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Das Nörgeln über die 1’000’000’000’000-Dollar-Firma

Apple meldet mal wieder Rekord-Quartalszahlen. Anleger fordern dennoch immer mehr. Konzernchef Tim Cook ist das wohl gar nicht so unrecht.

Immer neue Rekordzahlen: Am Donnerstag wurde Apple kurzzeitig mit 1’000’036’178’300 Dollar bewertet. Video: AFP/Tamedia

Es hilft, wenn man sich die Verkündung der Quartalszahlen von börsennotierten Unternehmen so vorstellt wie die Olympischen Spiele. Da wird ja auch in regelmässigen Abständen überprüft, wie weit es der Mensch inzwischen gebracht hat – wie schnell er laufen, wie weit er werfen, wie hoch er springen kann. Es gibt bei diesen Veranstaltungen immer auch Publikumslieblinge und solche, die vom Volk geschmäht werden, doch am Ende, wenn es um die Vergabe der Medaillen geht, da zählen die Zahlen.

Also dann, die nackten Zahlen: Am Donnerstag stieg die Aktie des amerikanischen Technologiekonzerns Apple an der Börse Nasdaq auf den Wert von 207,05 Dollar. Es gibt insgesamt 4’829’926’000 Apple-Aktien, also wurde das Unternehmen kurzzeitig mit 1’000’036’178’300 Dollar bewertet und gilt nun als «Trillion Dollar Company» (im Englischen steht «Trillion» für das deutsche «Billion»). Zwei Tage zuvor hatte das Unternehmen mal wieder Rekordzahlen vermeldet: Der Umsatz war im Vergleich zum Vorjahresquartal um 17 Prozent auf 53,3 Milliarden Dollar gestiegen, der Nettogewinn gar um 32 Prozent auf 11,5 Milliarden Dollar. Für das kommende Vierteljahr sagt Apple einen Umsatz von 60 Milliarden bis 62 Milliarden Dollar voraus.

Video - Wertsteigerung um über 50’000 Prozent

Als Donna Fenn 1985 Apple-Aktien kaufte, hatte niemand einen Computer – nun hat sie gut lachen. Video: Reuters/Tamedia

Apple veröffentlicht seit Jahren regelmässig wahnwitzige Umsätze und Gewinne, und doch ist das den Experten an der Wall Street anlässlich der Quartalszahlen der vergangenen Jahre meistens nicht gut genug gewesen. Das Unternehmen ist stets unfassbar hoch gesprungen, sehr häufig gar zu neuen Rekorden, und dennoch waren die Analysten meist eher ernüchtert, bisweilen gar enttäuscht – wie bei einem Hochspringer, der bei Olympia andauernd neue Bestmarken erreicht und die von den Kampfrichtern aufgelegte Latte dennoch reisst.

Sie suchen andauernd nach Einhörnern im Silicon Valley

Wer sich mit diesen Experten unterhält, der hört oft, dass Apple ja seit dem iPad kein revolutionäres Produkt mehr auf den Markt gebracht habe. Dass Konzernchef Tim Cook dann eben doch kein so charismatisches Genie sei wie Steve Jobs. Dass die Firma viel zu abhängig sei von den Produktionsstätten in China und deshalb auch von den Strafzöllen von US-Präsident Donald Trump schwer getroffen würde. Dass das Unternehmen bei digitalen Disruptionen wie zum Beispiel der Datenwolke Cloud zu spät dran gewesen sei.

Nachfrage nach teuren Modellen treibt Gewinn von Apple in die Höhe: iPhone X auf einem Werbeplakat. (Archivbild)
Nachfrage nach teuren Modellen treibt Gewinn von Apple in die Höhe: iPhone X auf einem Werbeplakat. (Archivbild)
Elijah Nouvelage, AFP
Der iPhone-Absatz legt um ein Prozent auf 41,3 Millionen zu.
Der iPhone-Absatz legt um ein Prozent auf 41,3 Millionen zu.
Eric Risberg, Keystone
Der Gewinn im abgelaufenen Geschäftsquartal steigt um 32 Prozent auf gut 11,5 Milliarden Dollar.
Der Gewinn im abgelaufenen Geschäftsquartal steigt um 32 Prozent auf gut 11,5 Milliarden Dollar.
Armando Babani, Keystone
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Sie suchen ja andauernd nach Einhörnern im Silicon Valley. So werden Unternehmen genannt, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden und genau deshalb so selten sind, dass als Symbol nur ein Fabelwesen taugt. Sie werden gefeiert, diese Konzerne, auch wegen ihrer Chefs, die mindestens so charismatisch daherkommen wie der Sprinter Usain Bolt. Zum Beispiel das soziale Netzwerk Snapchat, dessen Mutterkonzern Snap vor 18 Monaten an die Börse gegangen ist und derzeit mit 17 Milliarden Dollar bewertet wird. Verlust insgesamt seit dem Börsengang laut Vierteljahreszahlen: 3,84 Milliarden Dollar.

