Zum Hauptinhalt springen

Die verlockenden Visionen des Prinzen setzen den Banken zu

Schweizer Firmen sind eng mit Saudiarabien verbunden. Jetzt belastet der Fall Khashoggi die geschäftlichen Beziehungen.

Jorgos Brouzos 
Kronprinz Muhammad bin Salman und seine Entourage am «Future Investment Initiative»-Anlass 2017 in Riad. Foto: Tasneem Alsultan («New York Times»)
Kronprinz Muhammad bin Salman und seine Entourage am «Future Investment Initiative»-Anlass 2017 in Riad. Foto: Tasneem Alsultan («New York Times»)

Er überlegte noch etwas länger als viele andere. Doch nun hat auch Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam entschieden, nicht nach Saudiarabien zu reisen. Dort hätte er an einem Anlass namens «Future Investment Initiative» auftreten sollen. Das Wirtschaftstreffen gilt als das «Davos der Wüste». In wenigen Tagen findet es zum zweiten Mal statt.

Doch nach dem eigenartigen Verschwinden des saudischen Journalisten und Regimekritikers Jamal Khashoggi hagelte es Absagen. Plötzlich war es den Chefs unangenehm, sich am Prestigeanlass von Kronprinz Muhammad bin Salman sehen zu lassen.

Thiams Verzicht auf die Konferenz wiegt besonders schwer. Die Schweizer Grossbank zählt neben der britischen Bank HSBC und dem US-Konzern Mastercard zu den wichtigsten internationalen Partnern der Veranstaltung. Thiam sitzt auch im Beirat. Letztes Jahr trat er am Anlass auf. Auf einem Podium zum Thema Informationsgesellschaft diskutierte er unter anderem mit Siemens-Chef Joe Kaeser und Lubna Olayan. Die Geschäftsfrau vertritt die Firmengruppe Olayan aus Saudiarabien.

Video – US-Aussenminister Pompeo in Riad

«Wir meistern die Herausforderungen gemeinsam»: US-Aussenminister Pompeo trifft Kronprinz Muhammad bin Salman in Riad. (Video: SDA/AP)

Das Konglomerat ist der wichtigste Eigner der CS. Die Gruppe hält 5 Prozent der CS-Aktien, hinzu kommen Wertpapiere, die weiteren 5 Prozent der CS-Anteile entsprechen. Die Verbindungen zum Wüstenstaat sollen noch enger werden. Erst vor wenigen Monaten hat die CS eine Banklizenz in Saudiarabien beantragt. Der CS-Chef reiste persönlich in die Hauptstadt Riad, um den Antrag einzureichen.

Mit ABB-Chef Ulrich Spiesshofer wird ein weiterer Wirtschaftsführer aus der Schweiz an der Konferenz erwartet. Ob er anreist, sei noch nicht entschieden, so ein Sprecher. Für den Indus­triekonzern sei Saudiarabien ein wichtiger Markt in der Region.

Die Machthaber des Landes verfolgen mit der Konferenz eine klare Absicht. Sie ist ein Teil der Vision 2030. Mit dieser 2016 angekündigten Reformagenda will Kronprinz Salman das Land unabhängiger vom Erdöl machen und die Wirtschaft breiter aufstellen. Unter anderem sollen so die Auslandsinvestitionen von weniger als 4 auf fast 6 Prozent der Wirtschaftsleistung ansteigen. Zahlreiche Staatsbetriebe sollen privatisiert werden.

Kleine gehen über Dubai

Im Frühjahr fanden in Zürich und Genf Informationsveranstaltungen für Schweizer Firmen statt, die von der Vision 2030 profitieren wollen. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft betrug das Schweizer Handelsvolumen mit Saudiarabien im letzten Jahr 2,5 Milliarden Franken, es ging gegenüber den Vorjahren leicht zurück. Hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten ist das Königreich der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz im Mittleren Osten und in Afrika. Den grössten Anteil am Exportvolumen haben die Pharmaunternehmen, die Uhrenbranche sowie die Maschinenindustrie.

