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Coronavirus bremst Nestlé

Firmenchef Schneider benötigt mehr Zeit, um seine Wachstumsziele zu erreichen. In China standen die Fabriken nach dem Virusausbruch still.

Angelika Gruber
«Wir sind überzeugt, wir kommen da hin, aber wir werden etwa ein bis zwei Jahre länger brauchen», sagte Mark Schneider, CEO von Nestlé. Foto: Yvain Genevay / «Le Matin Dimanche»
«Wir sind überzeugt, wir kommen da hin, aber wir werden etwa ein bis zwei Jahre länger brauchen», sagte Mark Schneider, CEO von Nestlé. Foto: Yvain Genevay / «Le Matin Dimanche»

Mark Schneider mag keine grossmundigen Ankündigungen. Der Nestlé-Chef will sich lieber an dem messen lassen, was er erreicht hat. Das vergangene Jahr ist dabei nicht ganz nach den Vorstellungen des Konzernlenkers verlaufen. Das Wassergeschäft wächst nur sehr verhalten, und in China kämpft Nestlé mit zunehmender Konkurrenz durch billigere Anbieter. Hinzu kommt der Stillstand durch den Ausbruch des Coronavirus, der die Produktion in den Nestlé-Fabriken im ganzen Land lahmgelegt hat.

Schneider benötigt nun etwas mehr Zeit, um ein wichtiges Etappenziel beim Konzernumbau zu erreichen. Er hatte sich bis 2020 ein um Sondereffekte bereinigtes Umsatzplus von vier bis sechs Prozent vorgenommen. «Wir sind überzeugt, wir kommen da hin. Aber wir werden etwa ein bis zwei Jahre länger brauchen, um das zu erreichen», sagte er am Donnerstag in Vevey. Im vergangenen Jahr lag der Zuwachs bei 3,5 Prozent. An der Börse verlor die Nestle-Aktie daraufhin gut zwei Prozent an Wert. Allerdings hatte sie im vergangenen Jahr einen wahren Höhenflug hingelegt und sich um rund ein Drittel verteuert.

In China hat Nestlé gut 30 Fabriken und stellt dort Babynahrung sowie Süssigkeiten und einige lokale Produkte wie Erdnussmilchdrinks und Reisporridge her. Nach dem aussertourlichen einwöchigen Stillstand durch das Coronavirus ist die Produktion am Montag zwar wieder angelaufen – allerdings nicht in vollem Umfang. Beschäftigte seien angesichts der eingeschränkten Reisemöglichkeiten immer noch nicht an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, sagte Schneider. Zudem laufe der Transport von Gütern nicht reibungslos. Für Nestlé ist China der zweitwichtigste Markt nach den USA. Dort erwirtschaftet der Konzern rund acht Prozent seines Umsatzes. Welche finanziellen Auswirkungen der Unterbruch für Nestle hat, liess Schneider offen.

Schneider will Problemfälle angehen

In dem ein oder anderen Bericht könnte der Konzern auch von der Ausnahmesituation profitieren: Denn Nestlé verkauft hauptsächliche Produkte, die zu Hause konsumiert werden. Sie dürften sich zuletzt einer regen Nachfrage erfreut haben – auch in Ländern ausserhalb Chinas: In Singapur etwa hatten viele Leute verstärkt Nudeln gekauft, um sich für den Fall eines Überschwappens der Epidemie mit Nahrungsmitteln einzudecken.

Auch unabhängig vom Coronavirus ist China kein einfaches Pflaster für Nestlé: Bei Babymilch bekommt der Konzern die Konkurrenz durch lokale Hersteller zu spüren, die die Preise drücken. Und die Marke Yinlu für Erdnussmilch und Reisporridge kämpft weiterhin mit Umsatzrückgängen. Experten erwarten, dass sich Schneider den Problemen in China nun verstärkt zuwenden wird – ebenso wie dem Wassergeschäft.

Dort wuchs Nestlé im vergangenen Jahr nur 0,7 Prozent und damit so langsam wie in keiner anderen Produktgruppe. Viele Konsumenten greifen verstärkt zu Wasser mit Geschmack- und Zusatzstoffen, die einen Gesundheitsnutzen versprechen, und liessen die Nestlé-Produkte im Regal stehen. Der Chef der Sparte musste seinen Platz räumen. Nun integriert Nestlé den bislang separat geführten Bereich in die regionale Organisation, die dann auch die Vermarktung übernimmt.

Auch grössere Zukäufe sind möglich

Schneider war als der erste Konzernchef von aussen seit langem 2017 angetreten, um aus Nestlé wieder die Wachstumsmaschine zu machen, die das Unternehmen einmal war. Schlecht laufende Bereiche verkaufte er, anderswo kaufte er zu – etwa im Kaffeegeschäft, wo er eine milliardenschwere Lizenzvereinbarung mit Starbucks einging. Doch im vergangenen Jahr ging die Balance aus Zu- und Verkäufen nicht ganz auf. Nestlé verkaufte das wachstumsstarke Hautgesundheitsgeschäft – allerdings ohne die Lücke durch Zukäufe auf der anderen Seite zu stopfen. Das ist mit ein Grund dafür, dass Schneider länger braucht, um sein Wachstumsziel zu erreichen. «Ich hätte gerne mehr Zukäufe gemacht im Vorjahr», sagte er. «Nächstes Jahr wird das anders aussehen, wir haben spannende Projekte.» Selbst eine grössere Übernahme schloss er nicht aus.

An anderer Stelle hat Schneider bereits geliefert, und zwar ein Jahr früher als angekündigt. Die bereinigte operative Gewinnmarge – eine zentrale Kennzahl für die Steuerung des Konzerns – stieg im Vorjahr auf 17,6 Prozent und lag damit bereits im für Ende 2020 anvisierten Zielkorridor. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren: Die Dividende steigt das 25. Jahr in Folge auf nunmehr 2.70 Franken je Aktie.

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