Oder der private Fahrdienstvermittler Uber, der seit einer Finanzierungsrunde im Mai mit 62 Milliarden Dollar bewertet wird. Verluste im Jahr 2017: 4,5 Milliarden Dollar. Verluste im ersten Quartal 2018: 601 Millionen Dollar. Oder der Elektroautobauer Tesla, der am Mittwoch einen Vierteljahres-Rekordverlust von 717,5 Millionen Dollar vermeldete. Der Aktienkurs stieg dennoch um mehr als 16 Prozent, weil das Unternehmen zum einen gar nicht mal so düstere Prognosen abgab (es sollen die vorerst letzten Verluste sein) und sich Firmenchef Elon Musk zu Abwechslung mal benahm wie ein, nun ja, Firmenchef. Tesla wird nun mit knapp 60 Milliarden Dollar bewertet.

Apples Aktienkurs seit Juli 2018. Quelle: «Finanz und Wirtschaft»
Apples Aktienkurs seit Juli 2018. Quelle: «Finanz und Wirtschaft»

Viele Einhörner im Silicon Valley schaufeln das Geld in einen Hochofen zum Verbrennen. Apple schaufelt es in die eigenen Geldspeicher – oder investiert es in sich selbst: Der Konzern kaufte in den vergangenen beiden Quartalen insgesamt Anteile im Wert von 43,5 Milliarden Dollar zurück. Das konnte er auch deshalb tun, weil er in Relation zum Umsatz noch immer vergleichsweise niedrig bewertet wird, die sogenannte Price-Earnings-Ratio liegt bei 17,5. Die von Google-Mutter Alphabet: 32,96. Facebook: 26.69. Netflix: 142.05. Amazon: 161.43.

Am Donnerstag ist Apple zur «Trillion Dollar Company» geworden. Alles in Ordnung nun? Nicht so schnell!

«Wird es Apple gelingen, weiterhin innovativ zu sein?»

Die «New York Times» zum Beispiel beendet ihre Analyse zum Erreichen dieses Trillion-Dollar-Meilensteines mit den Hinweisen, dass der Konzern mal wieder ein revolutionäres Produkt brauche, dass der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China problematisch für Apple werden dürfte und die Firma bei Entwicklungen wie selbstfahrenden Autos und Datenbrillen vor gewaltigen Hürden stünde. Der Artikel schliesst mit der Frage des Experten Tim Bajarin: «Wird es Apple gelingen, weiterhin innovativ zu sein?»

Man möchte diesem und vielen anderen Experten zurufen: Am Ende, da zählen die Zahlen – und die liefert Apple seit Jahren. Allerdings ist Tim Cook dann eben doch kein charismatischer Lautsprecher wie zum Beispiel Usain Bolt, sondern kommt eher daher wie der schüchterne Schwimmer und Rekord-Olympionike Michael Phelps.

Wächter eines Imperiums: Tim Cook an einem Apple Event in San Franciso.
Wächter eines Imperiums: Tim Cook an einem Apple Event in San Franciso.
Eric Risberg, Keystone
Tim Cook arbeitet seit 1998 bei Apple, seit 24. August 2011 ist er CEO.
Tim Cook arbeitet seit 1998 bei Apple, seit 24. August 2011 ist er CEO.
Reuters
Cooks Management-Stil illustrierte «Fortune» mit folgender Anekdote aus den 90er-Jahren. Apple-Manager um Cook beraten über ein Problem in Asien. «Das ist schlimm», sagt er. «Jemand sollte sich direkt in China darum kümmern.» Eine halbe Stunde später blickt er einem der Anwesenden ins Gesicht und fragt: «Warum sind Sie eigentlich noch hier?»
Cooks Management-Stil illustrierte «Fortune» mit folgender Anekdote aus den 90er-Jahren. Apple-Manager um Cook beraten über ein Problem in Asien. «Das ist schlimm», sagt er. «Jemand sollte sich direkt in China darum kümmern.» Eine halbe Stunde später blickt er einem der Anwesenden ins Gesicht und fragt: «Warum sind Sie eigentlich noch hier?»
Keystone
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Cook will nur ja nicht zu gross, zu mächtig, zu gigantisch wirken, deshalb sagte er anlässlich der fantastischen Quartalszahlen: «Ich weiss, dass es zahlenmässig anders aussieht – aber ich betrachte Apple noch immer als kleines Unternehmen.» Cook hat all die Experten genau da, wo er sie haben möchte.

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