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Ein neuer Chefdrucker für die neuen Banknoten

Mit dem Chefwechsel bei Orell Füsslis Sorgenkind gibt es auch gute Neuigkeiten von der Sicherheitspapier-Front.

Frühestens 2015 sollen hier die neuen Schweizer Banknoten gedruckt werden: Farbrollen im Bereich Sicherheitsdruck bei Orell Füssli.
Frühestens 2015 sollen hier die neuen Schweizer Banknoten gedruckt werden: Farbrollen im Bereich Sicherheitsdruck bei Orell Füssli.
PD

Das Communiqué von Orell Füssli tönt banal: Nach über vier Jahren als Chef der Division Sicherheitsdruck «hat sich Dr. Anton Gasteiger entschieden, das Unternehmen im Verlaufe des Monats Juli 2013 zu verlassen». Er wolle sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen. Um die Kontinuität in wichtigen laufenden Projekten sicherzustellen, übernehme Orell-Füssli-Chef Michel Kunz die Division. Ein Nachfolger wird schon gar nicht erst gesucht, wie es bei Orell Füssli (OF) auf Anfrage heisst.

Doch dem Banalen fehlt es nicht an Brisanz. Denn mit Gasteigers abruptem Abgang wird der Notendruck und auch der Druck der neuen Schweizer Banknote definitiv zur Chefsache. Im letzten Winter war Gasteiger bereits jemand vor die Nase gesetzt worden: Der OF-Chef persönlich war vom Verwaltungsrat zum Leiter einer Taskforce ernannt worden, die die Probleme in der Sicherheitsdruckerei in den Griff bekommen soll. Gemäss Jahresbericht treibt diese Taskforce die Massnahmen zur Verbesserung der Produktionsprozesse und zur Effizienzsteigerung voran.

Papierproblem soll gelöst sein

Zuvor hatte die Nationalbank die Auslieferung der neuen Schweizer Notenserie dreimal verschieben müssen: zuerst von 2010 auf 2012, dann auf 2013, allenfalls 2014 – und schliesslich, im letzten Dezember, auf «frühestens 2015». Begründet wurde die Verzögerung stets mit «technischen Schwierigkeiten». Die Orell Füssli Holding, welche die neuen Banknoten produziert und zu 33,3 Prozent der Nationalbank gehört, verwies im Februar 2012 auf «Lieferverzögerungen eines Lieferanten». Gemeint war der Zulieferer Landqart – eine auf die Herstellung von Hochsicherheitspapieren für Pässe und Banknoten spezialisierte Unternehmung in Landquart GR. Doch in einem Interview in der «Handelszeitung» wollte Klaus Oesch, der damalige Präsident von Orell Füssli, die Schuld nicht abschieben: «Am Ende haben alle Beteiligten ... den Zeitaufwand und die Komplexität des Entwicklungsprozesses unterschätzt.»

Recherchen des TA ergeben nun, dass die Herstellung der komplexen Banknoten für Orell Füssli tatsächlich mehr als nur eine grosse Herausforderung ist – losgelöst von den Papierproblemen, die unterdessen überwunden sein sollen. «Im Labor erhielt der neue Geldschein fantastische Noten, aber die industrielle Produktion mit all den Sicherheitsmerkmalen, die als Vorprodukte in die Note eingebaut werden müssen, ist nicht ohne», sagt ein Kenner der Materie. In unzähligen Testgängen habe Orell Füssli sehr viel Ausschuss produziert – und das gehe bei dem extrem teuren Hochsicherheitspapier ins Geld.

Als Manager überfordert

Das hat direkte Auswirkungen auf das Betriebsergebnis der Division Sicherheitsdruck: Sonderaufwendungen für Inventarbereinigungen und Folgekosten aus den Projektverzögerungen belasteten das Ergebnis 2012 laut Geschäftsbericht mit 3,6 Millionen Franken. Das Betriebsergebnis brach ein – von 12,3 auf 2,6 Millionen Franken.

Offenbar haben aber nicht nur die Probleme mit den Schweizer Banknoten zum erzwungenen Abgang von Divisionschef Gasteiger geführt. Gemessen am Betriebsergebnis sei der Leistungsausweis des Österreichers generell dürftig. Tatsächlich ist der Gewinn seit seinem Amtsantritt Anfang 2009 nur gefallen. Es dürfte auch kein Zufall sein, dass Gasteigers Abgang just Anfang Juli erfolgt; das Halbjahresresultat dürfte wiederum unbefriedigend sein.

«Als Verkäufer war er top», sagt ein Weggefährte. «Aber ein guter Verkäufer ist nicht zwingend ein guter Manager.» Gasteiger sei zuletzt stark gealtert und habe sehr blass ausgesehen, unter der gewaltigen Verantwortung habe er sehr gelitten. Im Notendruck bei OF sei die Herausforderung auf drei Ebenen gross: zunächst einmal rein technisch, dann natürlich ökonomisch – und schliesslich auch politisch. «Mit der Nationalbank als Hauptaktionärin und wichtiger Auftraggeberin hat man es mit einer sehr speziellen Konstellation zu tun.»

In einem Brief an die Kunden soll OF-Chef Kunz Gasteiger in Schutz genommen haben; er sei unter schwierigen Bedingungen zu OF gekommen. Gemäss Insidern ist dies allerdings beschönigend: Gasteiger habe von seinem Vorgänger einen Arbeitsvorrat von ein bis zwei Jahren übernehmen können. Die Druckerei habe man für die Produktion der neuen Schweizer Banknoten allerdings komplett erneuert und erweitert, was natürlich freie Kapazitäten schuf. Mit dem Prestigeprojekt hoffte OF, zukünftig Banknoten weltweit hinsichtlich Sicherheitskonzeption, Designintegration und Papier zu beeinflussen.

Präsident krempelt Laden um

Auch wenn die Schweizer Banknoten einmal gedruckt sein werden, dürfte OF gemäss Branchenkennern an Problemen zu kauen haben. Im Notendruck kann OF mit den beiden Grossen De la Rue (GB) und Giesecke & Devrient (D) nur aufgrund der hohen Qualität mithalten; das fehlende Volumen treibt aber die Kosten in die Höhe. Im Buchhandel hat die Kooperation mit Thalia wohl das Ende der Selbstständigkeit eingeläutet.

Heinrich Fischer, seit 2012 Präsident des OF-Verwaltungsrats, soll die Zeichen der Zeit erkannt haben. Er kremple den Laden um und fordere viel, heisst es.

Orell Füssli wollte die TA-Recherchen nicht kommentieren.

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