Die Kämpferin für ein Pelz-Importverbot

Die Zürcherin Katharina Büttiker engagiert sich seit Jahren finanziell für das Wohl der Tiere. Vehement kämpft sie für ein Importverbot von Pelzen. Dafür hat sie auch einen Lobbyisten im Bundeshaus engagiert.

Tierschützerin mit Biss: Katharina Büttiker mit ihrem Hund. Ihren Kampf für den Tierschutz trägt sie verstärkt auch ins Bundeshaus.<p class='credit'>(Bild: Markus Forte/Ex-Press)</p>

Tierschützerin mit Biss: Katharina Büttiker mit ihrem Hund. Ihren Kampf für den Tierschutz trägt sie verstärkt auch ins Bundeshaus.

(Bild: Markus Forte/Ex-Press)

Die Frau hat einen Wandel vollzogen. «Mit 20 Jahren trug ich auch einen Pelzmantel», sagt die Zürcherin Katharina Büttiker. Erst später sei ihr bewusst geworden, welche Qualen Tiere wegen eines Pelzmantels erleiden. Sie habe den Mantel danach rasch in einem Secondhandladen verkauft und das Geld dem Tierschutz gespendet. Das war ihr erstes finanzielles Engagement für die Tiere. Weitere folgten.

Katharina Büttiker sitzt in ihrer Altbauwohnung nahe dem Zürcher Bellevue an ihrem Arbeitsort. Das Ambiente der Büttikers wirkt etwas unzeitgemäss. Beim Sprechen gestikuliert sie mit den Händen. Es klopft. Katharina Büttikers Mann Gero Büttiker tritt ein. Der Geschäftsmann hat es zu Geld gebracht. Ihm gehören beispielsweise Anteile am Schweizer Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach. Er war zudem in der Eternitbranche tätig.

«Spezielles Gespür für Tiere»

Katharina Büttiker engagierte sich in den letzten Jahren immer stärker für Tiere und deren ­Rechte. Wie kommt es, dass eine ­Galeristin sich dem Tierschutz zuwendet? «Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Meine Eltern ­haben mir die Achtung vor jedem Geschöpf mitgegeben.»

Sie erzählt, dass sie immer ein spezielles Gespür für Tiere ­gehabt habe: «Als kleines Mädchen habe ich in meinem Kinderwagen Schnecken spazieren ­gefahren. Puppen interessierten mich weniger.» Wenn sie Konflikte mit ihren drei Geschwistern hatte, dann sei sie jeweils zu den Hunden gegangen und habe sich dort ausgeheult. «Ich liebe Tiere, und sie lieben mich.»

Sie blieb wegen der Liebe

Katharina Büttiker wuchs in einer fränkischen Unternehmerfamilie auf. Ihr Urgrossvater gründete den Bayerischen Hof in München, eines der besten ­Hotels der Welt.

1970 kam sie nach Zürich, studierte Jus und lernte ihren Mann kennen. 1978 eröffnete sie an der Limmat die Galerie Wührle für Glas- und Kunstobjekte aus der Zeit des Jugendstils und des Art déco. Diese gilt als Topadresse für Sammler. Im Jahr 2000 entschied sich ­Katharina Büttiker, sich nebenberuflich stärker dem Tierschutz zu widmen. Sie gründete mit dem früheren Fernsehmoderator Erich Gysling und dem Dokumentarfilmer Mark Rissi die Tierschutzorganisation Animal Trust.

Sie unterstützt die Organisation mit namhaften Beiträgen und setzt dafür einen Teil des ­Gewinns aus der Galerie ein. Ihr jährlicher Beitrag beläuft sich auf rund 100 000 Franken. Weitere Einnahmequellen sind Benefizveranstaltungen. Zu einer ­solchen hat sie für heute Abend nach Zürich geladen.

Konflikt mit Herbert Bolliger

«Was Tieren angetan wird, ist grauenhaft», sagt Büttiker. Sie könne damit leben, wenn man ihr die Kritik übel nehme Aber: «Für die Pelzindustrie werden Tiere in winzigen Käfigen gehalten. Getötet werden sie mit Stromstössen. Oder man zieht ­ihnen bei lebendigem Leib die Haut ab. Wer kann das verantworten?»

