BLS verunsichert Angestellte mit geplantem Stellenabbau

Das Bahnunternehmen will jährlich 60 Millionen Franken einsparen. 200 Stellen sollen dabei gestrichen werden.

<b>Die BLS</b> befindet sich auf Sparkurs.

Die BLS befindet sich auf Sparkurs. Bild: Christian Pfander

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Dass etwas kommen wird, das wussten die BLS-Mitarbeitenden bereits seit dem Sommer. Damals orientierte die Unternehmensleitung erstmals darüber, dass unter dem Namen «Best Way» ein neues Sparmassnahmenpaket aufgegleist wurde.

Erinnerungen wurden wach an das Projekt «Gipfelsturm», welches 2012 das Unternehmen fit machen sollte für die Zukunft. 24 Stellen wurden damals gestrichen.

Die neue Sparrunde fällt nun bedeutend heftiger aus. 200 Stellen will das Unternehmen bis 2023 streichen, wie es am Mittwoch mitteilte. Zur Orientierung: Heute hat die BLS 2916 Vollzeitstellen. Dass viele jetzt um ihren Job bangen, liegt vor allem daran, dass das Unternehmen sehr vage bleibt.

Welche Bereiche vom Sparpaket betroffen sind, welche Standorte und welche Funktionen: Dahinter stellt die BLS gleich selbst ein grosses Fragezeichen. Quer durch den ganzen Betrieb wolle man sparen, sagt CEO Bernard Guillelmon. Klar ist lediglich das Ziel: 2023 soll der Aufwand 50 oder besser noch 60 Millionen Franken weniger betragen, «damit die Marktfähigkeit nachhaltig sichergestellt ist», so Guillelmon.

Es kommt zu Kündigungen

Der BLS-Chef bestreitet nicht, dass diese Nachricht intern Verunsicherung auslöst. Erst im Februar will das Unternehmen konkret orientieren, wer von den Massnahmen betroffen ist. Eine kleine Beruhigungspille kann Guillelmon seinen Mitarbeitern aber verabreichen: «Der Grossteil der Stellen werden wir über natürliche Fluktuationen abbauen können», sagt er.

Jährlich scheiden so 120 Mitarbeiter aus dem Unternehmen aus. Ganz ohne Kündigung werde es aber nicht gehen. «Den einen oder anderen Härtefall wird es geben», so Guillelmon.

Bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV kommt dies wenig überraschend schlecht an. Von einem Sozialplan, der die BLS den betroffenen Mitarbeitern in Aussicht stellt, will man noch nichts wissen. «Es gibt mit uns keine Verhandlungen, bevor nicht klarer ist, was die BLS vorhat», sagt Barbara Spalinger, Vizepräsidentin des SEV. Auch sollen gewisse Bereiche vom Massnahmenpaket verschont bleiben.

«Für uns ist es nicht vorstellbar, dass auch beim Betriebspersonal abgebaut wird», sagt Spalinger. Im September forderte die Gewerkschaft von der BLS noch, dass erstmals seit sieben Jahren die Löhne erhöht werden. Diese Verhandlungen sind laut Spalinger aber auf Eis gelegt.

Kader hatte Verständnis

Ist die Stimmung bei den BLS-Mitarbeitenden etwa auf dem Nullpunkt? CEO Bernard Guillelmon kann das so nicht bestätigen. Er informierte am Morgen persönlich das Kader über die geplanten Massnahmen. «Sie reagierten grundsätzlich verständnisvoll.» Aber er könne sich gut vorstellen, dass bei den übrigen Mitarbeitern die Nachricht auf weniger Verständnis traf.

Der Personalverband Transfair befürchtet, dass es zwischen dem Sparpaket und dem vom Bund forcierten Wettbewerb im Schienenverkehr einen Zusammenhang gibt. Das bestreitet Guillelmon. «Es ist eine normale Managementmassnahme.»

Jedes Unternehmen müsse laufend seine Abläufe und Prozesse überprüfen und effizienter gestalten. «Aber klar ist, wenn eine solche Liberalisierung im Schienenverkehr kommt, muss das Unternehmen bereit sein.»

An der Expansion in den Fernverkehr hält die BLS derweil weiter fest. Sie soll 2019 erfolgen. Noch ist aber vor Bundesverwaltungsgericht ein Rechtsstreit mit den SBB hängig. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.11.2018, 20:38 Uhr

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