Bankchef treibt Bitcoin in die Baisse

Jamie Dimon, Chef der Grossbank JP Morgan, hat Bitcoin als Betrug bezeichnet. Diese Aussage und gesetzliche Einschränkungen in China schickten den Kurs der Digitalwährung auf Talfahrt. Die Kritik an Bitcoin nimmt zu.

Jamie Dimon, JP-Morgan-Chef.

Jamie Dimon, JP-Morgan-Chef. Bild: Keystone

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Jamie Dimon nahm bei der Einschätzung der Internetwährung Bitcoin kein Blatt vor den Mund. «Es ist ein Betrug», sagte der Chef der Bank JP Morgan Chase am Dienstag auf einer Investorenkonferenz in New York. Dass er Bitcoins für Betrug halte, erläuterte Dimon mit Erinnerung an die Tulpenspekulation in den Niederlanden im 17. Jahrhundert, die zu einer Panik in der damaligen Finanzwelt geführt hatte. «Man kann keine Geschäfte machen, wo Leute eine Währung erfinden, sie aus der Luft zaubern, und gleichzeitig glauben, dass Menschen, die so etwas kaufen, wirklich schlau seien.»

Der Wert der Bitcoins war zuvor seit Jahresbeginn um fast 350 Prozent gestiegen. Doch jetzt wird es schwer für die Ersatzwährung. Dimons Kommentar führte dazu, dass der Preis für einen Bitcoin am Mittwoch in den USA von 4106 auf 3854 Dollar absackte. Der Marktwert aller Bitcoins fiel um 20 Prozent auf 66,74 Milliarden Dollar, meldete Coinmarketcap.

China ergreift Massnahmen

Die Finanzaufsicht in Washington betrachte Bitcoin noch als Neuheit, sagte Dimon. Wenn die Kryptowährung sehr stark werde, würde man gegen sie vorgehen. «Irgendjemand kommt um, und dann wird die Regierung eingreifen», sagte der Bankchef. «Sie haben es gerade in China gesehen: Regierungen wollen ihren Geldumlauf kontrollieren.» China hatte am Montag Bitcoin-Angebote verboten, über die ­andere Geschäfte finanziert wurden. Auch prüft China, ob Bit­coin-Börsen geschlossen werden. Für die Kryptowährung wäre das ein harter Schlag, denn niemand auf der Welt hält so viele Bitcoins wie die Chinesen.

Auch Merrill Lynch warnt

Die Nachricht aus Peking führt zusätzlich zum Absacken des Bitcoin-Werts. Freunde der Kryptowährung wiegelten ab. Bitcoin werde sich bald erholen, China habe nur den Höhenflug der Bitcoins dämpfen wollen, was notwendig gewesen sei. «Nehmen Sie Billionen von Dollars an ­Werten in undurchsichtigen ­Finanzprodukten, fügen Sie eine Ich-will-rasch-reich-werden-Mentalität hinzu, und Sie haben das köchelnde Gebräu, das jeden Moment überkochen kann», schrieb Noelle Acheson, Analystin von Coindesk.

Der hohe Bit­coin-Preis veranlasste die Bank of America Merrill Lynch, diese Währung als «die am meisten überlaufene» Anlage zu bezeichnen. Im Klartext: Zu viele kaufen Bitcoins, was zu starken Preisschwankungen führen wird, wenn sie diese wieder verkaufen, um schnelles Geld zu machen.

Immer mehr akzeptiert

Bitcoins sind eine virtuelle Währung, die weltweit an den normalen Währungsmärkten vorbeigehandelt wird. Sie wird durch eine Technologie mit anonymen Konten am Leben erhalten. Dazu sind Computer in aller Welt notwendig. Privatpersonen stellen ihre Computer für den Erhalt dieses Netzes zur Verfügung und erhalten dafür Bitcoins. Trotz Dimons Warnung werden Bitcoins immer mehr akzeptiert.

Der US-Bundesstaat New York hat Bitcoin-Börsen zugelassen, die US-Finanzmarktaufsicht SEC behandelt sie wie ein legales Zahlungsmittel. In Chicago betreibt die Optionsbörse gemeinsam mit Gemini Trust Bitcoin-Termingeschäfte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.09.2017, 08:29 Uhr

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