Im Jahr 2011 focht sie öffentlich einen Konflikt mit dem Migros-Chef Herbert Bolliger aus. Büttiker kritisierte ihn, weil die Migros vor allem in der Westschweiz gestopfte Gänseleber und Froschschenkel verkaufte. In einem offenen Brief wandte sie sich an die Öffentlichkeit. Sie suchte das Gespräch mit Bolliger. Dieser habe sie belehrt, bei der Migros sei alles geprüft und in Ordnung. Sie wollte mit ihm ­seine Produktionsorte für Gänse- und Entenleber besichtigen. Er habe dies abgelehnt.

Kampagne mit Brigitte Bardot

Für den Tierschutz spannte ­Katharina Büttiker auch mit der französischen Tierschutzikone Brigitte Bardot für Kampagnen zusammen. «Früher habe ich ­wegen meines Engagements Morddrohungen erhalten», sagt sie. In der letzten Zeit sei dies zum Glück nicht mehr passiert.

Oft musste sie die Frage hören, warum sie sich nicht für Menschen engagiere statt für Tiere? Diesen Kritikern stellt sie jeweils die Gegenfrage: «Und wofür setzt du dich ein? Jeder, der kann, sollte sich für eine wichtige Sache einsetzen!»

Pelze in den Läden

Ein Beispiel für das Engagement der Organisation Animal Trust ist der Kampf für die Freilassung der Gallenbären in Asien. Die Tiere werden in einen kleinen Raum eingepfercht: Durch ein Rohr im Leib wird ihnen täglich Gallenflüssigkeit abgenommen, die als Heilmittel in der chinesischen ­Medizin eingesetzt wird. Aber der Schwerpunkt der ­Tätigkeit von Büttiker liegt beim Kampf gegen das Pelztragen. Auch dieses Jahr sind die Kleiderläden wieder voller Kleider mit Pelzbesatz.

Das verwundert sie nicht: «Die Geschäfte ­machen damit Milliardengewinne.» Um auf die Qualen der Tiere aufmerksam zu machen, schreckt sie auch nicht vor provokativen Plakaten zurück: Derzeit sind ­Sujets Vorbereitung, die mit einem Wortspiel mit den Wörtern Pelzmode und Pelzmorde auf das Tierleid hinweisen.

Kampf für Pelzimportverbot

In den letzten Jahren verstärkte Katharina Büttiker ihr Engagement auf politischer Ebene. Der Grund: Der Ständerat lehnte 2011 das Importverbot für Pelze aus tierquälerischer Haltung ab. Das hat sie geärgert. «Dafür wurde eine zahnlose Deklarationspflicht eingeführt. Doch viele Geschäftsinhaber wissen nicht, woher die Pelze im Laden stammen», betont sie. Die meisten Pelze kämen aus China, und dort sei die Haltung besonders grausam. «Die einzige Lösung ist ein komplettes Importverbot für ­Pelze. Es gibt keine akzeptable Wildtierhaltung», fügt sie an.

Sie stellte in ihrer Tätigkeit fest, dass Tierschützer zu wenig Kontakte zu Politikern pflegen. Deshalb schloss sie sich mit an­deren Organisationen zusammen und gründete mit den Organisationen Tier im Recht und Wildtierschutz Schweiz den Verbund Alliance Animal Suisse (AAS). Dieser engagierte einen professionellen Lobbyisten, der die Parlamentarier für die Anliegen der Tiere sensibilisiert: Der frühere Direktor des Nutzfahrzeugverbandes Astag und heutige PR-Berater Michael Gehrken arbeitet für diese Allianz und betreibt politisches Lobbying. «Tieranliegen haben noch kaum eine Lobby in Bern», so Büttiker.

«Alle arbeiten unentgeltlich»

Trotz vieler Aktivitäten schwimmt die Organisation nicht im Geld. Sie sei deshalb dankbar für jede noch so kleine ­finanzielle Unterstützung. «Bei Animal Trust arbeiten alle unentgeltlich, und wir finanzieren unsere Unkosten selber», sagt Büttiker. Alle Beiträge der ­Gönner kämen vollumfänglich den Tieren zu.

Katharina Büttiker sagt, sie engagiere sich bedingungslos für Animal Trust. «Meine Arbeits­tage sind oft extrem lang.» Aber das Engagement lohne sich. Und die 68-Jährige betont: «Ich will auch in Zukunft für die Tiere kämpfen. Es gibt noch enorm viel zu tun.»

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt