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EZB steuert auf Zinswende zu - Fed lässt sich noch Zeit Von Reinhard Becker, Reuters Hintergrund

Berlin Nach Jahren mit rekordniedrigen Zinsen stehen die Hüter des Euro nächste Woche vor einer Wende.

Der seit Mai 2009 auf 1,0 Prozent verankerte Leitzins wird nach der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag wohl Geschichte sein. Experten sind sich einig, dass die Notenbanker ihn wegen der Inflationsgefahren um einen viertel Prozentpunkt anheben werden - trotz Japan-Krise und Spannungen im Nahen Osten. Die traditionell eher vorsichtige EZB reagiert damit weit rascher als die Geldpolitiker in Grossbritannien und den USA, die dem kontinental-europäischen Beispiel erst mit gebührendem Abstand folgen dürften. Letzte Zweifel an der Entschlossenheit der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte ein Blick auf die jüngsten Inflationsdaten in der Euro-Zone beseitigen: Die Teuerungsrate ist im März auf 2,6 Prozent gestiegen und damit der EZB-Stabilitätsmarke von knapp zwei Prozent weit enteilt. «Damit scheint eine Anhebung durchaus gerechtfertigt - zumal sich vor allem aufgrund der Ölpreisentwicklung kein Rückgang der Inflationsrate in den kommenden Monaten abzeichnet», meint Thilo Heidrich von der Postbank. Auch für den Commerzbank-Experten Michael Schubert ist die Zinswende ausgemachte Sache: «Es sei denn, die Lage in Japan und an den Finanzmärkten eskaliert.» Weitere Zinserhöhung möglich Die deutschen Privatbanken halten es für durchaus möglich, dass die EZB angesichts der Inflationsrisiken noch dieses Jahr nachlegen wird, wie der Hauptgeschäftsführer des Dachverbandes, Michael Kemmer, sagt: «Die EZB ist hier hellwach.» Allerdings dürfte sich Präsident Jean-Claude Trichet an der Medienkonferenz nach der Zinssitzung noch nicht in die Karten blicken lassen. Mit dem altbewährten Credo «Wir legen uns niemals vorab fest» dürfte er allzu forsche Fragen nach dem weiteren Kurs unbeantwortet lassen. Umso mehr achten die Experten auf die kleinen Nuancen: «Je stärker die EZB an der Sitzung betont, dass eine Normalisierung der Geldpolitik notwendig ist, desto stärker signalisiert sie, dass weitere Zinsanhebungen wahrscheinlich sind», sagt Schubert. Wegbereiter für die SNB Eine Zinserhöhung der EZB würde die Arbeit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erleichtern. Die Zinsdifferenz ist wichtig für die Entwicklung des Wechselkurses, wie SNB-Direktoriumsmitglied Jean- Pierre Danthine in einem Interview mit der «Basler Zeitung» (Samstagsausgabe) erklärte. «Diese Zinsdifferenz zwischen dem Euro und dem Franken bewegt sich historisch gesehen auf einem ungewöhnlich niedrigen Niveau.» Für die Schweizer Binnenwirtschaft sind die Zinsen laut Danthine zurzeit klar zu tief. Wegen der leicht trüberen Aussichten für die Weltwirtschaft und wegen des starken Frankens verfolge die SNB aber weiterhin eine sehr vorsichtige Geldpolitik. Die SNB hatte zuletzt Mitte März auf eine Zinserhöhung verzichtet. Banken können sich bei der Nationalbank nun seit zwei Jahren fast gratis mit Geld versorgen. USA und Grossbritannien warten noch Falls die EZB die Zinsen tatsächlich erhöht, leitet sie die Wende damit weit früher ein als die Bank von England (BoE) oder die Federal Reserve in den USA. In Grossbritannien ist die Inflation den Währungshütern bereits weit stärker enteilt als im Euroraum. Dennoch rechnen Experten damit, dass die BoE erst im dritten Quartal die rekordniedrigen Zinsen von 0,5 Prozent erhöht. In den USA hatten Fachleute bislang eine Straffung erst 2012 auf dem Zettel, doch denken Notenbanker jenseits des Atlantiks jetzt laut über eine Erhöhung in diesem Jahr nach: Wie der Präsident der Federal Reserve von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, dem «Wall Street Journal» sagte, könnte die Fed den Schlüsselzins von null bis 0,25 Prozent demnach um einen dreiviertel Prozentpunkt erhöhen, falls die Teuerungsrate 2011 aus dem Ruder zu laufen droht.

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