Dafür seien primär Schweizer Grosskonzerne verantwortlich, sagt ein Kenner der Verhältnisse. So würden sich nur grosse Firmen wie ABB oder die grossen Pharmakonzerne direkt nach Saudiarabien wagen. Für kleine Firmen sei dies schwierig. Sie würden den Weg über Dubai wählen, um ihre Güter in Saudiarabien zu verkaufen.

Bilder – Der Fall des verschwundenen Journalisten Khashoggi

Demokraten warnen vor möglicher Interessenkonflikte des US-Präsidenten im Fall Khashoggi: Trump bei einer Willkommenszeremonie im Murabba-Palast in Riad. (20. Mai 2017)
Demokraten warnen vor möglicher Interessenkonflikte des US-Präsidenten im Fall Khashoggi: Trump bei einer Willkommenszeremonie im Murabba-Palast in Riad. (20. Mai 2017)
Evan Vucci, AP, Keystone
Pompeo soll den Schaden im Fall Khashoggi für die politischen Beziehungen zwischen den USA und Saudiarabien begrenzen. (16. Oktober 2018)
Pompeo soll den Schaden im Fall Khashoggi für die politischen Beziehungen zwischen den USA und Saudiarabien begrenzen. (16. Oktober 2018)
Leah Millis/Pool, Reuters
Mike Pompeo trifft auf dem Flughafen in Riad ein. (16. Oktober 2018)
Mike Pompeo trifft auf dem Flughafen in Riad ein. (16. Oktober 2018)
Leah Millis/Pool Photo via AP, Keystone
Nach einem Telefongespräch mit König Salman sagte US-Präsident Donald Trump, es habe danach geklungen, als ob ein «boshafter Killer» den Journalisten getötet haben soll: Kronprinz Muhammad bin Salman bei seinem Besuch im Weissen Haus. (20. März 2018)
Nach einem Telefongespräch mit König Salman sagte US-Präsident Donald Trump, es habe danach geklungen, als ob ein «boshafter Killer» den Journalisten getötet haben soll: Kronprinz Muhammad bin Salman bei seinem Besuch im Weissen Haus. (20. März 2018)
Jonathan Ernst, Reuters
Saudiarabien erwägt gemäss Medienberichten, einzuräumen, dass Khashoggi von «abtrünnigen Agenten» bei einem «schiefgelaufenen Verhör» getötet worden sei. (Archivbild)
Saudiarabien erwägt gemäss Medienberichten, einzuräumen, dass Khashoggi von «abtrünnigen Agenten» bei einem «schiefgelaufenen Verhör» getötet worden sei. (Archivbild)
Virginia Mayo/AP, Keystone
Türkische Ermittler hatten zuvor bereits vermutet, dass der im US-Exil lebende Regierungskritiker im saudiarabischen Konsulat von Agenten seines Heimatlandes ermordet worden war.
Türkische Ermittler hatten zuvor bereits vermutet, dass der im US-Exil lebende Regierungskritiker im saudiarabischen Konsulat von Agenten seines Heimatlandes ermordet worden war.
Murad Sezer, Reuters
Türkische Ermittler durchsuchten acht Stunden lang das Gebäude in Istanbul.
Türkische Ermittler durchsuchten acht Stunden lang das Gebäude in Istanbul.
Murad Sezer, Reuters
Dort war der Journalist Khashoggi zuletzt gesehen worden.
Dort war der Journalist Khashoggi zuletzt gesehen worden.
Kemal Aslan, Reuters
Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und setzte die Führung in Riad unter Druck: Ein Security-Mitarbeiter des saudiarabischen Konsulats in Istanbul. (14. Oktober 2018)
Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und setzte die Führung in Riad unter Druck: Ein Security-Mitarbeiter des saudiarabischen Konsulats in Istanbul. (14. Oktober 2018)
Petros Giannakouris, Keystone
Drohte mit einer harten Strafe: US-Präsident Donald Trump wird am Flughafen in Ohio zum Fall Khashoggi befragt. (12. Oktober 2018)
Drohte mit einer harten Strafe: US-Präsident Donald Trump wird am Flughafen in Ohio zum Fall Khashoggi befragt. (12. Oktober 2018)
