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Die Swisscom hat ihren Cablecom-Moment

Die Swisscom will bis 2017 ihr analoges Telefonnetz abschalten. Die Cablecom war einst in der gleichen Situation – und hat dabei den grössten Imageschaden ihrer Geschichte erlitten.

Wer ein Bündelprodukt wählt, muss das analoge Telefon aufgeben: Eine Verkäuferin berät einen älteren Herrn im Swisscom-Shop in Bern.
Wer ein Bündelprodukt wählt, muss das analoge Telefon aufgeben: Eine Verkäuferin berät einen älteren Herrn im Swisscom-Shop in Bern.
Gaetan Bally, Keystone

Es ist diese eine Botschaft, die der Swisscom am wichtigsten ist: Niemand wird gezwungen. Ihre Kunden sollen nur aus freien Stücken von der alten analogen Telefonie auf die neue digitale Variante namens Voice over IP – kurz Voip – wechseln. Also von einer Technik, die unabhängig vom Internet und selbst bei Stromausfällen funktioniert, auf ein System, das Sprache behandelt wie Videos, E-Mails oder TV-Signale. Dabei wird jeder Laut in kleine Datenpakete gestückelt, per Internet verschickt und am anderen Ende wieder zu einer Stimme zusammengefügt.

Cablecom wollte 2010 abschalten

Trotzdem ist klar: Bis Ende 2017 müssen sämtliche 2,3 Millionen Privatkunden der Swisscom auf die neue Technik umgestiegen sein. Denn dann wird das analoge Netz abgeschaltet. Künftig gibt es dann nur noch einen Standard für Telefonie, Internet und Fernsehen bei der Swisscom. Das soll nicht nur Kosten sparen, sondern auch noch neue Produkte ermöglichen.

Die grosse Frage lautet daher: Wie bringt man die Kunden dazu, freiwillig zu wechseln? Genau diese Frage hat auch schon UPC Cablecom beschäftigt – allerdings nicht in Bezug auf das Telefon-, sondern das Fernsehnetz. Die Kabelnetzbetreiberin hatte 2006 angekündigt, ihr analoges TV-Netz innert vier Jahren bis 2010 abzuschalten, um Platz zu schaffen für modernes digitales Fernsehen. Auch die Cablecom betonte, die Kunden würden keinesfalls zum Wechsel gezwungen. Gleichzeitig fing sie an, bestimmte Sender im analogen Netz abzuschalten.

Die Parallelen zur Swisscom

Es folgte ein Sturm der Entrüstung. Sogar der Bundesrat schaltete sich ein: Der damals zuständige Kommunikationsminister Moritz Leuenberger lancierte die Diskussion um eine Art Grundversorgungspflicht im analogen TV-Netz. Der Imageschaden war so gross, dass die Cablecom 2008 eine Kehrtwende vollzog. Der neue Chef Eric Tveter bezeichnete das analoge Netz plötzlich als Wettbewerbsvorteil und versprach, es so lange weiterzuführen, wie es ein breites Kundenbedürfnis ist. Es wurde 2010 nicht abgeschaltet und bleibt bis heute in Betrieb, auch wenn die Zahl der Sender kontinuierlich sinkt.

Das Vorgehen der Swisscom zeigt durchaus Parallelen zum Fall Cablecom: Auch die Swisscom gibt sich vier Jahre, bis sie das analoge Netz abschalten will. Auch die Swisscom will keine Kunden zum Wechsel zwingen – und schränkt das Angebot auf dem analogen Netz dennoch ein. So haben Swisscom-Kunden, die auf dem analogen Netz bleiben wollen, keinen Zugang mehr zu Bündelprodukten, die Dienste wie Telefon, Internet und allenfalls Fernsehen im Paket und mit einem deutlichen Preisnachlass anbieten. Und auch neue innovative Produkte, wie sie Swisscom-Chef Urs Schaeppi etwa für dieses Jahr versprochen hat, stehen Kunden, die am normalen Telefon festhalten wollen, künftig nicht mehr zur Verfügung.

Kritik von den Konsumentenschützern

Offen ist, ob die Swisscom-Kunden auf diese Einschränkungen ähnlich emotional reagieren, wie das bei der Cablecom der Fall war. Die Konsumentenschützer zumindest bringen sich heute schon in Position. «Es geht nicht an, dass die Swisscom den Kunden, die an ihrem analogen Telefonanschluss festhalten wollen, den Zugang zu günstigen Bündelprodukten verwehrt», sagt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz. Damit zwinge man sie faktisch zu einem Wechsel. «Die Kunden müssen die Wahl haben. Sie sollen sich für eine sichere Sprachleitung entscheiden können, die auch bei einem Stromausfall funktioniert.» Ausserdem fordert Stalder, dass die Swisscom die Kosteneinsparungen durch das Einheitsnetz an die Kunden weitergibt: «Die viel zu hohen monatlichen Kosten für den Hausanschluss von aktuell 25.25 Franken müssen deutlich sinken.»

Beiden Forderungen erteilt Swisscom-Netzchef Heinz Herren abschlägigen Bescheid. Die Entwicklung lasse sich nicht aufhalten, der Wechsel auf die neue Technologie sei nötig. Und auch der Hausanschluss dürfte dadurch nicht günstiger werden: «Das effizientere Netz ist nötig, um die sinkenden Preise in der Telefonie zu kompensieren. Mit dem Preis für den Netzzugang hat das nichts zu tun.»

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