Aussteller nehmen Messechefs in die Pflicht 

Eine Umfrage bei bisherigen Teilnehmern der Uhrenmesse in Basel zeigt: Sie machen ihre weitere Teilnahme von Bedingungen abhängig: Unter anderem sollen die Preise sinken.

Breitling hat die Teilnahme an der Baselworld 2019 zugesichert. Der diesjährige Anlass war für die Uhrenmarke aus Grenchen ein kommerzieller Erfolg. Foto: Harold Cunningham (Getty Images)

Breitling hat die Teilnahme an der Baselworld 2019 zugesichert. Der diesjährige Anlass war für die Uhrenmarke aus Grenchen ein kommerzieller Erfolg. Foto: Harold Cunningham (Getty Images)

Jon Mettler@jonmettler

Eigentlich hatte der Chef von ­Anonimo vorgehabt, mit der Neuenburger Luxusuhrenmarke der kommenden Baselworld fernzubleiben. Die Teilnahme an der internationalen Leitmesse für Uhren und Schmuck in Basel sei gerade für kleine Marken mit «enormen Ausgaben» verbunden, sagte Aldo Magada gegenüber dieser Zeitung. Dann kam es zu zwei Ereignissen im Juli, welche die Baselworld in ihren Grundfesten erschütterten. Der Bieler Uhrenkonzern Swatch Group als grösster Aussteller gab überraschend seinen Rückzug von der Messe bekannt. Dieser Entscheid wiederum führte zum Rücktritt von René Kamm, dem langjährigen Chef der Messebetreiberin MCH Group.

Für den Anonimo-Chef hat sich deshalb die Ausgangslage verändert. «Angesichts der jüngsten Entwicklungen könnten wir es in Betracht ziehen, im Jahr 2019 wieder an der Baselworld teilzunehmen», sagt Magada. Voraussetzung sei, dass MCH bei der Budgetierung «erhebliche Anstrengungen» unternehme. Was Magada meint: Die als zu hoch empfundenen Tarife für die Standmieten müssen sinken. Zur Veranschaulichung: Die Swatch Group investierte ­zuletzt für ihren Auftritt an der Baselworld mit mehrstöckigen Messeständen rund 50 Millionen Franken.

Marke Favre-Leuba fordert tiefere Standmieten

Auch die Uhrenhersteller Victorinox und Favre-Leuba sind noch nicht sicher, ob sie im März wieder in Basel ausstellen werden. «Es hängt davon ab, wie das neue Management die Messe erneuern und attraktiver gestalten will. Wir erwarten nun eine klare Antwort, wie es weitergeht», sagt Thomas Morf, Chef von Favre-Leuba mit Sitz in Solothurn. Auch er fordert, dass die Preise rund um die Baselworld sinken. Die Kosten – «von der Standmiete und der Unterbringung über die Eintrittspreise für Messebesucher bis zur Verpflegung» – seien viel zu hoch. So kostete an der diesjährigen Messe ein Tageseintritt 60 Franken. Einzelne Restaurants verlangten während der Baselworld für ein Schnitzel mit Pommes frites 68 Franken. «Zudem wollen wir, gerade als anspruchsvoller kleinerer Aussteller, in die Planung einbezogen werden», fordert Thomas Morf.

Bei Victorinox lägen «alle ­Optionen» auf dem Tisch, sagte Firmensprecherin Claudia Mader. Es sei noch kein Entscheid gefallen. Die Uhrenmarke aus Ibach im Kanton Schwyz suche das Gespräch mit dem Management der Baselworld. Man wolle in den kommenden Monaten gemeinsam die Möglichkeiten diskutieren.

Anonimo und Favre-Leuba wissen bereits, wie sie im Falle einer Absage an die Baselworld die frei werdenden Geldmittel einsetzen würden. Anonimo würde im Umkreis des Hauptsitzes in Le Locle lokale Anlässe organisieren, erklärt Marken-Chef Magada. Favre-Leuba würde das Budget direkt in die Märkte investieren, «um dem Wachstum weiteren Schub zu verleihen». Victorinox macht keine Angaben.

Breitling verlangt bessere Abstimmung von Terminen

Für einen Verbleib im nächsten Jahr entschieden haben sich Breitling, Strom und Meistersinger. Als Grund nannte Breitling-Chef Georges Kern «konstruktive Gespräche» mit der Messe­leitung und den kommerziellen Erfolg an der diesjährigen Baselworld. Ihre Treue knüpft die ­Fliegermarke aus Grenchen im Kanton Solothurn jedoch an Bedingungen. Insbesondere verlangt Breitling, die Termine der grossen Uhrenmessen in der Schweiz anzugleichen. Die Rede ist vom aufstrebenden Uhrensalon in Genf, der vor der Baselworld stattfindet.

Weiter soll sich die Baselworld mehr zu einer Kommunikationsplattform entwickeln. «Ich glaube, dass die Pressetage überdacht werden sollten und die Digitalisierung forciert werden muss», meint Kern. «Auch sollte es eine Plattform für Sammler geben.»

Strom mit Sitz in Biel ist als ­Nischenmarke relativ neu auf dem weltweiten Uhrenmarkt. «Wir brauchen deshalb die Baselworld», sagt Firmenchef Daniel Strom. Doch auch er verlangt Änderungen: Ihm schwebt vor, dass sich die Uhrenmesse in Richtung Automobilsalon entwickelt. «Die Baselworld sollte Uhrenliebhabern einen Überblick über den Markt mit entsprechend tiefem Eintrittspreis bieten», sagte Strom.

Meistersinger drängt zu mehr Mitwirkungsrecht

Bereits für die Baselworld 2019 angemeldet hat sich die deutsche Marke Meistersinger. Sie ist bekannt durch ihre Uhren mit nur einem Zeiger. «Wir haben unsere Wünsche gegenüber der Messeleitung geäussert. Nun warten wir auf die Vorschläge zur Platzierung unseres Messestandes und das Angebot der Baselworld», sagt Firmengründer Manfred Brassler.

Für ihn sei es wichtig, dass die Baselworld als Leitmesse der Uhrenbranche ihre Bedeutung behalte, so Brassler: «Was bisher fehlte, ist die Einbindung des Kunden in die Planung, die Frage nach Wünschen, die jährliche Nachbetrachtung», erläutert Brassler zeigte sich zuversichtlich, dass es hier zu Veränderungen komme.

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