Zum Hauptinhalt springen

Ein Jahr Euro-Mindestkurs - Ende nicht in Sicht «Kosten und Mühen haben sich bislang gelohnt» Von Julian Witschi, sda Hintergrund

Am (morgigen) Donnerstag ist es genau ein Jahr her, seit die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken gesetzt hat.

Ein Ende des Eingriffs ist nicht in Sicht, obwohl die SNB bereits in gewaltigem Ausmass an den Kapitalmärkten intervenieren musste. Rekordhohe 406,5 Milliarden Franken betrugen die Devisenanlagen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Ende Juli. Innert eines Jahrs haben sie sich damit verdoppelt. Die Summe entspricht rund 70 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Geht es so weiter wie in den letzten Monaten, könnten die Devisenanlagen bald gleich viel betragen, wie in der Schweiz pro Jahr Produkte und Dienstleistungen erbracht werden. Die Bestände an Euro-Anlagen alleine - zu einem grossen Teil sind es Staatsanleihen top-bewerteter Euro-Länder wie Deutschland - haben inzwischen über 200 Milliarden Fr. erreicht. Nach der Bekanntgabe des Mindestkurses am 6. September waren sie weniger durch Käufe als durch den Kursanstieg des Euros angestiegen. Der Euro erholte sich von fast Gleichstand zum Franken im August durch die Massnahmen der SNB auf bis zu 1,24 Franken. Die Tragödie Griechenlands und zunehmende Probleme grosser Euro- Staaten wie Spanien und Italien setzten die Gemeinschaftswährung ab Ende 2011 aber wieder unter Druck. Seit Ostern klebt der Wechselkurs bei der Marke von 1,201 Franken und damit sehr nahe am Mindestkurs. Bewährungsprobe Seither ist die SNB pausenlos gefordert. Am Osterwochenende hatten einzelne ausländische Banken bei geringer Liquidität Geschäfte unter 1,20 Franken abgeschlossen. Dennoch hielt sich der Vertrauensverlust in Grenzen, obwohl die SNB ursprünglich nach den Worten ihres Ex-Präsidenten Philipp Hildebrand keinen Euro-Kurs unter 1,20 Fr. mehr «tolerieren» wollte. Glücklicher war die Formulierung, dass die SNB zur Durchsetzung des Mindestkurses bereit ist, unbeschränkt Devisen zu kaufen. Der neue SNB-Präsident Thomas Jordan bekräftigte stets, zuletzt am vergangenen Montag, die Nationalbank werde die Untergrenze mit grösster Entschlossenheit verteidigen. Es sei die richtige Strategie unter den gegebenen Umständen. Ein schnelles Ende ist nicht in Sicht. Prinzipiell kann die SNB unbeschränkt Devisen kaufen, wie Experten wie die CS-Ökonomin Nannette Hechler Fayd'herbe festhalten. Spielraum bestehe, da in anderen Ländern mit Leistungsbilanzüberschuss wie Singapur, Hongkong oder Taiwan der Anteil der Devisenreserven am BIP sogar 80 bis 120 Prozent betrage. Der SNB kann auch nicht das Geld ausgehen, schliesslich hat sie das Privileg, Franken drucken zu können. Allerdings setzt ihr der Grundauftrag Grenzen: die SNB ist nämlich der Preisstabilität verpflichtet. Sollte die Inflation hochschiessen, müsste die Nationalbank gegensteuern und Franken aus dem Wirtschaftskreislauf abschöpfen. Dies würde normalerweise allerdings die Schweizer Währung stärken. Waffenarsenal nicht erschöpft Im Kampf gegen die Überbewertung des Frankens seien weitere Massnahmen möglich, hatte die SNB stets betont, ohne konkreter zu werden. CS-Ökonomin Hechler Fayd'herbe erwähnte in einer Studie Negativzinsen auf die Giroeinlagen der Banken als zusätzliches Abschreckungsmittel gegen Kapitalzuflüsse in den «sicheren Hafen» des Schweizer Frankens. Am wahrscheinlichsten ist für UBS-Devisenexperte Thomas Flury, dass die Euro-Untergrenze der SNB noch sehr lange existieren wird. «Das kann noch fünf Jahre oder länger dauern. Es wagt kaum jemand zu prognostizieren, wie lange es dauert, bis Europa ausreichend stabilisiert ist», sagte er dem Internetportal cash.ch. Bislang haben sich Kosten und Mühen der SNB aber gelohnt, bilanzierte der Chefökonom der Bank Julius Bär, Janwillem Acket, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. «Die Schweiz wäre wohl in einer tiefen Rezession mit allen Folgen wie höherer Arbeitslosigkeit und Verlusten auch bei der öffentlichen Hand, wenn die SNB nicht beherzt eingegriffen hätte.» Der Mindestkurs habe nicht nur Exporte und Tourismus gestützt, sondern der Gesamtwirtschaft gedient. Die Schweiz stehe jetzt zwar am Rand einer Rezession. Mit dem Mindestkurs sei der Abschwung aber stark gedämpft worden, sagte Acket. Dagegen schrumpfe die Wirtschaft in Grossbritannien, das ebenfalls nicht dem Euro angehört, derzeit massiv. Notiz an die Redaktion: es folgt ein Extra zu Szenarien für eine Aufhebung des Euro- Mindestkurses

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch