Zum Hauptinhalt springen

Der schüchterne Superökonom

Der scheidende US-Notenbankchef Ben Bernanke wird diese Woche 60 Jahre alt. Mittlerweile hat er in der Welt der Ökonomie alles erreicht – als Elfjähriger war Bernanke noch am Wort Edelweiss gescheitert.

Geht in Ruhestand: Ben Bernanke hat sein Amt abgegeben. (Archivbild)
Geht in Ruhestand: Ben Bernanke hat sein Amt abgegeben. (Archivbild)
Keystone
Mit mehr Transparenz und Pressekonferenzen nach geldpolitischen Entscheiden wollte er Schwankungen an den Märkten reduzieren. Dies ist ihm nur bedingt gelungen.
Mit mehr Transparenz und Pressekonferenzen nach geldpolitischen Entscheiden wollte er Schwankungen an den Märkten reduzieren. Dies ist ihm nur bedingt gelungen.
Ex-Press
Schon früh den anderen überlegen: Mit elf Jahren gewann Bernanke den Buchstabierwettbewerb seines Heimatstaates South Carolina. Erst im bundesweiten Finale scheiterte er - am Wort «Edelweiss»
Schon früh den anderen überlegen: Mit elf Jahren gewann Bernanke den Buchstabierwettbewerb seines Heimatstaates South Carolina. Erst im bundesweiten Finale scheiterte er - am Wort «Edelweiss»
Keystone
Bernankes Nachfolgerin heisst Janet Yellen (l.). Diese wurde nach langem Hin und Her von US-Präsident Barack Obama als Fed-Chefin vorgeschlagen.
Bernankes Nachfolgerin heisst Janet Yellen (l.). Diese wurde nach langem Hin und Her von US-Präsident Barack Obama als Fed-Chefin vorgeschlagen.
Keystone
Der damalige Präsident George W. Bush machte Bernanke 2005 zu seinem obersten Wirtschaftsberater, nur um ihn kurz darauf für den Posten an der Spitze der Notenbank zu nominieren. Links sein Vorgänger im Amt des Fed-Chefs: Alan Greenspan.
Der damalige Präsident George W. Bush machte Bernanke 2005 zu seinem obersten Wirtschaftsberater, nur um ihn kurz darauf für den Posten an der Spitze der Notenbank zu nominieren. Links sein Vorgänger im Amt des Fed-Chefs: Alan Greenspan.
Keystone
Als Vorsitzender des Feds gehörte der Austausch mit den  Amtskollegen zum Tagesgeschäft: Hier mit Mario Draghi von der EZB...
Als Vorsitzender des Feds gehörte der Austausch mit den Amtskollegen zum Tagesgeschäft: Hier mit Mario Draghi von der EZB...
Keystone
1 / 8

Der Chef der US-Notenbank ist auch auf dem Olymp der Wirtschaftswelt ein ganz normaler Mann geblieben. Seinen 60. Geburtstag am kommenden Freitag feiert er nun am Ende einer Bilderbuch-Karriere. Für einen der mächtigsten Männer der Finanzwelt wirkt Ben Bernanke überraschend zurückhaltend. Der scheidende Chef der US-Notenbank Federal Reserve spricht seine marktbewegenden Worte stets mit ruhiger, fast ausdrucksloser Stimme. Temperamentvolle Gesten oder gebieterisches Gehabe sind nicht seine Sache.

Von den Partys der Reichen und Bedeutenden in der Hauptstadt Washington hält er sich fern, lieber erledigt er daheim mit seiner Ehefrau Anna den Abwasch und löst Kreuzworträtsel, schrieb das Magazin «Time» einst. Was für ein Kontrast: Sein schüchternes Auftreten und sanftmütiges Gesicht hinter dem weissen Vollbart lassen kaum erahnen, welch immensen Einfluss Benjamin Shalom Bernanke auf das Wohl und Wehe der globalen Ökonomie hat. Er muss nur vage Andeutungen über leichte Änderungen der Geldpolitik seiner Zentralbank machen und schon brechen auf den Weltmärkten Tumulte aus.

