Die Lifestyle-Veganer kommen

Hintergrund

Weil sich immer mehr Menschen für eine bewusstere Lebensweise entscheiden, wächst der Markt für vegane Produkte. Nun bauen auch die Grossverteiler das Nischensegment aus.

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Seraina Kobler@SerainaKobler

Er ist die Galionsfigur der Nachhaltigkeitsbewegung: der Veganismus. Bei den durch Lebensmittelskandale verunsicherten Konsumenten gewinnt die Ernährungsweise, bei der komplett auf tierische Produkte wie Fleisch, Milch oder Eier verzichtet wird, in der Schweiz an Einfluss. Die einen wollen mit ihrem Essverhalten die Klimaerwärmung aufhalten, bei den andern ist es derzeit einfach nur hip. Nun reagieren auch die Grossverteiler und bauen das Nischensortiment aus.

Christine Gaillet, Mediensprecherin bei der Migros, sagt: «Wir führen derzeit 120 vegetarische Produkte, rund die Hälfte davon ist vegan.» Gerade Fleischersatzprodukte wie Cornatur oder Tofu verkauften sich immer besser. Deshalb plane man, das Sortiment noch auszubauen um noch mehr Vielfalt zu bieten. Coop hat vor zwei Monaten die Produktelinie Karma lanciert, welche 22 vegane Produkte wie Falafel oder Linsensalat beinhalte. Pressesprecher Ramón Gander sagt: «Die Nachfrage liegt weit über unseren Erwartungen.» Die Linie sei ein voller Erfolg und man werde dieses Segment weiter verfolgen. Bei der Bioladen-Kette Egli sind rund zwei Drittel des Sortiments vegan. Bei einer grossen Filiale seien dies über 3000 Artikel, sagt Verkaufsleiterin Fabienne Marty. Die Verkäufe hätten sich im Vergleich zum Vorjahr äusserst positiv entwickelt. Auch hier wolle man das Sortiment dem Trend noch weiter anpassen.

In Hollywood wird schon lange verzichtet

Etwa 30'000 Menschen verzichten laut Schätzungen der veganen Gesellschaft Schweiz hierzulande auf tierische Produkte. Rechnet man die sogenannten Flexitarier hinzu – Menschen, die bewusst partiell vegetarisch oder vegan leben –, dann dürfte die Zahl um ein Vielfaches steigen. Der November steht im Zeichen der veganen Ernährung: Zum World Vegan Month verzichten Menschen aus aller Welt auf Tierprodukte. «Vegan ist mittlerweile eindeutig kein Jugendtrend mehr», sagt Cristina Roduner von der Veganen Gesellschaft Schweiz. So betrage das Durchschnittsalter der 300 Teilnehmer am Aktionsmonat rund 30 Jahre.

Durch die rasante Verbreitung der Angebote in den Läden ändert sich das Kaufverhalten. Jahrelang waren die Spezialprodukte nur übers Internet erhältlich. Denn im Unterschied zu der vegetarischen, beschränkt sich die vegane Lebensweise nicht nur auf die Nahrung. So tragen Veganer etwa keine Kleider mit tierischen Inhaltsstoffen und benutzen nur pflanzliche Körperpflegemittel. Während sich in Hollywood Stars wie Gwyneth Paltrow schon lange nur mit veganem Puder schminken, sind nun auch Schweizer Frauen auf den Geschmack gekommen. Seit einigen Wochen gibt es in Zürich mit «Pretty & Pure» den ersten Make-up-Shop, der nur vegane Produkte verkauft. Wer Spezialitäten im Lebensmittelbereich sucht, wird gleich einige Strassen weiter am Schaffhauserplatz fündig. Eva Kelemen führt das Geschäft Eva's Apples, das sie als Bioladen übernommen und dann Stück für Stück «veganisiert» hat. «Besonders beliebt sind vegane Käsealternativen, derzeit ist Fondue der Renner», sagt Kelemen. Sehr gut verkauften sich aber auch vegane Marshmallows. Die Kundschaft sei durchmischt. Einerseits bestehe sie aus Leuten, die sich aus gesundheitlichen Gründen für diese Lebensweise entschieden haben, andererseits aus gestandenen Veganern. Diese seien froh, dass sie die Lebensmittel nicht mehr nur übers Internet bestellen müssen, sondern persönlich vorbeikommen könnten.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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