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Die 100 erfolgreichsten Konzernchefs

Ein Däne ist laut «Harvard Business Review» der weltbeste Manager. Und warum fehlen die Schweizer auf der Liste gänzlich?

Eines vorneweg: Der Gewinner sitzt auch nicht in den USA. Der erfolgreichste Konzernchef der 1200 weltgrössten Unternehmen ist gemäss der Fachzeitschrift «Harvard Business Review» Lars Rebien Sørensen von der dänischen Medizinaltechnikfirma Novo Nordisk, die sich auf die Behandlung von Diabetes spezialisiert hat. Auf Platz zwei folgt zwar ein Amerikaner – John Chambers vom IT-Ausrüster Cisco Systems – aber schon hinter ihm folgt mit Pablo Isla vom Kleidergiganten Inditex mit Marken wie Zara, Massimo Dutti oder Bershka wieder ein Vertreter eines europäischen Unternehmens. Genauer: einem spanischen. Parteilichkeit respektive US-Schlagseite kann man der «Harvard Business Review» also definitiv nicht vorwerfen.

Und trotzdem fällt das Ranking für die Schweiz wenig schmeichelhaft aus. Unter den 100 erfolgreichsten Konzernchefs der weltgrössten Unternehmen findet sich nämlich kein einziger Vertreter eines Schweizer Konzerns. Auch ein Schweizer – allenfalls an der Spitze eines ausländischen Konzerns, wie etwa der Aargauer Peter Voser früher bei Shell – fehlt auf der Liste. Dabei wären die Chancen der Schweiz eigentlich durchaus intakt: Dem Ranking zugrunde liegt der S&P Global 1200 Index, der 70 Prozent der weltweiten börsenkotierten Marktkapitalisierung berücksichtigt und dem insgesamt 28 Schweizer Firmen angehören. Nur sieben Nationen sind dort häufiger vertreten: Deutschland, Frankreich, Australien, Kanada, Grossbritannien, Japan – und ganz an der Spitze, natürlich – die USA. Kommt hinzu: Von 16 Ländern mit 11 und mehr Firmen im Index hat es einzig die Schweiz nicht unter die Top 100 geschafft.

Auch daran, dass es nur die falschen Branchen ins Ranking schaffen, kann es nicht liegen. An vorderster Stelle schneiden Konsumgüter-, Gesundheits- und Finanzkonzerne ab – also Bereiche, in denen die Schweiz mit Firmen wie Nestlé, Novartis, Roche, UBS und CS durchaus prominent vertreten wäre. Im Vergleich zur Konkurrenz erbringen deren Chefs aber offenbar nicht genug Leistung, um es unter die Top 100 zu schaffen.

Das ist ein herber Rückschlag. Letztes Jahr war die Schweiz immerhin noch mit zwei Konzernchefs vertreten: Swatch-Chef Nick Hayek schaffte es auf Platz 52 und Actelion-Chef Jean-Paul Clozel auf Platz 88. Wieso Hayek und Clozel dieses Jahr aus dem Ranking gefallen sind, ist nicht klar. Eine Erklärung könnten die angepassten Bewertungsstandards sein.

Der grösste Lichtblick aus Schweizer Sicht befindet sich auf Platz 68: Es ist Tidjane Thiam, der neue Chef der Credit Suisse, der nächste Woche seine Pläne für die Bank vorstellen wird. Das Ranking hat er noch in seiner Funktion als Konzernchef des britischen Versicherers Prudential geschafft. Allerdings war er letztes Jahr noch nicht auf der Liste – und wird dort auch nächstes und übernächstes Jahr nicht mehr vertreten sein. Das steht unabhängig von seinen Leistungen bei der Credit Suisse bereits heute fest. Um für das Ranking infrage zu kommen, muss ein Konzernchef mindestens zwei Jahre im Amt sein. Das wäre bei Thiam frühestens im Sommer 2017 der Fall, was ihm erstmals 2018 einen Platz unter den Top 100 ermöglichen würde.

Fokus auf dem langfristigen Erfolg

Das zeigt auch gleich, wodurch sich das Ranking der «Harvard Business Review» auszeichnet: Es stützt sich nicht auf Jahres- oder Quartalsberichte ab, sondern zielt auf langfristige Leistung. Untersucht wird jeweils die gesamte Amtszeit eines Konzernchefs, ab seinem Amtsantritt – und nicht nur ein Abschnitt daraus. Wer allerdings bereits vor 1995 im Amt war, dessen Leistung wird zeitlich beschnitten. Die Begründung: Kennzahlen vor 1995 seien zu wenig verlässlich. Immerhin jeder vierte Chef auf der Top-100-Liste – also insgesamt 25 Manager – sind schon über 20 Jahre im Amt.

Neben Konzernchefs, die zu wenig lange im Amt sind für eine verlässliche Bilanz, werden auch solche vom Ranking ausgeschlossen, die schon einmal verhaftet oder verurteilt worden sind. (Leider fehlt die Angabe, um wie viele Chefs es sich hier handelt). Übrig blieben 896 Firmen mit 907 (Co-)Konzernchefs.

Finanzielle, soziale und ökologische Kriterien

Berücksichtigt werden drei Kennzahlen: die Eigenkapitalrendite für die Aktionäre, reinvestierte Dividenden mit inbegriffen. Die Werte werden dabei erstens auf Länderebene korrigiert, um Bewegungen auszuschliessen, die nur mit der generellen Entwicklung der Börse zu tun haben. Zweitens werden sie auf Branchenebene abgeglichen, um Veränderungen allein aufgrund einer boomenden Industrie zu bereinigen. Und drittens fliesst die Marktkapitalisierung mit ein, korrigiert um Dividenden sowie herausgegebene oder zurückgekaufte Aktien und inflationsbereinigt (in Dollar).

Daraus ergibt sich die finanzielle Performance eines Konzernchefs. Allerdings entscheidet diese nicht allein darüber, wie gut jemand abschneidet. Auch ökologische und soziale Kriterien spielen eine Rolle, genauso wie die Standards einer guten Unternehmensführung. Diese Bewertung wurde von einer externen Firma übernommen, die auf solche Analysen spezialisiert ist – Sustainalytics. Die Finanzziele wurden dabei mit 80 Prozent gewichtet, den Rest machen die Nachhaltigkeitsziele aus.

Der prominente Abwesende

Nicht im Ranking erscheint einer, der sonst immer genannt wird, wenn es um langfristigen Erfolg geht: der US-Starinvestor Warren Buffett, seit 45 Jahren Konzernchef von Berkshire Hathaway. Laut den Autoren hat er die Liste so knapp verpasst, wie es nur irgendwie geht: Er schneidet auf Platz 101 ab. Das habe einerseits damit zu tun, dass aufgrund der Struktur der Erhebung die ersten 25 Jahre seiner Amtszeit abgeschnitten werden – vor 1995 werden keine Zahlen ausgewertet. Alleine anhand der Finanzkennzahlen hätte er es aber trotzdem auf den 23. Rang geschafft. Allerdings schneidet Buffett bei den Nachhaltigkeitskriterien schlecht ab: Von den 907 Chefs leisten 797 in diesem Bereich mehr als er. Obwohl dieses Kriterium nur mit 20 Prozent ins Resultat einfliesst, reicht es, um Buffett aus den Top 100 zu verjagen.

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