Allmachtsfantasien scheint das beim Fed-Chef nicht auszulösen. Auch seinen 60. Geburtstag am kommenden Freitag, 13. Dezember, wird er wahrscheinlich eher bescheiden feiern.

Früh Begabung gezeigt

Dabei könnte Bernanke, der sein Amt Ende Januar an Nachfolgerin Janet Yellen abgibt, angesichts seiner Bilderbuch-Karriere eine grosse Sause veranstalten. Fünf Jahre vor dem gewöhnlichen Rentenbeginn hat er eigentlich alles erreicht, was es in der Ökonomenwelt zu erreichen gibt.

Schon als Jugendlicher fiel er durch seinen Intellekt auf. Mit elf Jahren gewann er den Buchstabierwettbewerb seines Heimatstaates South Carolina. Erst im bundesweiten Finale scheiterte er - am Wort «Edelweiss», wie Biografen süffisant festhielten. Den Test für die Zulassung zur Universität bestand der Sohn eines Apothekers und einer Lehrerin mit brillantem Ergebnis. Zuvor brachte er sich die Infinitesimalrechnung selbst bei, weil seine High School sie nicht auf dem Lehrplan hatte.

Als Spross einer jüdischen Familie lernte er auch Hebräisch. In den Ferien machte er Gelegenheitsjobs, etwa als Kellner oder auf dem Bau. Das Wirtschaftsstudium an der Elite-Uni Harvard schloss er mit Bestnote ab, den Doktortitel erwarb er am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Fast 20 Jahre lehrte und forschte er als Professor an den berühmten Universitäten in Stanford und Princeton, bis er 2002 zur Fed wechselte.

Nach akademischer Laufbahn Präsidentenberater

Der damalige Präsident George W. Bush machte Bernanke 2005 zu seinem obersten Wirtschaftsberater, nur um ihn kurz darauf für den noch ruhmreicheren Posten an der Spitze der Notenbank zu nominieren.

Das wirkt heute wie eine Ironie der Geschichte, hatte sich der Ökonom doch vor allem mit Forschung über die grosse Depression der 1930er Jahre einen Namen gemacht. Nur eineinhalb Jahre nach seinem Antritt als oberster Währungshüter brach 2007 die heftigste Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren über die grösste Volkswirtschaft herein.

Fachleute werden wohl noch lange darüber streiten, ob und wie sehr Bernanke dazu beigetragen hat, die US-Konjunktur wieder auf Trab zu bringen. Unter seiner Ägide hält die Notenbank seit Jahren den Zins bei knapp über Null Prozent und steckte zudem 3,5 Billionen Dollar in Staatsanleihen und Hypothekenpapiere. Das ist historisch einmalig und nicht ohne Risiko.

Mehr Transparenz

«Dieser schüchterne, methodische Ökonom hat sich unter dem Druck zum vielleicht innovativsten und mutigsten Führer in der Geschichte der Fed entwickelt», urteilte die «New York Times» jüngst. Darüber hinaus hat er der ehrwürdigen Federal Reserve einen neuen Stil verpasst, der auf mehr Offenheit und Transparenz setzt.

Völlig offen liess Bernanke bisher, wie er sich seine Zeit nach dem Abschied vom Fed-Vorsitz vorstellt. Geht er wieder an eine Uni, sucht er sich einen lukrativen Posten im Bankensektor, berät der Republikaner künftig Politiker?

Wahrscheinlich ist wohl, dass sich der Vater zweier erwachsener Kinder öfter im Stadion der Washingtoner Baseball-Mannschaft sehen lässt. Auch in den vergangenen Jahren schlich er sich häufiger in Jeans und mit einer Mütze auf dem Kopf zu den Spielen. Denn wenn er nicht gerade Märkte bewegt, ist Bernanke ein Mann von nebenan.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch