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Die digitalen Streichelfreunde werden erwachsen Tablet-PCs dienen als Zeitschrift, TV-Fernbedienung und Menukarte Von Kurt Haupt, sda/MID Hintergrund

Tablet-Computer sind inzwischen nicht mehr bloss ein digitales Spielzeug für Gelangweilte.

Inzwischen haben sie sich zum intuitiv bedienbaren Unterhaltungsgerät und zur Arbeitshilfe gemausert. Tablet-Computer, die inzwischen einfach Tablets genannt werden, haben die Grösse einer guten Zeitschrift und sind ebenso spannend. Allerdings sind die «streichelbaren Farbbildschirme» dünner, leichter und viel cleverer als ihre Papierkonkurrenten. Beim Tablet ersetzt die Fingerspitze die Maus. Die auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm abgebildeten Knöpfe kann man direkt antippen. Durch Listen blättert man mit Wischbewegungen. Und Kleines und Unleserliches lässt sich mit Fingerspreizen vergrössern. Technisch sind die Kleincomputer ausgereift. Sie sind innert wenigen Sekunden betriebsbereit, kommen tagelang ohne Steckdose aus und können schon längst mehr als nur E-Mails anzeigen und durch das Internet surfen. Je nach Ausstattung kosten Tablets zwischen 150 und 1500 Franken. Vom Ladenhüter zum Renner Die Geschichte der Tablet-PC begann mit mehreren Misserfolgen. Bereits in den 60er-Jahren wurde mit dem Dynabook eine Art digitaler Notizblock angedacht. Doch erst 1993 brachte dann Apple mit dem Newton den ersten Tablet-Rechner auf den Markt und scheiterte grandios. Genauso erfolglos war Microsoft im Jahre 2001 mit ihrem Tablet-PC unter Windows. Doch dann zeigte Apple am 27. Januar 2010 ihren iPad, der sich als erster ausgereifter Tablet-Rechner innert Tagen zum teuren aber begehrten Technikspielzeug mauserte. Heute verkauft Apple monatlich rund drei Millionen Stück des weiterentwickelten iPad 2. Apples Erfolgsrezept wurde schnell kopiert. Inzwischen bieten mehrere Dutzend Hersteller Tablets an. Diese ähneln dem iPad sowohl in Aussehen als auch beim Komfort. Statt mit Apples iOS arbeiten die Tablets der Konkurrenz meist mit dem Betriebssystem Android. Dieses bietet mehr Offenheit (Speicherkartenleser, Internetseiten mit Flash), aber weniger Programme (Apps) und Inhalte (Zeitschriften). Die Konkurrenten des iPad profilieren sich dabei auf verschiedenen Ebenen. Archos lockt mit tiefen Preisen, Toshiba mit dem dünnsten und leichtesten Tablet, Sony mit einen Klapp-Tablet mit zwei Displays, Asus mit dem Windows-Betriebssystem und Samsung und HTC haben Tablets mit Stift und Handschrifterkennung. Steuern, informieren, geniessen Die Schiefertafelrechner haben sich vom Technikspielzeug zum universellen digitalen Helfer und Informationslieferanten gemausert. Oft ist ein Tablet der einzige Computer, der in der gemütlichen Stube geduldet wird. Immer mehr Hersteller von Unterhaltungsgeräten ersetzen ihre klobige Infrarotfernsteuerung durch ein Tablet- Programm. Mit Streichelgesten auf dem Farbdisplay wechselt man den Sender, reguliert die Lautstärke und dimmt sogar das Licht. Dank Integration ins Heimnetzwerk blättert man mit der Fingerspitze durch die Musiksammlung, ein Tippen lässt den Lieblingssong aus der Stereoanlage erklingen. Weil die Tablets mit dem Internet verbunden sind, kann man nebenbei seine Freunden bei Twitter und Facebook wissen lassen, welchen Song man sich anhört. Sogar das Programmieren von Fernsehaufzeichnungen verliert mit Tablets seinen Schrecken. Wer Swisscom-TV abonniert hat, kann auf seinem Tablet durch eine digitale Programmzeitschrift stöbern und einfach jene Sendungen antippen, die dann vom TV-Rekorder aufgezeichnet werden. Tablets und Fernseher als Team Tablets und Fernseher kommen sich immer näher. So kann man auf einem iPad unterwegs via Internet bei Zattoo fernsehen und zu Hause die Bildausgabe einfach per Fingertippen auf einen mit der Apple-TV- Box aufgerüsteten Grossbild-TV umleiten. Stammen TV und Tablet vom selben Hersteller wird die Integration noch enger: Zieht man beispielsweise auf dem Tabletrechner von Sony eine Videodatei auf das TV-Symbol, startet die Filmwiedergabe auf dem Sony-Fernseher mit perfekter HD-Auflösung automatisch. Sogar wer in der Stube lieber gemütlich lesen will, greift immer häufiger zu einem Tablet. Hunderte Zeitschriftentitel liefern digitale Ausgaben via Internet direkt auf das Tablet. Sogar Bücher lassen sich per Internet beziehen. Nach Branchenriesen wie Amazon und Apple hat nun auch Sony angekündigt, in Europa einen speziellen digitalen Buchladen für Tablets zu eröffnen. Arbeit und Spiele Immer wichtiger werden Tablets aber auch im Geschäftsumfeld. Beispielsweise im Gesundheitswesen können die Tablets die bisher üblichen Krankenakten ersetzen. Vertreter zeigen ihren Kunden vermehrt Produkte, Prospekte und Offerten auf den Tablets. Sogar in Restaurants wurden erste Tablets als digitale Menukarten gesichtet. Tablet-PCs, es sei eingestanden, eignen sich aber auch hervorragend als Spielzeug. Zehntausende Zeitvertreiber-Apps, davon ein Grossteil kostenlos, fesseln Gross und Klein an den farbigen Bildschirm. Selbstverständlich kann man auf Tablets sogar jassen. Traditionelle Anhänger des Volkssports degradieren das Tablet aber lieber nur zur Jasstafel - sogar dafür gibt es nämlich das passende App.

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