«Wir wurden von lokalen Touristen überrannt»

Interview

Das Luxushotel The Chedi in Andermatt ist seit 12 Tagen offen. Manager Alain Bachmann zieht eine erste Bilanz, sagt, wie hoch die Preise bereits gestiegen sind – und was schiefging.

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Angela Barandun@abarandun

Herr Bachmann, das Chedi ist seit gut zehn Tagen geöffnet. Ist Ihr Hotel voll?
Am ersten Abend, dem 20. Dezember, sind wir mit 40 Prozent Auslastung gestartet. Über die Festtage hat sich dieser Wert gesteigert. Und heute Abend sind zum ersten Mal alle 104 Zimmer ausgebucht. Damit liegt die durchschnittliche Auslastung seit dem Start bei 65 Prozent. Damit sind wir sehr zufrieden.

Haben die Leute spontan gebucht oder schon weit im Voraus?
Die meisten Gäste haben unmittelbar nach dem Grand Opening vom 6. Dezember oder im Anschluss an die Pressekonferenz vom 9. Dezember reserviert – bis ins neue Jahr hinein. Darum sieht es auch für Januar und Februar gut aus: Wir haben einen guten Mix aus Privaten und kleineren Gruppen. Übrigens gilt die Bemerkung, dass wir heute zum ersten Mal ausgebucht sind, nur für die Zimmer.

Und das bedeutet konkret?
Unsere beiden Restaurants – das Hauptrestaurant mit 120 Plätzen, der Japaner mit 45 Plätzen – sind schon seit der Eröffnung jeden Abend ausgebucht. Für heute Abend haben wir die Kapazität im grossen Restaurant zusätzlich erhöht – wir stellen mehr Tische hinein und öffnen die privaten Speisesäle. Insgesamt werden 250 Leute bei uns Silvester feiern.

Sind das alles Hotelgäste?
Der grösste Teil wohnt bei uns, aber es hat auch 35 bis 40 Auswärtige darunter. Die meisten sind Urner, die nicht sehr weit weg wohnen oder eine Ferienwohnung in Andermatt haben.

Was kostet es, bei Ihnen Silvester zu feiern?
Wir bieten ein 6-Gang-Nachtessen, zubereitet von unserem Chefkoch, sowie einen Champagner-Empfang mit Canapés im Voraus. Hinzu kommt ein dezentes Unterhaltungsprogramm mit einer Liveband und einem DJ. Es soll ein ruhiger Abend werden, bei dem tanzen kann, wer will. Das ganze Paket kostet 355 Franken pro Person, ohne Getränke.

Woher kommen die Leute, die eine Nacht im Chedi buchen?
Im Moment stammt die Mehrheit der Gäste eindeutig aus der Schweiz. Aber es gibt auch Leute aus Deutschland, Holland, Russland, Norditalien oder den USA. Auch aus dem arabischen Raum sind mehrere Familien bei uns abgestiegen. Eine gute Mischung.

Die Zimmer sind nicht gerade günstig…
Wir haben bei 650 Franken pro Zimmer angefangen, was eher etwas unterdurchschnittlich ist für ein Haus wie unseres. Dann ist die Nachfrage gestiegen, und über die Festtage lag der Preis pro Nacht erst bei 800 Franken, dann bei 1400 Franken und mittlerweile sind wir bei 2000 Franken.

Wie muss man sich Ihre Gäste vorstellen?
Es hat viele Ehepaare, aber auch einige grosse Familien mit Kind und Kegel, die gleich mehrere Zimmer gemietet haben. Verschiedene Generationen, die die Festtage gemeinsam bei uns verbringen wollen. Das Durchschnittsalter liegt allerdings zwischen 40 und 50 – tendenziell etwas jünger, als das in anderen 5-Stern-Häusern üblich ist.

Sind auch schon Berühmtheiten bei Ihnen abgestiegen?
Dazu äussern wir uns nicht.

Wie hat Andermatt auf die Eröffnung des Chedi reagiert?
Das Interesse ist riesig. In den ersten Tagen sind wir von externen Touristen und der lokalen Bevölkerung fast überrannt worden. Zeitweise waren die Bar und die Lobby so voll, dass unsere eigenen Gäste keinen Platz mehr gefunden haben. Darum mussten wir den Zugang einschränken: Seither weisen unsere Hotelmanager externen Gästen den Weg in die Bar, die Lobby bleibt den Hotelbewohnern vorbehalten.

Hat es kein böses Blut gegeben?
Überhaupt nicht. Wir erhalten sehr viel positives Feedback. Die Bar ist jeden Abend knallvoll. Es herrscht dort eine gute Mischung aus Skilehrern, Lokalen und unseren Gästen. Wir sind sehr zufrieden.

Bei der Eröffnung eines Hotels gehen auch immer Dinge schief. Was wars bei Ihnen?
Unsere Gas-Cheminées funktionieren noch nicht so richtig, und wir wissen bislang immer noch nicht, woran das liegt. Die Elektronik spielt nicht so richtig mit.

Und sonst?
Gestern hatten wir einen Rohrbruch bei einer Bodenheizung. Das Wasser hat die Personalkantine überschwemmt. Offenbar ein Materialschaden an einem Ventil. Allerdings haben wir schon wieder alles unter Kontrolle. Die Mitarbeitenden haben heute schon wieder dort Zmittag gegessen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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