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Nach Aufhebung des Mindestkurses: Überraschte Finanzchefs

Die SNB hat die Finanzchefs der Schweizer Unternehmen auf dem falschen Fuss erwischt. Derweil läuten Privatbanken die Alarmglocke.

Er sagt, die Banken müssten ihre Geschäftsmodelle überdenken: Boris Collardi, CEO der Bank Julius Bär, in Bern. (20. Januar 2015)
Er sagt, die Banken müssten ihre Geschäftsmodelle überdenken: Boris Collardi, CEO der Bank Julius Bär, in Bern. (20. Januar 2015)
Lukas Lehmann, Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat die Finanzchefs der Schweizer Unternehmen auf dem falschen Fuss erwischt. Kaum einer hatte mit der Aufhebung der Kursuntergrenze gerechnet, wie eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt.

In der im Dezember durchgeführten Umfrage haben nur gerade drei von 129 befragten Finanzchefs auf Ende 2015 mit einem Euro-Wechselkurs von unter 1.20 Franken gerechnet. Von Herbst 2011 bis Frühling 2013 gingen deutlich mehr Finanzchefs davon aus, dass die SNB innerhalb eines Jahres die Kursuntergrenze fallen lässt.

Gemäss einer hypothetischen Frage, die den Finanzchefs bei der Umfrage zum dritten Quartal gestellt wurde, gingen diese damals von einem Euro-Wechselkurs von 1.12 Franken für Ende 2015 aus, sollte die Untergrenze fallen. Einen Kurs von 1.10 Franken sahen damals 67 Prozent als Nachteil für das Unternehmen. Ein Paritätskurs von 1 Franken für einen Euro wurde von 82 Prozent als nachteilig bewertet.

Risikobereitschaft hat gelitten

Aber auch ohne diese zusätzliche und nicht absehbare Belastung für die Unternehmen, zeigten sich die Finanzchefs bei der neuesten Umfrage deutlich pessimistischer als zuvor. Die Zahl jener, die sich optimistisch zu den Konjunkturaussichten für die Schweiz äusserten, hat sich in den letzten 12 Monaten von 80 auf 41 Prozent reduziert.

Die Bereitschaft, Risiken einzugehen, hat darunter ebenfalls gelitten. 68 Prozent der Finanzchefs wollen derzeit keine höheren Risiken eingehen, heisst es in der Mitteilung weiter. Das seien 19 Prozent mehr als noch vor drei Monaten.

Privatbanken und Vermögensverwalter läuten die Alarmglocke

Schweizer Privatbanken und Vermögensverwalter sorgen sich um ihre weltweit führende Position. Nachdem das grenzüberschreitende Bankgeheimnis geknackt, der Konkurrenzkampf härter und die Regulierungen verschärft wurden, sorgt nun der SNB-Entscheid für weiteren Druck.

Die Geschäftsmodelle der Privat- und Vermögensverwaltungsbanken glichen jenen von Exportindustrie und Tourismus: Die Kosten fallen vorwiegend in Franken an, die Erlöse hingegen zu 80 Prozent in Fremdwährungen, sagte Boris Collardi, Chef der Bank Julius Bär und Präsident des Assetmanagement- und Vermögensverwaltungsverbandes VAV beim jährlichen Mediengespräch in Bern.

«Banken profitieren von hohen Freibeträgen»

Wenn nun also der Franken derart stark bleibe, würden Einnahmen und die Profitabilität sinken, «wenn wir nichts machen», sagte Collardi. Er erwartet, dass sich die Konsolidierung im Private Banking beschleunigt. Zwischen 2005 und 2013 habe die Zahl der Privatbanken in der Schweiz bereits von 182 auf 139 abgenommen.

In fünf Jahren könnten es nur noch 100 sein, prognostizierte Collardi. Die Banken müssten ihre Geschäftsmodelle überdenken und sich auf Kundengruppen respektive Länder konzentrieren, um die Kosten zu optimieren. Sie würden dazu voraussichtlich mehr im Ausland investieren und Dienstleistungen verlagern respektive zusammenlegen.

Christoph Gloor, Teilhaber der Basler Privatbank La Roche 1787 und Präsident der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken, kritisierte die Schweizerische Nationalbank (SNB). Vom Negativzins auf den Giroguthaben seien Privatbanken und Vermögensverwalter mehr betroffen, während grosse Banken von hohen Freibeträgen profitierten.

SDA/rsz

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