Zum Hauptinhalt springen

Französische Agenten operierten in Genf

Die französische Zeitung Le Monde liefert neue Erkenntnisse zum Fall Falciani und der Genfer HSBC-Filiale.

Die gestohlenen Kundendaten wurden an mehrere Staaten weitergereicht: Hervé Falciani posiert im französischen Nizza.
Die gestohlenen Kundendaten wurden an mehrere Staaten weitergereicht: Hervé Falciani posiert im französischen Nizza.
Keystone

Ein Artikel der Zeitung «Le Monde» zeigt: Die Flucht des früheren Genfer HSBC-Informatiker Hervé Falciani Ende 2008 mit einem Datensatz von 127'000 Bankkunden – darunter vermutete Steuerbetrügern – nach Frankreich war eine gross angelegte Sache mit Geheimdienst und Steuerbehörden als Hauptakteure.

Unter dem falschen Namen Ruben al-Chidiack sprach Falciani im April 2008 erstmals mit den französischen Steuerbehörden (Direction nationale d'Enquêtes fiscales, DNEF). Diese rochen eine riesige Geschichte, trauten aber Falciani noch nicht, sie wollten seinen richtigen Namen, bevor sie für die Daten zahlten. An der schweizerisch-französischen Grenze treffen ihn die Angestellten der DNEF zweimal, die Treffen werden gefilmt, der französische Geheimdienst begleitet den Informatiker zurück in die Schweiz – alles wird unternommen, um nicht die Aufmerksamkeit der Schweizer Behörden zu wecken. Um die Daten von Falciani lesen zu können, muss der Geheimdienst erst die geeignete Software für 300'000 Euro kaufen, zahlreiche Informatiker werden beigezogen, um die Daten zu prüfen.

Zwei Listen

Sieben Namen von angeblichen Steuernsündern liefert Falciani als Beleg für seine Glaubwürdigkeit. Die DNEF überprüft sie – alle waren sie demnach korrekt. Als die Schweizer Falciani im acht Monate später im Dezember 2008 auf die Schliche kommen, flüchtet dieser mit dem Auto nach Nizza. Mit dabei seine Computer mit den geklauten Daten. Der Flüchtling ist bereit zu kooperieren und händigt den französischen Steuerbehörden vier Daten-DVDs aus.

Die Daten sind verschlüsselt, nach aufwendigen Entschlüsselungsversuchen kommen erste Namen zum Vorschein. Auf der Liste befinden sich zwar klingende Namen – Anwälte, Geschäftsleute, Leute aus dem Showbusiness. Doch, wie es scheint, der wirklich grosse Namen ist nicht dabei. Zwei Listen werden gemacht, eine von der Steuerverwaltung mit 2846 Namen, eine von der Justiz mit 2956 Namen. Die unterschiedliche Anzahl stammt aus der unterschiedlichen Analysemethode. Der berühmte Koch Paul Bocuse ist darunter, der Präfekt Jean-Charles Marchiani, auch Patrice de Maistre, der frühere Vermögensverwalter von L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt, Frankreichs reichster Frau.

Brisant: Der Name von Marchiani ist wenig später auf einer Liste der Justiz nicht mehr vorhanden. Der Abgeordnete Christian Eckert sagt gegenüber «Le Monde»: «Es existierte geradezu der Wunsch, die Affäre zu vergessen.» Im Januar 2009 gab es aus Paris den Befehl, die Ermittlungen zu stoppen.

Überstürzter Abgang

Der Chef der DNEF, Roland Veillepeau, widersetzt sich der Order, im März desselben Jahres wird er nach zwei Jahren als Chef gefeuert – normalerweise bleibt der Chef der DNEF für fünf Jahre in der Funktion. Vor seinem überstürzten Abgang übermittelte Veillepeau die Namen aller Steuersünder der Finanzkontrolle – damit konnten diese nicht mehr verändert werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch