. Wir sind nicht verheiratet. Muss sie Erbschaftssteuern bezahlen?
Wenn Sie unverheiratet bleiben, muss Ihre Partnerin Erbschaftssteuern bezahlen. Die Höhe dieser Steuern hängt davon ab, wie lange Sie am gleichen steuerrechtlichen Wohnsitz zusammengelebt haben (Art.19 ESchG).

Berner Zeitung

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