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Besserer Schutz für Online-Mitarbeiter

Als neue Beschäftigungsform hat sich Schwarmarbeit etabliert. Der Schutz der Arbeitnehmer ist aber vage. Das ändert sich mit dem ersten Verhaltenskodex in der Schweiz fürs Swisscom-Portal Mila.

Konzerne lagern immer mehr Arbeiten an Onlineplattformen aus, um Kosten zu sparen. Foto: iStock
Konzerne lagern immer mehr Arbeiten an Onlineplattformen aus, um Kosten zu sparen. Foto: iStock

Das neue Modem ist installiert, aber der drahtlose Internetzugang funktioniert nicht. Das Betriebssystem der TV-Box ist auf die aktuellste Version aufdatiert, doch plötzlich fehlen einzelne Sender. Obwohl uns Technologie das Leben erleichtern sollte, sorgt sie oftmals für Ärger und verlorene Zeit.

Die Kunden von Swisscom haben in solchen Fällen eine Alternative zur herkömmlichen Servicenummer. Sie können im Internet auf der Plattform Mila Personen aus der Umgebung suchen, die bei der Lösung des Problems helfen.

Knapp 8100 Amateure und 1600 Profis bieten derzeit gegen ein Entgelt diese Art von Kundendienst an. Eine Fehlerbehebung fürs Smartphone ist beispielsweise für 79 Franken zu haben. Wenn nötig, kommen die Servicemitarbeiter sogar vor Ort vorbei.

Die Auslagerung von Arbeit an die Masse über Onlineplattformen wird in der Branche Crowdworking genannt. Der grösste Schweizer Telecomanbieter ist vor sechs Jahren beim Jungunternehmen Mila eingestiegen. Inzwischen gehört das Portal vollständig dem staatsnahen Betrieb.

Umstrittenes Crowdworking

Allerdings ist die digitale Schwarmarbeit umstritten: Zum einen ist das Arbeitsverhältnis zwischen den Vermittlungsplattformen und den Arbeitnehmern rechtlich unscharf definiert, was Schwarzarbeit fördern kann. Auf der anderen Seite stellen Gewerkschaften fest, dass Konzerne immer mehr Arbeiten an Onlineplattformen auslagern, um Fixkosten und soziale Verpflichtungen zu verringern.

Zum besseren Schutz der Tagelöhner des digitalen Zeitalters haben nun Syndicom und Swisscom den ersten Verhaltenskodex unterschrieben. Die Gewerkschaft gibt die Zusammenarbeit heute bekannt. Diese Zeitung kennt die Details aber bereits: Ein wichtiger Punkt im Abkommen ist die Aufklärung der Mila-Helfer über die geltende Gesetzeslage.

Swisscom verpflichtet sich, die Crowdworker darauf hinzuweisen, dass sie sich selbstständig um ihre rechtlichen und steuerlichen Angelegenheiten kümmern müssen. Beispielsweise kann Mila neu von den Onlinebeschäftigten verlangen, dass sie die korrekte Anmeldung und Abrechnung bei den zuständigen Sozialversicherungsbehörden nachweisen.

Dem Vernehmen nach hat die Plattform bereits zu ihren Anfangszeiten mit Vertretern der Ausgleichskasse Zürich das Gespräch gesucht und ihr Modell an die arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen angepasst. Ausserdem hat der blaue Riese dafür zu sorgen, dass Mila keine illegalen Aufträge an die Crowd-worker verteilt. Gemeint sind Projekte mit gewaltverherrlichendem oder betrügerischem Inhalt.

Grosser Anteil von Crowdworkern in der Schweiz

Swisscom teilt mit, dass sie den Verhaltenskodex als Ergänzung zur Gesetzgebung betrachtet und diesen freiwillig unterschrieben hat. «Mila will mit dieser Massnahme zeigen, dass das Portal seine Crowdworker schätzt und für ihre faire Behandlung einsteht», sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Zusätzlich solle das Abkommen dazu beitragen, bei den Gewerkschaften mehr Verständnis fürs Arbeitsmodell von Mila zu schaffen.

Syndicom ihrerseits verweist auf die langjährige Sozialpartnerschaft mit Swisscom. Dadurch sei eine gute Grundlage gegeben, um den Verhaltenskodex für Mila weiterzuentwickeln. Zentralsekretär Daniel Hügli schwebt vor, «künftig die Aktivitäten der Plattform noch besser zu überwachen und bei Bedarf zu intervenieren».

Aktuelle Zahlen zu Schwarmarbeit in der Schweiz stammen aus dem Jahr 2017. Eine Studie von Syndicom hat ergeben, dass der Anteil von Crowdworkern hierzulande gross ist, auch im weltweiten Vergleich. Demnach hat ein Drittel der Schweizer schon einmal nach Arbeitsaufträgen auf einer Onlineplattform gesucht. Besonders verbreitet ist diese Arbeitsform im Raum Zürich und im Tessin.

Politisch ist das Thema ebenfalls auf der Agenda. Der Bundesrat hat sich auf Betreiben der FDP hin bereit erklärt, die rechtliche Stellung von Crowdworkern zu prüfen. Sie sollen im Zweifelsfall nicht mehr als Angestellte gelten, womit ihre Arbeitgeber an weniger strenge Rechte und Pflichten gebunden wären. In erster Linie sollen die Onlinebeschäftigten einen verhältnismässigen Sozialversicherungsschutz erhalten.

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