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Berner Schafscheren für Australien

In Australien gibt es 75 Millionen Schafe. Rund 70 Prozent dieser Tiere werden mit einer Schere der Heiniger AG aus Herzogenbuchsee geschoren. Das Unternehmen ist für den Prix SVC Espace Mittelland nominiert.

Die Tierscheren der Heiniger AG werden allesamt in Herzogenbuchsee hergestellt.

Die Schweiz ist das Land der ­Kühe, nicht der Schafe. Aber: Der Weltmarktführer im Geschäft mit Schafscheren hat seinen Sitz in der Schweiz. Genauer in Herzogenbuchsee. Die Heiniger AG hat sich auf die Produktion von Tierscheren spezialisiert und ­damit grossen Erfolg. Vor allem am anderen Ende der Welt.

«Wir ­haben heute im ­Bereich der Schafscheren in Australien und Neuseeland einen Marktanteil von rund 70 Prozent», sagt der ­41-jährige ­Firmenchef Daniel Heiniger. Das Unternehmen ­gehört ihm und seinem Vater.

In Reih und Glied: Firmenchef Daniel Heiniger präsentiert fertiggestellte Motoren, die professionelle Schafscheren antreiben. Bild: Marcel Bieri
In Reih und Glied: Firmenchef Daniel Heiniger präsentiert fertiggestellte Motoren, die professionelle Schafscheren antreiben. Bild: Marcel Bieri

Beim Firmenbesuch ist Heiniger gerade von den Weltmeisterschaften im Schafscheren in Neuseeland zurückgekehrt: «An den Wettkämpfen hatte es an drei ­Tagen jeweils 4500 Zuschauer. Das ist sehr eindrücklich», erzählt er begeistert.

Die Teilnehmer müssen ein Schaf so schnell wie möglich scheren, natürlich ohne es zu verletzen. 40 bis 50 Sekunden benötigt ein Könner für ein Schaf. «Die ersten drei Plätze an der WM belegten Vertreter unserer ­Firma», erzählt Heiniger stolz.

Eindrücke von der Weltmeisterschaft der Schafscherer 2017 in Neuseeland. Video: Youtube

In Australien gibt es rund 75 Millionen Schafe. «Die Schafe werden von Profis geschoren. Diese ziehen in Teams von einer Farm zur anderen», erzählt ­der Firmenchef. Und hier setzt das Unternehmen mit seinen australischen Verkaufsmitarbeitern an: «Unsere Leute wissen, wo sich diese Teams gerade befinden, und be­suchen sie dann auf der Farm. Dort zeigen sie ihnen unsere neusten Produkte», so Heiniger.

Leichte Scheren für die Profis

Wer sich nun unter einer professionellen Schafschere ein Gerät vorstellt, wie er es schon mal beim Coiffeur gesehen hat, der liegt falsch. Eine professionelle Schere wird von einem Motor angetrieben, der etwa auf Kopfhöhe an einer Wand montiert ist.

«Eine Schere muss leicht und handlich sein, damit die Profis effizient arbeiten können.»

Daniel Heiniger, Heiniger AG

Der ­Motor und die Schere sind über eine sogenannte Stangengelenkwelle verbunden. «Das Gerät muss leicht und handlich sein, damit die Profis effizient arbeiten können», ­erklärt der Firmenchef.

Später Markteintritt

Werner Heiniger, der 66-jährige Vater von Daniel, begann im Jahr 1981 den Markt in Australien und Neuseeland zu bearbeiten. Nach und nach gelang es der Heiniger AG, in diesen Ländern zur Nummer 1 zu werden. Das Unternehmen beschäftigt dort 40 Mitarbeiter, vorwiegend im Verkauf.

Die Scheren von Heiniger sind teurer als diejenigen der Konkurrenz, doch die Qualität zahlt sich aus: «Die professionellen Scherer werden pro geschorenes Schaf bezahlt. Wenn sie dank unseren Scheren schneller arbeiten, ­können sie das Geld zurückholen, das sie in unsere Produkte investieren», erklärt Heiniger.

Mittlerweile hat die Schweizer Marke Heiniger in der Schaf­scherer-Community eine ganz besondere Stellung erlangt: «Viele Profis möchten ausschliesslich ­Kleider mit unserem Logo ­tragen. Wir verkaufen sogar Unterhosen mit unserem ­Markenzeichen», erzählt Heiniger mit einem ­Lächeln.

Eine Produktion im Fluss

Die Scheren für den weltweiten Markt entwickelt und produziert die Heiniger AG ausschliesslich am Hauptsitz in Herzogenbuchsee. Das Unternehmen verfügt über eine Reihe von Lieferanten im In- und Ausland, welche die Komponenten nach den Vor­gaben des Scherenspezialisten herstellen.

In der Montagehalle sind vorwiegend Frauen an der Arbeit zu sehen. Im Innern einer drei Seiten umschliessenden Werkbank arbeiten zwei Frauen: «Wir ­haben auf die Fliessproduktion umgestellt», erklärt Heiniger. Dies heisst: Die Mitarbeiterinnen setzen die Scheren von A bis Z selbst zusammen.

Sie finden ­immer die nächste Komponente vor, wenn sie sich nach rechts bewegen. «In Asien könnten solche Arbeiten zwar günstiger ausgeführt werden. Aber wir würden die Kontrolle über die Qualität verlieren», lautet das Bekenntnis von Heiniger zum Standort Herzogenbuchsee.

Messerscharfe Produktion

In der zweiten Werkhalle befindet sich die Messerproduktion. Hier ist es lauter. Computer­gesteuerte Maschinen arbeiten mit höchster Präzision ihre Programme ab. «Für ein Messer braucht es 20 bis 30 Produktionsschritte», erklärt Heiniger nicht ohne Stolz.

Die Messer können einige Male nachgeschliffen werden, sie sind aber ein Verschleissprodukt, das kontinuierliche Umsätze garantiert: «Das ist vergleichbar mit den Rasierklingen», sagt ­Heiniger.

Hohes Tempo: Ein Schafscherer an der Arbeit. Bild: zvg
Hohes Tempo: Ein Schafscherer an der Arbeit. Bild: zvg

Die Heiniger AG erzielt etwa die Hälfte des Umsatzes von 28 Millionen Franken mit Schafscheren. Zur Produktepalette des Unternehmens gehören aber auch Scheren für Hunde, Kühe, Pferde, Alpakas – und Menschen.

Scheren für Kühe waren das erste Produkt des Unternehmens in diesem Bereich. Der Gross­onkel von Daniel Heiniger war ein Tüftler und hat vor rund 70 Jahren eine solche Schere entwickelt. Dieser Markt macht heute immer noch ein Viertel des Umsatzes aus, ist aber stag­nierend.

Hundescheren sind dagegen viel wichtiger geworden. «Wir richten uns mit unseren Produkten vor allem an die Inhaber von Hundesalons», erklärt Heiniger. In diesem Geschäft sieht er noch viel Entwicklungspotenzial.

Scheren für den Menschen

Doch auch der Mensch muss von Zeit zu Zeit geschoren werden. Deshalb hat die Firmenspitze ­damit begonnen, die Scheren auch an Coiffeursalons zu verkaufen: «In Barbershops in den USA sind unsere ­Geräte sehr ­gefragt», erklärt Heiniger. An Wachstumsideen fehlt es dem siebenköpfigen Kader ­also nicht.

Und zum Schluss noch eine Frage an den Chef. Können Sie ein Schaf scheren? «Ich habe es auch schon versucht. Aber meine Schurtechnik erreicht bei weitem nicht das Niveau der Profis», sagt er ­lächelnd.

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