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Bouée wird für CS-Chef Thiam zur Gefahr

Die ehemalige Nummer zwei der Grossbank will möglicherweise gegen den ehemaligen Arbeitgeber vorgehen.

Holger Alich
Hat 20 Jahre mit Tidjane Thiam zusammengearbeitet: Der ehemalige Chief Operating Officer der CS, Pierre-Olivier Bouée. Foto: PD
Hat 20 Jahre mit Tidjane Thiam zusammengearbeitet: Der ehemalige Chief Operating Officer der CS, Pierre-Olivier Bouée. Foto: PD

In der Überwachungsaffäre der Credit Suisse ist er die Schlüsselfigur: der ehemalige Chief Operating Officer, Pierre-Olivier Bouée. Er war es, der sowohl die Überwachung von Iqbal Khan als auch von Ex-CS-Personalchef Peter Goerke veranlasst hatte. Bouée, der seit fast 20 Jahren eng mit Tidjane Thiam in mehreren Firmen zusammengearbeitet hatte, soll dabei den CS-Chef nie über die Beschattungsaktionen informiert haben.

Bouée hat bisher öffentlich zu den Vorgängen geschwiegen. Doch nun könnte der ehemals langjährige Mitstreiter Thiams zu einer Gefahr für den Chef der Credit Suisse werden.

Als die Grossbank die Beschattung Khans von den Anwälten von Homburger hat untersuchen lassen, hatte Bouée die vorangegangene Verfolgung Goerkes den Ermittlern verschwiegen. Damit hat er eine Treuepflichtverletzung gegenüber der CS begangen. Als Konsequenz wurde Bouée fristlos entlassen. Das hat zur Folge, dass er seine aufgeschobenen Boni-Anteile von 4 Millionen Franken verliert.

PR-Firma eingeschaltet

Laut dem Portal «Finews» hat sich Bouée nun einen Anwalt genommen und eine PR-Firma eingeschaltet, um möglicherweise gegen die Entlassung vorzugehen. Arbeitsrechtlich dürften seine Chancen gering sein, einen allfälligen Prozess zu gewinnen.

«Die Frage ist vielmehr, ob er Thiam in irgendeiner Form beschuldigen wird», sagt ein Bank-Insider. Sollte Bouée erklären, dass der Credit-Suisse-Chef doch etwas über die Beschattungen gewusst habe, droht Thiams Stellung weiter geschwächt zu werden, meinen Beobachter. Credit Suisse wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Nach bisherigem Stand der Erkenntnisse gibt es keine Belege, dass Thiam etwas wusste. Der Bank-Chef selbst beteuert, er habe von den Überwachungen keine Kenntnis. Sollte Bouée Thiam beschuldigen, stünde Aussage gegen Aussage. Es liesse sich zwar einwenden, dass Bouées Glaubwürdigkeit durch das Verschweigen der Existenz einer zweiten Überwachungsaktion Schaden erlitten hat. Aber nach wie vor haben viele Beobachter auch Zweifel an der offiziellen Version, dass Thiam nichts wusste. Vollkommen undenkbar scheint aber, dass die Bank den Geschassten in irgendeiner Form finanziell kompensiert. Denn das sähe nach Schweigegeld aus.

«Bouée steht nun mit dem Rücken zur Wand», sagt ein CS-Insider. Durch den Skandal dürfte seine Reputation so weit beschädigt sein, dass der Franzose wohl kaum mehr bei einem namhaften Finanzinstitut einen guten Job bekommen wird. Mit seinen 48 Jahren ist er aber zu jung, um sich bereits auf das Altenteil zurückzuziehen und vom Ersparten zu leben.

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