Argentinien droht Zahlungsunfähigkeit

Sollte sich Argentinien mit den US-Hedgefonds nicht bald einigen, könnte das Land in Kürze zahlungsunfähig sein, warnt die Ratingagentur Moody's. Das weckt Erinnerungen an die Staatspleite 2001.

Soll seine Reise in die USA für Gespräche mit den Hedgefonds nutzen: der argentinische Wirtschaftsminister Axel Kicillof. (25. Juni 2014)

Soll seine Reise in die USA für Gespräche mit den Hedgefonds nutzen: der argentinische Wirtschaftsminister Axel Kicillof. (25. Juni 2014)

(Bild: Keystone John Minchillo)

Im Streit zwischen der argentinischen Regierung und US-Hedgefonds um die Begleichung von Schulden hält die Ratingagentur Moody's eine Zahlungsunfähigkeit des Landes für möglich. Die Bewertung der argentinischen Kreditwürdigkeit sei unter Beobachtung gestellt worden, teilte Moody's mit.

Sollten sich das Land und die Hedgefonds nicht bis Ende Juli einigen, könne dies zur Zahlungsunfähigkeit des Landes führen und zu einer weiteren Herabstufung der Bonität. Schon jetzt bewertet Moody's das Land im Zusammenhang mit ausländischen Verbindlichkeiten nur mit der mittelmässigen Note Caa2.

Gegenseitige Anschuldigungen

Laut einem Gerichtsurteil aus den USA musste Argentinien den Hedgefonds NML und Aurelius bis zum 30. Juni 1,3 Milliarden Dollar zahlen. Andere Gläubiger dürften nicht vor den beiden Fonds bedient werden. Noch ist die Milliardenforderung nicht beglichen – laut Moody's bedeutet dies bislang aber nur eine «technische Zahlungsunfähigkeit» Argentiniens, weil das Land von einer Schonfrist von 30 Tagen profitiere.

NML und Aurelius forderten Argentinien zu Verhandlungen auf. Der argentinische Wirtschaftsminister Axel Kicillof, der am Donnerstag in den USA erwartet wurde, solle die Reise für Gespräche mit den Hedgefonds nutzen. Beide Seiten hatten einander zuletzt beschuldigt, Verhandlungen abzulehnen. Für Montag ist ein Treffen der Anwälte geplant.

Einige Gläubiger blieben hart

Argentinien war bereits 2001 zahlungsunfähig. Damals beliefen sich die Schulden auf fast 100 Milliarden Dollar. Mit einem Grossteil der Gläubiger konnte sich das Land 2005 und 2010 auf eine Umschuldung einigen: Die Gläubiger verzichteten auf einen Grossteil ihres Geldes.

Rund sieben Prozent blieben aber hart und verlangen weiterhin den Nennwert der argentinischen Anleihen, die viele von ihnen nach der Pleite des Landes billig aufgekauft hatten. Zu diesen Gläubigern zählen NML und Aurelius. Nach dem Urteil im Sinne der beiden Hedgefonds könnten weitere Gläubiger hohe Summen von Buenos Aires fordern und damit Argentinien in die Staatspleite treiben.

thu/sda

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