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England macht die Topbanker verantwortlich

Grossbanken müssen den englischen Behörden Manager melden, die bei einem Fehlverhalten der Bank haften. Die UBS und die CS geben Spitzenkräfte an.

Die britische Finanzmarktaufsicht will künftig Topbanker zur Rechenschaft ziehen: Auch UBS-Investmentbankchef Andrea Orcel ist auf der Liste.
Die britische Finanzmarktaufsicht will künftig Topbanker zur Rechenschaft ziehen: Auch UBS-Investmentbankchef Andrea Orcel ist auf der Liste.
Sang Tan / AP, Keystone

Nach fast jedem Finanzskandal heisst es, die Topshots kämen ungeschoren davon. Ob nun die Bank in eine Krise gerät oder sich einzelne Manager fragwürdig verhalten haben, meistens bleiben die Bankchefs unbehelligt. Die englische Finanzmarktaufsicht FCA gibt nun Gegensteuer. Jede bedeutende Bank auf dem englischen Finanzplatz muss künftig Verantwortliche benennen, die zur Rechenschaft gezogen werden, wenn die Bank in Schwierigkeiten gerät.

Die «Financial Times» hat analysiert, welche Bank welche Führungskräfte dafür vorgesehen hat. Insgesamt haben die neun grössten Banken auf dem Londoner Finanzplatz fast 250 Personen gemeldet. Darunter sind auch 47 Manager der UBS und der CS. Ein interessanter Aspekt dabei: 16 Prozent aller gemeldeten Führungskräfte sind Frauen. Das ist ein hoher Wert für eine Branche, die nicht besonders viele weibliche Spitzenkräfte kennt. Bei der Bank of America beträgt der Frauenanteil sogar 43 Prozent.

Harte Strafen vorgesehen

Die Manager riskieren unter dem neuen Regime Bussen und Berufsverbote, sollten sich in ihren Abteilungen gesetzeswidrige Machenschaften ereignen. Sie müssen daher künftig darlegen können, dass sie ein mögliches Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter verhindert haben.

Auch die beiden grössten Banken aus der Schweiz haben Topshots bei der Behörde angegeben. Bei der UBS wurden insgesamt 22 Personen bei der englischen Finanzmarktaufsicht gemeldet. Darunter auch der Chef der Investmentbank, Andrea Orcel. Der Italiener ist einer der wichtigsten Manager der UBS und arbeitet hauptsächlich in London.

Bei der CS wurden 25 Mitarbeitende bei den englischen Behörden angegeben. Mit CS-Verwaltungsrat Richard Thornburgh und CS-Finanzchef David Mathers hat die zweitgrösste Schweizer Bank zwei äusserst prominente Aushängeschilder gemeldet. Jüngst kursierten zwar Gerüchte, Thornburgh wolle aus dem Verwaltungsrat der Bank zurücktreten, doch wurden diese rasch dementiert. Mit einem Frauenanteil von fast 27 Prozent hat die CS deutlich mehr weibliche Führungskräfte bei den englischen Behörden gemeldet als die anderen von der FT analysierten Banken.

Im Gegensatz zu den beiden Schweizer Banken finden sich von der US-Grossbank Citigroup keine Topmanager aus der US-Zentrale auf der FCA-Liste. Sie gibt bei den englischen Behörden ausschliesslich lokale Führungskräfte an.

Die Schweiz kennt keine vergleichbaren Regel

Die neue Vorschrift der FCA kommt in der Branche nicht gut an. Offenbar haben die Banken stark dagegen lobbyiert. Es wirke abschreckend, beklagen sich Topbanker in der FT. Damit werde es den Finanzinstituten künftig noch schwerer fallen, junge Führungskräfte für leitende Positionen zu gewinnen. Unter anderem befürchten die Manager, künftig für Entscheide verantwortlich gemacht zu werden, die sie vor Jahren gefällt haben. Einige Banker hätten wegen der Norm sogar ihren Job aufgegeben.

In der Schweiz ist derzeit keine vergleichbare Regelung vorgesehen. Eine ähnliche Norm wurde zwar von verschiedenen Stellen immer wieder gefordert, konkrete Folgen blieben aber bislang aus.

Die Auswertung der «Financial Times» finden Sie hier. (Artikel bezahlpflichtig)

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