Ex-CS-Manager Bouée ist auch Job bei der Schweizer Börse los

Six-Group baut bei der ausserordentlichen Generalversammlung im Dezember den Verwaltungsrat um und wählt einen neuen Präsidenten.

Ist Anfang Monat bei der Credit Suisse zurückgetreten: Pierre-Olivier Bouée. Foto: PD

Ist Anfang Monat bei der Credit Suisse zurückgetreten: Pierre-Olivier Bouée. Foto: PD

Holger Alich@Holger_Alich

Auf der Website des Börsenbetreibers Six steht sein Name noch als Verwaltungsrat: Pierre-Olivier Bouée. Die ehemalige Nummer zwei der Geschäftsleitung der Credit Suisse vertrat bis vor kurzem die Grossbank im Spitzengremium.

Nach Angaben der Six nimmt der Franzose aber nicht mehr an den Sitzungen des Verwaltungsrats teil. Sprich: Bouée ist de facto aus dem Gremium ausgeschieden. «Der Nachfolgeprozess läuft», erklärte ein Six-Sprecher.

Neuwahlen im Dezember

So nahm die ehemalige rechte Hand von Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam am Mittwoch auch nicht an der Sitzung des Spitzengremiums der Six teil, bei der der ehemalige Manager der Swiss Re und der Credit Suisse, Thomas Wellauer, zum neuen Präsidenten vorgeschlagen wurde. Wellauer folgt im kommenden März auf Romeo Lacher, der Präsident von Julius Bär geworden ist.

Der Name des Nachfolgers von Bouée im Verwaltungsrat der Six ist dagegen noch nicht bekannt. Dennoch sei der Plan, den neuen Vertreter der Credit Suisse bei der ausserordentlichen Generalversammlung der Six im Dezember zu wählen. Neben der UBS ist die Credit Suisse der grösste Einzelaktionär des Schweizer Börsenbetreibers.

Ermittlungen laufen weiter

Bouée war Anfang Monat bei der Credit Suisse zurückgetreten (wir berichteten), weil er seinem Sicherheitschef den Auftrag gegeben hatte, Ex-CS-Manager Iqbal Khan beschatten zu lassen. Khan hatte die Internationale Vermögensverwaltung der Bank geleitet, die Credit Suisse aber im Juli verlassen, um bei der UBS in vergleichbarer Stellung anzuheuern. Khan hat aufgrund der Beschattung Strafanzeige wegen Bedrohung und Nötigung erstattet, die Ermittlungen laufen noch.

Naheliegender Kandidat wäre Bouées Nachfolger in der Geschäftsleitung, James B. Walker.

Credit Suisse wollte keinen Kommentar dazu abgeben, wen die Grossbank künftig in den Verwaltungsrat der Six entsenden will. Naheliegender Kandidat wäre Bouées Nachfolger in der Geschäftsleitung, James B. Walker.

Kandidat soll Deutsch können

Das Problem: der britisch-amerikanische Doppelbürger spricht nicht ausreichend gut Deutsch. Da die Diskussionen im Verwaltungsrat der Six auf Deutsch ablaufen, will die Grossbank einen Vertreter mit guten Deutschkenntnissen entsenden. Schweiz-Chef Thomas Gottstein wäre ein naheliegender Kandidat.

Denn die UBS ist ebenfalls mit einem Topshot vertreten: Die Grossbank hat Sabine Keller-Busse in den Verwaltungsrat der Six entsandt. Die Deutsche ist Chief Operating Officer der Grossbank und fungiert seit neuestem auch als Präsidentin der UBS Europa, Nahost und Afrika. Sie gilt als eine Führungskraft, die Bank-Chef Sergio Ermotti beerben könnte.

Bemerkenswert ist ferner die Personalie des neuen Six-Präsidenten, Thomas Wellauer. Die Karriere des 64jährigen schien nach seinem Ausscheiden als Chief Operating Officer bei der Swiss Re Ende Juni eigentlich beendet. Nun bekommt der gefallene Credit-Suisse-Manager mit dem Six-Präsidium noch einmal einen Prestigejob im Finanzsektor.

Mit Wellauers Name ist unauflöslich mit der gescheiterten Allfinanzstrategie der Credit Suisse verbunden. 1997 übernahm er die Führung der Winterthur Versicherung. Als diese vom Investor Martin Ebner bedrängt wurde, fusionierte die Winterthur mit der Credit Suisse. Gemeinsam mit Bank-Chef Lukas Mühlemann wurde Wellauer zum Architekten der Allfinanz-Strategie und stieg bei der Grossbank zum CEO der CS Financial Services auf. Doch die Allfinanz-Strategie war ein Flop und Wellauer musste nach zwei Jahren gehen.

Dank guter Kontakte in die Unternehmenswelt fand er einen neuen Job beim Chemiekonzern Clariant. Es folgten Stationen bei Novartis und zuletzt bei der Swiss Re. Auf dem Radar der Öffentlichkeit tauchte Wellauer wieder auf, da er neben ABB-Präsident Peter Voser als Wirtschaftsvertreter an der «Aussenpolitischen Vision Schweiz 2028» von Bundesrat Ignazio Cassis mitgearbeitet hat. Nun steht als Präsident des Börsenbetreibers Six erneut im Licht der Öffentlichkeit.

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