Eine Familie kaufte 24 Liter Milch auf einmal

Kleidung, Lebensmittel, Kosmetika: Die Schweizerinnen und Schweizer decken sich jenseits der Grenze ein. Ladenbesitzer in Konstanz frohlocken.

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Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank rüsten sich die Konstanzer Einzelhändler für einen weiteren Ansturm auf ihre Geschäfte. Das befürchtete Verkehrschaos blieb jedoch aus.

Vieles war auf der deutschen Seite schon lange günstiger und zusätzlich können sich die Schweizer Kunden die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent zurückerstatten lassen. Nun bekommt der Einkaufstourismus einen zusätzlichen Schub, denn für Franken gibt es plötzlich deutlich mehr Euro als noch vor wenigen Tagen.

Gute Nachricht für den Einzelhandel

Das haben beispielsweise drei junge Männer aus dem benachbarten Thurgau genützt. Ohne den Entscheid der Nationalbank wären sie jetzt nicht auf Shoppingtour gegangen, sagen Daniel, Julian und Lukas. Ausserdem hätten sie sonst nicht so viel gekauft, erklären sie mit Blick auf die prall gefüllten Tüten.

Für den Konstanzer Einzelhandel sei der Entscheid der Nationalbank eine gute Nachricht, sagte Peter Herrmann vom Shoppingcenter Lago gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Im grössten Konstanzer Einkaufstempel machen die Schweizer Kundinnen und Kunden bislang rund ein Drittel aus.

Nun erwartet Herrmann einen vorübergehenden Schub. «Aber das wird sich einpendeln und relativieren,» sagte er. Viele Kundinnen und Kunden nutzten nun die Gelegenheit, um beispielsweise Vorräte aufzustocken. So gab es etwa eine Familie, die 24 Liter Milch auf einmal gekauft habe.

5000 Besucher mehr

Für den Samstag rechnet Herrmann mit rund 45'000 Besucherinnen und Besuchern, das sind 5000 mehr als an einem durchschnittlichen Samstag während des Ausverkaufs im Januar. Am umsatzstärksten Tag im Advent hat das Lago 67'000 Kunden gezählt.

Auf Seiten der Stadtverwaltung Konstanz geht man nicht von einem kurzfristigen Kundenansturm aus der Schweiz aus, wie die städtische Pressestelle auf Anfrage mitteilte. Die Stadt sei jedoch in der Lage auch ein grösseres Verkehrsaufkommen zu bewältigen. Für alle Fälle standen am Samstag die Verkehrskadetten bereit, um Staus und Chaos in der Innenstadt zu verhindern.

SBB hängt zusätzliche Wagen an

Die Parkhäuser in der Konstanzer Innenstadt waren jedenfalls fest in Schweizer Hand. Die meisten Kennzeichen stammten aus dem Thurgau, St. Gallen, Zürich und Aargau, einige reisten aber auch aus Luzern, Zug, Glarus, Basel und Bern an.

Das befürchtete Verkehrschaos blieb jedoch aus. Auch dank der SBB, die an die Züge von Zürich nach Konstanz zusätzliche Wagen angehängt hatte, um den erwarteten Ansturm zu bewältigen.

rar/sda

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