Zum Hauptinhalt springen

EU-Aufsicht hält nichts von Rating-Stopp für Euro-Krisenländer Aufsichtsbehörde nicht für UBS-Skandal zuständig

Wien Der Chef der europäischen Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA - dem auch die Überwachung der Ratingagenturen obliegt - will den Agenturen nicht verbieten, verschuldete Länder zu bewerten.

ESMA-Chef Steven Maijoor sagte, dies würde die Situation verschärfen. Die Märkte würden dazu neigen, das Schlimmste anzunehmen, was Misstrauen schüren, die Situation verschärfen und den betroffenen Staaten noch mehr Schaden zufügen werde, sagte der ESMA-Chef am Mittwochabend vor den Medien in Wien. Der Vorschlag den Ratingagenturen die Bewertung der Kreditwürdigkeit von schuldenbeladenen Staaten zu verbieten kam unter anderem von deutschen Politikern sowie von EU-Kommissar Michel Barnier. Maijoor sagte, die ESMA könne nicht die Ratings der Agenturen bewerten, sondern bloss die Standards und Methoden, die diesen Beurteilungen zugrunde lägen. Bedenken äusserte er gegen Ideen, eine eigene europäische Ratingagentur in Konkurrenz zu US-dominierten Branchengrössen aufzuziehen, womöglich mit staatlicher Beteiligung. Dort beschäftigte Experten könnten ihre Arbeit noch so gut machen, mangelnde Unabhängigkeit von europäischen Regierungen machte es wohl sehr schwer, Staatsschulden bewerten zu wollen. Die in Europa tätigen Ratingagenturen müssen bei der ESMA registriert sein, die Behörde kann bei Regelverstössen sogar Sanktionen verhängen. Weil die grossen US-Agenturen einen beträchtlichen Teil des Europa-Geschäfts über London abwickeln, unterliegt dieser Brocken damit auch der EU-Aufsicht. Sie müssen damit auch die Regeln in Europa befolgen. UBS-Fall alarmiert Behörde Keine Macht hätte die ESMA, die durch den UBS-Handelsskandal in die Schlagzeilen geratenen Termingeschäfte mit ETFs (Exchange Traded Funds) zu verbieten. Diese synthetischen Indexfonds unterstehen bisher auch nicht den europäischen Finanzmarktregeln. Maijoor meinte zudem, seine Behörde wisse noch nicht genug darüber, wieweit dieses Produkt den UBS-Skandal verursachte. Abgesehen davon sei die EU-Behörde nicht für die Schweiz zuständig. Dass immer komplexer werdende Produkte aber immer stärker in den Händen kleiner Retail-Anleger landen, alarmiere die ESMA-Behörde in Paris. Im bald vierten Jahr nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise arbeiten Aufsichtsbehörden und Gesetzgeber noch immer an einer Rechts- und Infoplattform über derivative Finanzprodukte, wie etwa Credit Default Swaps, die auch bei der jetzigen Griechenland-Krise eine gewichtige Rolle spielen. Über Volumina und damit verbundenes Risiko soll es erst nächstes Jahr Klarheit geben, bestätigte der ESMA-Chef. Das entsprechende Reglement namens EMIR (European Markets Infrastructure Regulation) kommt 2012. Die Aufsicht erinnert die Kreditwirtschaft an ihre Verpflichtung, ihre Positionen auch in Staatsanleihen risikoadäquat zu bewerten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch