Weshalb seine Kandidatur bei Raiffeisen umstritten ist

Am Samstag soll Guy Lachappelle zum Raiffeisen-Präsidenten erkoren werden. Die wichtigsten Antworten zur Situation bei der Bank und ihren Skandalen.

Soll Raiffeisen aus der Krise führen: Guy Lachappelle steht vor der Wahl zum Raiffeisen-Präsidenten.

Soll Raiffeisen aus der Krise führen: Guy Lachappelle steht vor der Wahl zum Raiffeisen-Präsidenten. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Am Samstag soll die Kür erfolgen. Dann soll Guy Lachappelle zum neuen Raiffeisen-Präsidenten gewählt werden. Noch ist er Chef der Basler Kantonalbank. Seinen neuen Job erklimmt er nicht auf der ganz grossen Bühne. Doch vielleicht gibt der in Rot, Schwarz und Grau gehaltene Campussaal im Kongresszentrum von Brugg-Windisch AG den richtigen Rahmen für Lachappelles Amtszeit vor.

Lachappelle soll die Bank zurück auf bescheidenere Pfade führen, so der Wunsch vieler Genossenschafter. Denn er soll dafür sorgen, dass die Bank die skandalumwitterte Ära Vincenz hinter sich lässt. Sie steht spätestens nach der Veröffentlichung des Berichts der Finanzmarktaufsicht Finma für Genossenschafter nur noch für Lohnexzesse und unsaubere Geschäfte.

Wieso gibt die GV zu reden?
Nur schon die Kandidatur von Lachappelle ist umstritten. Er soll als hochrangiger Manager bei der Basler Kantonalbank die Affäre rund um das Schneeballsystem der Firma ASE schlecht gehandhabt haben. Seine Kritiker glauben daher, dass sein Ruf bereits ramponiert ist, auch wenn er von der Finma grünes Licht erhalten hat, und er nicht für einen unbelasteten Neuanfang steht.

Seine Wahl zum Raiffeisen-Präsidenten gilt dennoch als praktisch sicher. Weshalb?
Lachappelle hat in den letzten Wochen die regionalen Raiffeisenbanken besucht und sich dort den Fragen der lokalen Vertreter zu seiner Vergangenheit gestellt. Offenbar konnte er damit punkten. Zudem haben ihm die wichtigsten Raiffeisen-Fürsten in einem internen Schreiben ihr Vertrauen ausgesprochen. Er dürfte am Samstag genügend Stimmen der 246 Raiffeisen-Delegierten erhalten. Offen ist, ob er die Wahl annimmt, wenn das Ergebnis zu knapp ausfällt. Wenn ihm von der Basis zu wenig Vertrauen entgegengebracht wird, könnte er verzichten. Einen Gegen- oder Ersatzkandidaten gibt es nicht. Sicher ist, Lachappelle wird die Basler KB verlassen. Sein Arbeitsverhältnis dort endet per 9. November – also einen Tag vor der Wahl. Von der Internetseite der Bank ist er bereits verschwunden.

Wieso ist die Kandidatur von Lachappelle auch noch umstritten?
Sein Salär gab zu reden. Es soll deutlich höher liegen als das seines Vorgängers Johannes Rüegg-Stürm. Dieser verdiente mehr als 500'000 Franken pro Jahr, im letzten Jahr sogar mehr als 700'000 Franken. Künftig ist das Raiffeisen-Präsidium aber auch kein Teilzeitmandat mehr, sondern zumindest vorläufig ein Vollzeitpensum. Lachappelle soll dafür 750'000 Franken erhalten.

Sollte Lachappelle gewählt werden: Was ist seine wichtigste Aufgabe?
Er muss einen neuen Raiffeisen-Chef finden. Patrik Gisel hat bereits seinen Abschied bekannt gegeben. Offen ist noch, wann dieser erfolgt. Der Verwaltungsrat möchte ihn so schnell wie möglich loswerden, er verhandelt aktuell mit Gisel.

Warum drängt der Verwaltungsrat auf die Trennung? Das Vertrauen der Bankspitze zu Gisel ist zerstört, seit die «SonntagsZeitung» publik machte, dass Gisel eine Beziehung mit der früheren Verwaltungsrätin Laurence de la Serna hat. Er legte dies dem Verwaltungsrat gegenüber allerdings erst offen, als Medien danach fragten.

Wird es weitere Wechsel auf der Chefetage geben? Ja, es dürfte nicht der einzige Wechsel bleiben. Die Genossenschaftsbank dürfte ziemlich umgebaut werden, da einige Führungskräfte bereits unter Vincenz tätig waren und deshalb für einen Neuanfang nicht mehr infrage kommen sollten.

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Was ist an der GV sonst noch zu erwarten?
Ex-Swiss-Life-Präsident Bruno Gehrig wird einen Grossteil seines Prüfberichts vorstellen. Dieser untersucht alle Zukäufe der Raiffeisenbank in der Ära Vincenz – mit Ausnahme derjenigen, die von der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Der Bericht dürfte für die Bank kein Ruhmesblatt sein; eine Entdeckung mit Sprengkraft dürfte darin aber auch nicht enthalten sein, da sonst die Staatsanwaltschaft einen schlechten Job gemacht hätte. Die Decharge-Abstimmung für den heftig kritisierten Raiffeisen-Verwaltungsrat dürfte erst im nächsten Jahr, also nach dem Abschluss der Gehrig-Untersuchung, erfolgen.

Welche Baustellen hat Raiffeisen sonst noch?
Die Finanzmarktaufsicht Finma verlangt von der Bankzentrale, eine Umwandlung von einer Genossenschaft in eine AG zu prüfen. So soll sie sich im Fall einer existenziellen Krise leichter retten lassen. Die Bank führt zudem derzeit eine neue Informatik ein. Beim Projekt hat es lange geharzt, und es ist deutlich teurer geworden als geplant. Nun soll es aber vorwärtsgehen, und bis Ende des Jahres sollen alle Raiffeisenbanken auf das neue System umgestellt sein. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.11.2018, 13:44 Uhr

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