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«Rettungspaket ist eine ökonomische Dummheit»

Luqman Arnold, Ex-UBS-Chef und -Grossaktionär, fordert: Statt unkontrolliert Milliarden in die Finanzmärkte zu pumpen, sollen schlingernde Banken gezielt gerettet werden.

UBS-Konzernchef tritt am 26. Februar 2008 mit sofortiger Wirkung zurück. Der ehemalige Credit Suisse-Chef Oswald J. Grübel übernimmt die Führung.
UBS-Konzernchef tritt am 26. Februar 2008 mit sofortiger Wirkung zurück. Der ehemalige Credit Suisse-Chef Oswald J. Grübel übernimmt die Führung.
Keystone
General Motors fährt einen Verlust von 31 Milliarden Dollar ein.
General Motors fährt einen Verlust von 31 Milliarden Dollar ein.
Keystone
Die Wellen der Depression schwappten bis nach Europa – und gaben dort den politischen Extremisten Aufwind. Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der in die Krise geratene Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin.
Die Wellen der Depression schwappten bis nach Europa – und gaben dort den politischen Extremisten Aufwind. Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der in die Krise geratene Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin.
Keystone
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Als Sie letzten Frühling gross bei der UBS eingestiegen sind: Hätten Sie in Ihren ärgsten Träumen gedacht, dass sich die Finanzkrise so verschlimmern könnte? Wir waren schon damals gegenüber den Aktienmärkten eher negativ gestimmt und von daher auch nicht gross überrascht. Was uns verblüfft hat, war aber die fundamentale Wende, welche die Krise in den vergangenen Wochen genommen hat. Die betroffenen Finanzkonzerne und ihre Probleme waren bekannt. Wir wussten schon lange um die Probleme von Merrill Lynch und Washington Mutual, die dann ja auch prompt übernommen wurden. Neu war, dass auch Morgan Stanley bedroht war und sich Wachovia in die Arme der Citigroup retten musste.

Am Montag griff das Krisenvirus endgültig auf die europäischen Banken über. Das ist eine neue Dimension der Krise. Die Frage ist, wann und wie kann sie jetzt gestoppt werden.

Ist der Paulson-Plan die richtige Antwort auf die akuten Probleme? Der Ansatzpunkt war meiner Ansicht nach nicht sehr klug gewählt. 700 Milliarden Dollar ohne klare Strategie in den Markt zu pumpen, ohne genau zu wissen, wie man diese Gelder nutzen soll, ist eine ökonomische Dummheit. Ich war deshalb positiv überrascht über das Ausmass an gesundem Menschenverstand und ökonomischem Instinkt, den viele der US-Abgeordneten am Montag bewiesen haben.

Wie müsste ein Rettungspaket aussehen, das mehr Wirkung entfaltet? Das Problem lässt sich nur lösen, wenn man die wahren Ursachen der Krise angeht. Entscheidend für jede Bank ist, dass sie zahlungsfähig ist. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass der vor einem Jahr begonnene Entschuldungsprozess der Banken fortgesetzt wird, das Ausmass der Fremdfinanzierung gesenkt wird und ihre Bilanzen wieder in ein Gleichgewicht gebracht werden. Letztlich dreht sich alles um die Frage der Kapitalisierung. Das müsste auch das Thema des US-Rettungsplans sein.

Europa hat sich für einen anderen Weg entschieden. Es unterstützt schlingernde Banken direkt. Ja, sie wurden vom Staat teilweise oder ganz übernommen mit dem klaren Ziel, sie wieder genügend zu kapitalisieren. Das ist der Schlüssel, um diese Krise zu lösen. Bis wir aber so weit sind, wird es noch lange dauern. Denn der Abbau der Fremdfinanzierung ist für die Banken ein komplexer Prozess und wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Sie fordern also eine grundlegende Überarbeitung des Paulson-Plans? Was zur Abstimmung gelangte, war ein Kompromisspapier, das vom US-Wahlkampf-Kalender getrieben war. Jetzt muss ein überarbeiteter Plan her, der das Problem der Rekapitalisierung der Banken angeht. Aber auch wenn der Paulson-Plan suboptimal war, muss man sehen: Ihn jetzt abzulehnen, hat noch gravierendere Folgen für die Weltwirtschaft. Nichts tun ist im heutigen Umfeld noch gefährlicher.

Für Sie und Ihre Beteiligungsgesellschaft, die stark in UBS investiert ist, war der Entscheid nicht sehr positiv. Angst und Unsicherheit bleiben im Markt? Das ist so. Umgekehrt ist jetzt aber der Weg frei für einen neuen, wirkungsvolleren Rettungsplan, der in Ruhe ausgearbeitet werden kann. Panik, wie sie Notenbankchef Ben Bernanke und Wirtschaftsminister Henry Paulson bei der Präsentation ihres Lösungsplans verbreiteten, war nie ein guter Ratgeber.

Gefährdet die neue Dimension der Bankenkrise auch die UBS, an der Ihre Investmentgesellschaft Olivant knapp 3 Prozent der Aktien hält? Die UBS hat in den letzten Monaten die richtigen Massnahmen zu ihrer Verteidigung ergriffen. Der Verwaltungsrat und das Management haben gute Fortschritte beim Abbau der Fremdmittelquote erzielt. Zuversichtlich stimmt mich auch die breite Ertragsbasis, über welche die UBS verfügt. Anders als zum Beispiel Merrill Lynch generiert die UBS in den von der Krise nicht direkt tangierten Teilen wie dem Private-Banking nach wie vor viel Cashflow. Die anderen Pluspunkte der UBS sind: Sie hat frühzeit genügend zusätzliches Kapital aufgenommen, sie hat sich sehr schnell bewegt, sie verfügt über ein starkes Geschäftsmodell und - auch das ein Gegensatz zu den US-Banken- keine Probleme auf dem Heimmarkt.

Sie sind also zufrieden mit der Arbeit des neuen UBS-Präsidenten Peter Kurer? Er hat schnell und entschieden reagiert und tut die richtigen Dinge. Die drei wichtigsten Problemfelder hat er angegangen: Die Fremdverschuldung ist gesunken, die Corporate-Governance-Probleme sind gelöst und die Kapitalisierung ist sichergestellt. Die UBS hat ihr Geschäftsmodell bemerkenswert schnell gewechselt und angepasst.

Haben Sie mit Peter Kurer ein Friedensabkommen geschlossen, wie letzte Woche eine Nachrichtenagentur gemeldet hat? Ich weiss nicht, woher die Meldung stammt. Von mir jedenfalls nicht. Wahr ist, dass wir von der UBS im vergangenen Frühling Aufmerksamkeit verlangten und sie dann auch bekommen haben. Wir führen einen tiefen, konstruktiven Dialog mit dem Verwaltungsrat und der Geschäftsleitung. Wir anerkennen, dass sie schnell und richtig auf die Probleme reagiert haben. Und: Ja, wir unterstützen alle von Kurer für die ausserordentliche Generalversammlung vom Donnerstag vorgeschlagenen Massnahmen.

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