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Finanzkrise entzaubert die Hedge-Fonds

Das laufende Jahr dürfte für die alternativen Anlagevehikel eines der schlechtesten werden. Jetzt drohen Mittelabflüsse.

Die Anspannung bei vielen Managern von Hedge-Fonds ist in diesen Tagen grösser als sonst. Verantwortlich dafür sind nicht so sehr die Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Was die Manager viel stärker umtreibt, ist die Frage, wie viel Kapital die Investoren zum Jahresende aus den Anlagevehikeln abziehen wollen. Diese Rückzüge müssen den meisten Hedge-Fonds um den 1. Oktober mitgeteilt werden.

Marktkenner erwarten jedenfalls erhebliche Kapitalabflüsse. Als Hauptgrund gilt das enttäuschende Abschneiden der Hedge-Fonds im laufenden Jahr: Laut dem Index von Hedge Fund Research (HFR), einem Informationsdienst für Hedge-Fonds in Chicago, beträgt ihre durchschnittliche Performance per Ende September in etwa minus 10 Prozent. Bleibt es dabei, wäre dies das schlechteste Ergebnis seit 1990 – so weit reichen die Aufzeichnungen von HFR zurück.

Geschäftsmodell ist in Frage gestellt

Ausgerechnet in dieser Schwächephase müssen die Hedge-Fonds einen weiteren empfindlichen Rückschlag verkraften: das temporäre Verbot von Leerverkäufen bei Aktien von Finanzdienstleistern, das unter anderem die US-Finanzaufsicht erlassen hat. Die Schweizer Börse ist gestern diesem Beispiel gefolgt, indem sie ihre Bestimmungen für Leerverkäufe verschärft hat. Die Hedge-Funds sehen sich dadurch eines wichtigen Instruments beraubt, denn Leerverkäufe – also Wetten auf sinkende Aktienkurse, ohne diese Papiere selber zu besitzen – werden oder wurden von ihnen auf breiter Basis eingesetzt. Einzelne Marktbeobachter gehen nun so weit, das Geschäftsmodell vieler Hedge-Fonds in Frage zu stellen.

Grössere Kapitalrückzüge werden vor allem von vermögenden Einzelinvestoren erwartet, die sich überwiegend in so genannten «Funds of Hedge Funds» (Dachfonds) engagiert haben. Dadurch könnte eine unheilvolle Kettenreaktion in Gang kommen: Um die Mittelabflüsse zu finanzieren, müssen die Dachfonds ihre Investments in den Hedge-Fonds zurückfahren – womit sich auch die Hedge-Fonds mit dem Problem von Abflüssen konfrontiert sehen und entsprechend reagieren, also Anlagen versilbern müssen.

Von den Rückzügen sind also nicht einfach nur die schlecht gemanagten Hedge-Fonds betroffen, sondern auch jene, die viele Funds of Hedge Funds als Investoren haben. Oft sind die Dachfonds sogar gezwungen, ihre Anteile an den prosperierenden Hedge-Fonds zu veräussern, weil die weniger rentierenden Vehikel unter Umständen bereits Beschränkungen für Kapitalabflüsse von Kunden erlassen haben. Dadurch aber greift die Abwärtsspirale noch weiter um sich.

Solche Abflusslimiten sind vielfach die einzige Möglichkeit für die Hedge-Fonds, ihr Überleben zu sichern. Denn wenn die Absetzbewegung bei den Investoren erst mal richtig eingesetzt hat, ist sie kaum mehr zu stoppen. Die Investoren können sich ja ausrechnen, dass der Hedge-Fonds beim Verkauf seiner Anlagen mit den liquidesten Teilen beginnt. Je länger sie also mit dem Ausstieg zuwarten, desto mehr verschlechtert sich die Portefeuillequalität ihres Hedge-Fonds.

Noch immer mehr Gründungen

Nach Angaben von HFR mussten im ersten Halbjahr 350 Hedge-Fonds dichtmachen, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig sind diesen Vehikeln mit 29 Milliarden Dollar deutlich weniger Mittel zugeflossen als im ersten Semester letzten Jahres – also vor Ausbruch der Finanzkrise – mit 118 Milliarden. Im Gesamtjahr 2007 belief sich der Geldzufluss auf die Rekordsumme von 194,5 Milliarden.

Trotz dieser Ermüdungserscheinungen gilt es zu bedenken: Nach wie vor werden mehr Hedge-Fonds gegründet – knapp 500 im ersten Halbjahr – als geschlossen. Mitte 2008 gab es laut HFR rund 10'200 Funds, die ein Gesamtvermögen von mehr als 1900 Milliarden Dollar betreuten.

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