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Formel-1-Affäre: Prozessbeginn gegen Gribkowsky

München In der Formel-1-Affäre muss sich der frühere deutsche BayernLB-Manager Gerhard Gribkowsky seit Montag wegen Bestechlichkeit und Untreue vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in seiner Amtszeit als Vorstand bei der Bank rund 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel 1-Chef Bernie Ecclestone kassiert zu haben. Der BayernLB soll dadurch laut Anklage ein Schaden von knapp 66,5 Millionen Dollar entstanden sein, weil sie ohne den Deal zwischen Gribkowsky und Ecclestone mehr Geld an dem Verkauf verdient hätte. Gegen Ecclestone laufen die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft noch. Ob auch gegen ihn Anklage erhoben wird, ist nach Angaben einer Sprecherin noch offen. Am 9. und 10. November ist er als Zeuge geladen. Der früher hoch bezahlte Manager Gribkowsky sitzt wegen der Affäre seit Anfang des Jahres in Untersuchungshaft in München. Seitdem hat er sich laut Staatsanwaltschaft nicht zu den Vorwürfen geäussert. Zum Beginn der Verhandlung zeichnete sich deshalb ein Mammutprozess mit mehr als 40 Zeugen ab: Bis ins nächste Jahr hinein sind mehr als 20 Verhandlungstage vorgesehen. Staatsanwaltschaft optimistisch «Wir gehen davon aus, dass der Sachverhalt dem Angeklagten nachgewiesen werden kann», sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft vor dem Prozessbeginn. Die Anwälte des Managers hingegen streben einen Freispruch an. «Alle Vorwürfe werden in sich zusammenfallen», sagte Rechtsanwalt Rainer Brüssow. Gribkowsky war bis 2008 als Vorstand für die Risikosteuerung und Vermeidung von Kreditausfällen bei der Landesbank verantwortlich. Im Jahr 2006 fädelte Gribkowsky den Verkauf der BayernLB-Anteile an der Formel 1 für rund 837 Millionen Dollar an den Finanzinvestor CVC ein. Der Bank war die Beteiligung an der Rennserie nach der Pleite des Medienimperiums von Leo Kirch im Mai 2002 als Sicherheit zugefallen. Da sie nicht viel mit den Anteilen anfangen konnte, beauftragte sie Gribkowsky, sie zu einem möglichst guten Preis zu verkaufen. Bestechung verschleiert Bei dem Deal soll Gribkowsky rund 44 Millionen Dollar von Ecclestone kassiert haben - davon mehr als 22 Millionen Dollar von Ecclestone selbst sowie nochmals gut 21 Millionen Dollar aus der Familienholding Bambino, welche der früheren Frau und den Töchtern des Briten gehört. Mit Hilfe von Briefkastenfirmen auf Mauritius und den britischen Jungferninseln sollen die Bestechungszahlungen verschleiert worden sein. Gribkowsky soll als Gegenleistung den Verkauf ganz im Sinne Ecclestones erledigt haben. Der gebürtige Hamburger Gribkowsky hatte seine Karriere nach einem Jura-Studium und Promotion bei der Deutschen Bank begonnen und war im Jahr 2003 in den Vorstand der BayernLB eingezogen. Im Jahr 2008 trennte sich die Bank nach Milliardenverlusten von dem Manager. Sie fordert von ihm - neben dem Schadenersatz für den Formel 1- Verkauf - auch noch eine Entschädigung in Millionenhöhe wegen des Milliardenfehlkaufs der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria. Sollte Gribkowsky in dem Strafprozess verurteilt werden, hätte die Bank gute Chancen, ihre Ansprüche in einem Zivilprozess durchzusetzen. Um sicher zu gehen, dass Gribkowsky sein Vermögen bis zum Abschluss des Prozesses nicht versteckt oder verbraucht, hat die BayernLB dieses einfrieren lassen.

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