Die Erwartungen an die neue Chefin von UPC sind hoch

Severina Pascu ist seit einem Monat an der Spitze des grössten Schweizer Kabelnetzbetreibers. Ihre Kinder sorgen dafür, dass die Rumänin technologisch auf dem neuesten Stand bleibt.

Einflussreiche Rumänin: Die 45-jährige Severina Pascu ist seit zehn Jahren in der Telecombranche tätig. Foto: PD

Einflussreiche Rumänin: Die 45-jährige Severina Pascu ist seit zehn Jahren in der Telecombranche tätig. Foto: PD

Jon Mettler@jonmettler

Die Einladung kommt unkonventionell per Kurznachrichtendienst Whatsapp direkt aufs Smartphone und nicht etwa per E-Mail. Angehängt ist eine persönliche Videobotschaft von Severina Pascu, seit dem 1. September neue Chefin von UPC Schweiz und erste Frau an der Spitze eines bedeutenden Schweizer Telecomanbieters.

«Es ist mir eine Freude, mich zu einem Zeitpunkt vorzustellen, der den Beginn eines neuen Kapitels hier bei UPC kennzeichnet», sagt die 45-Jährige und lädt an den Hauptsitz nach Wallisellen ein. Damit ist der Ton für die Ära Pascu gesetzt. Es geht darum, aus dem langen Schatten ihres Vorgängers Eric Tveter zu treten und frischen Wind in den grössten Schweizer Kabelnetzbetreiber zu bringen.

Erster offizieller Auftritt

Gestern ist Pascu vor Kunden und Geschäftspartnern erstmals öffentlich in ihrer neuen Funktion aufgetreten. Mitgebracht hat die Rumänin ein überarbeitetes Fernsehangebot, welches ab heute das veraltete Horizon TV ablöst. Dazu gehört auch eine neue Fernsehbox. Das Gerät fällt deutlich kleiner aus als das aktuelle Modell und enthält eine Sprachsteuerung.

Der Nutzer kann Anweisungen direkt in die Fernbedienung sprechen. Via Sprachbefehl lässt sich so zwischen den Sendern wechseln, nach Schauspielern oder Filmen suchen. Auch Menüpunkte können so aufgerufen werden. Selbst schweizerdeutsche Befehle versteht die neue Box. Allerdings bietet Erzrivale Swisscom seit zwei Jahren ein Empfangsgerät an, das Dialekt erkennt.

Mit ihrem Auftritt macht Pascu klar, dass sie als neue UPC-Chefin eine der grossen Baustellen innerhalb des Telecombetreibers rasch stilllegen will. Gemeint ist der Kundenschwund im hart umkämpften Fernsehgeschäft.

UPC hat Millionen von Franken in den neuen Bezahlsender Mysports und die Fernsehrechte für Schweizer Eishockey gesteckt, um neue Kunden zu gewinnen und den Rückstand auf Swisscom aufzuholen.

Trotzdem verliert UPC quartalsweise Fernsehzuschauer an den staatsnahen Betrieb und versorgt inzwischen weniger Haushalte mit Fernsehanschlüssen als Swisscom. Der blaue Riese setzt bei seinem Sportangebot auf Schweizer Fussball und scheint damit den Geschmack der zahlungswilligen Fans besser zu treffen.

Zwar tragen die Konkurrenten den Wettbewerb über die gut sichtbaren Sportübertragungen aus. Entscheidend ist aber auch das Gesamtprodukt. Gemeint sind die Funktionen von digitalem Fernsehen, welche die Nutzer heute voraussetzen: eine einfach zu bedienende Plattform, das Abspeichern von Sendungen und zeitversetztes Fernsehen. In diesem Zusammenhang sind die Verbesserungen beim TV-Angebot von UPC zu sehen.

Als Telecommanagerin mit zehn Jahren Erfahrung innerhalb des amerikanisch-britischen UPC-Mutterkonzerns Liberty Global kennt sich Pascu mit den Bedürfnissen der Nutzer aus. «Der Konsum von Fernsehinhalten auf allen Geräten ist die Norm, und die Möglichkeit, miteinander verbunden zu sein, ist wesentlich für unsere Lebensweise geworden», sagt sie.

Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin tritt im Jahr 2008 als Finanzchefin bei UPC Rumänien ein. Sie macht rasch Karriere und wird ab 2010 Firmenchefin von UPC Rumänien und später von UPC Ungarn.

Hohe Erwartungen

Zuletzt verantwortet sie die Geschäfte von Liberty Global in Zentral- sowie Osteuropa und zugleich das Marketing, den Verkauf und den Kundenbereich für UPC in der Schweiz und Österreich. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» kürte Pascu deshalb zu einer der 50 einflussreichsten Frauen in Rumänien.

Mitarbeiter von UPC Schweiz erleben die neue Chefin als engagierte Führungskraft. Intern traut man ihr deshalb zu, den erwarteten neuen Schwung ins Unternehmen zu bringen. Pascu selber sagt: «Ich spüre, dass die Erwartungen an mich hoch sind. Nun muss ich zeigen, dass ich diese nicht enttäusche.»

Den Schweizer Telecommarkt beschreibt Pascu als äusserst kompetitiv. Ihre Aufgabe sehe sie darin, dass UPC Schritt halte mit dem technologischen Tempo und die Kunden mehr einbinde.

Nicht nur der Kampf um Marktanteile erfordert Pascus Aufmerksamkeit, sondern auch die Stellung von UPC Schweiz im Mutterkonzern. Liberty Global befindet sich im Umbruch. Im Frühling wurde bekannt, dass die Firma ihr Kabelnetzgeschäft in Deutschland, Ungarn, Tschechien und Rumänien an den britischen Mobilfunkanbieter Vodafone verkauft. Bereits Anfang Jahr trennte sich Liberty Global von UPC Österreich.

Damit hat UPC Schweiz wieder an Bedeutung gewonnen, da die Ländergesellschaft aus der bisherigen regionalen Organisationsstruktur herausgelöst und künftig wieder eigenständig geführt wird. Dies beflügelt im laufenden Jahr Fantasien um eine Fusion mit einem Schweizer Konkurrenten. Sunrise und Salt gelten als heisse Kandidaten.

Technologie beschäftigt Pascu sowohl im Berufsleben als auch zu Hause. «Meine beiden Kinder wachsen im digitalen Zeitalter auf», sagt sie und fügt lachend hinzu: «Sie werden ungeduldig, wenn ich mich als Nutzerin ungeschickt anstelle. So bleibe ich immer auf dem neuesten Stand.» 

Mit ihrer Familie lebt die UPC-Chefin seit über zwei Jahren in der Schweiz. Den Umzug bereut sie nicht. Als leidenschaftliche Skifahrerin wohne sie nun im «richtigen Land».

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