Evan Vucci, Keystone
Der Screenshot einer Überwachungskamera soll Jamal Khashoggi zeigen, wie er das Konsulat am 2. Oktober betritt.
Der Screenshot einer Überwachungskamera soll Jamal Khashoggi zeigen, wie er das Konsulat am 2. Oktober betritt.
Sabah Newspaper Handout, Keystone
Diese Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen angeblich Verdächtige in Istanbuls Flughafen Atatürk. (2. Oktober 2018)
Diese Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen angeblich Verdächtige in Istanbuls Flughafen Atatürk. (2. Oktober 2018)
Sabah Newspaper, AFP
Dieses Bild soll einen Privatjet zeigen, mit dem eine Gruppe saudischer Verdächtiger nach Istanbul gereist sind. (2. Oktober 2018)
Dieses Bild soll einen Privatjet zeigen, mit dem eine Gruppe saudischer Verdächtiger nach Istanbul gereist sind. (2. Oktober 2018)
Sabah Newspaper, AFP
Ein schwarzer Van fährt zum saudischen Konsulat. Die türkische Zeitung «Sabah» hatte die Bilder am 9. Oktober publik gemacht.
Ein schwarzer Van fährt zum saudischen Konsulat. Die türkische Zeitung «Sabah» hatte die Bilder am 9. Oktober publik gemacht.
Sabah Newspaper, AFP
US-Präsident Donald Trump wurde am Mittwoch in den Fall eingeschaltet. (10. Oktober 2018)
US-Präsident Donald Trump wurde am Mittwoch in den Fall eingeschaltet. (10. Oktober 2018)
Manuel Balce Ceneta/AP, Keystone
Washington werde der Sache auf den Grund gehen, sagte Trump. Luftaufnahme des saudischen Konsulats in Istanbul.
Washington werde der Sache auf den Grund gehen, sagte Trump. Luftaufnahme des saudischen Konsulats in Istanbul.
DHA/AP
Saudiarabien ist für die USA ein strategisch wichtiger Partner und ein wichtiger Absatzmarkt für US-Rüstungsgüter. Protest vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Saudiarabien ist für die USA ein strategisch wichtiger Partner und ein wichtiger Absatzmarkt für US-Rüstungsgüter. Protest vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Osman Orsal, Reuters
Spekulationen zufolge wurde ein Killerkommando auf den verschwundenen Regimekritiker Jamal Khashoggi angesetzt.
Spekulationen zufolge wurde ein Killerkommando auf den verschwundenen Regimekritiker Jamal Khashoggi angesetzt.
Mohammed Al-Shaikh, AFP
Wurde hier Khashoggi ermordet? Mitarbeiter betreten das Konsulat von Saudiarabien in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Wurde hier Khashoggi ermordet? Mitarbeiter betreten das Konsulat von Saudiarabien in Istanbul. (9. Oktober 2018)
Bulent Kilic, AFP
1 / 21

Als ein besonders lockendes Geschäft galt der Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco. Auch wenn nur 5 Prozent der Firma verkauft werden sollen, wäre es der grösste Börsengang der Geschichte. Seit Jahren wird er vorbereitet, immer wieder wird er verschoben. Die Institute Citigroup, Goldman Sachs und Deutsche Bank sollen in der Poleposition für die Abwicklung des Verkaufs sein.

Für die Banken ist daher Saudiarabien ein lohnender Markt. Laut der «Financial Times» brachten ihnen die verschiedenen Projekte des nationalen Investitionsfonds in den letzten Jahren rund 1 Milliarde Dollar an Gebühren ein. Der Fonds wird von einem engen Vertrauten des Prinzen geführt.

Das Land weiss seine Verhandlungsmacht einzusetzen. Kürzlich erhielt der Investitionsfonds von einem Dutzend internationalen Banken ein Darlehen über 11 Milliarden Dollar – offenbar zu vorteilhaften Konditionen.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch