Wenn der Meerblick teuer bezahlt wird

Tiefe Preise locken künftige Hausbesitzer ins europäische Ausland. Der Traum von der eigenen Ferienwohnung ist jedoch oft schneller vorbei als gedacht.

Was passiert, wenn zwei Käufer das gleiche Haus erworben haben? Ferienvilla an der italienischen Küste.

Was passiert, wenn zwei Käufer das gleiche Haus erworben haben? Ferienvilla an der italienischen Küste.

(Bild: Thinkstock)

Mittelmeerländer wie Spanien oder Griechenland zählen nicht umsonst zu den beliebtesten Reisezielen der Schweizerinnen und Schweizer. Gutes Klima, Blick aufs Meer oder kulinarische Entdeckungen sorgen dafür, dass jedes Jahr Tausende in den Süden pilgern. Und statt bei jeder Reise für das Hotelzimmer zahlen zu müssen, fassen immer mehr Schweizer gleich die eigene Finca mit Meerblick oder das Haus in der Toscana ins Auge.

Wer im europäischen Ausland eine Ferienwohnung kaufen will, profitiert von tiefen Preisen, die seit der Finanzkrise in vielen Teilen Europas weiter gesunken sind. So sind Häuser in Griechenland oft schon ab 50'000 Franken zu haben, In Spanien fielen die Immobilienpreise in den letzten Jahren um fast 30 Prozent, und auch in Ländern wie Kroatien ist die Ferienwohnung noch günstig zu haben.

«Grösste Vorsicht geboten»

Wie die «Handelszeitung» in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt, birgt der Hauskauf im Ausland jedoch beträchtliche Risiken. Unterschiedliche Gesetzgebungen und unbekannte Gepflogenheiten können dazu führen, dass der Traum von der Ferienwohnung vorbei ist, noch bevor er richtig angefangen hat. Dabei spielen unterschiedliche Elemente eine Rolle: Spanien etwa kennt kein Eigentumsregister, das die gleiche Verbindlichkeit hätte wie ein Grundbuch in der Schweiz.

So kann es passieren, dass sich mehrere Interessenten die Kaufrechte an ein- und demselben Grundstück sichern. Oft kann dann nur noch ein Gerichtsprozess die einzelnen Ansprüche klären. «Wer keine Erfahrung mit Auslandsimmobilien hat, sollte mit allerhöchster Vorsicht an ein solches Geschäft herangehen», rät auch ein Jurist gegenüber der Zeitung. Man dürfe nicht davon ausgehen, dass im europäischen Ausland die gleichen Regeln gelten wie hierzulande.

Unseriöse Besitzer, falsche Angebote

Auch andere Faktoren können einem schnell den Traum vom Ferienhaus vermiesen: Weil der Maklerberuf nicht geschützt ist, braucht es kaum Qualifikationen, um in Touristenregionen ein Büro zu eröffnen und Immobilien zum Verkauf anzubieten. Immer wieder hört man von wertlosen Verträgen und teuer gekauften Grundstücken, auf denen nicht gebaut werden darf. «Der Haken sind oft falsche Angaben über die Möglichkeiten des Gebrauchs der Wohnung», schreibt die «Handelszeitung».

So kann es vorkommen, dass der Kaufvertrag bereits unterschrieben und die Ferienwohnung bezahlt ist – fertig gebaut wird sie dann aber nie. Auch Angebote wie Time-Sharing – eines der am schnellsten wachsenden Segmente im Tourismus – locken die Kunden nicht selten in die Falle: Mehrere Parteien kaufen ein Objekt und teilen ihren Aufenthalt untereinander auf, so dass jeder die Unterkunft für einen bestimmten Zeitraum nutzen kann. Dabei locken unseriöse Besitzer mit falschen Angaben über Nutzungsmöglichkeiten, wie der Immobilienexperte bestätigt. «Bei solchen Modellen ist in der Regel grösste Vorsicht geboten, erklärt er.

Erleichterte Niederlassungsbedingungen

Einige Vorsichtsmassnahmen können aber bereits für einen korrekten Immobilienkauf im Ausland sorgen. So sollte man sich im Vorfeld mit Anwälten, Steuerexperten oder Architekten beraten, die mit den lokalen Gegebenheiten vertraut sind. Zusätzlich kann es von Vorteil sein, sich am gewünschten Ferienort zuerst eine Ferienwohnung zu mieten oder in einem Hotel unterzukommen. Dann lassen sich Unterkunft und Umgebung besser besichtigen – so kann eine schlechte Kaufentscheidung besser verhindert werden.

Objektlage und Infrastruktur sind für den Kaufpreis von höchster Relevanz. Liegt die Unterkunft etwa an einer Hauptstrasse oder sind Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsanbindung nicht optimal, geht der künftige Hausbesitzer mit dem Kauf ein grosses Risiko ein.

Schliesslich gilt es auch, sich über die Kaufrechte in den jeweiligen Ländern zu erkundigen. Für Hauskäufer aus dem Ausland gelten in vielen Mittelmeerländern zwar erleichterte Niederlassungsbedingungen. «Viele locken nicht nur mit attraktiven Kaufgelegenheiten, sondern öfters mit speziell vorteilhaften und erleichterten Bedingungen», zitiert die «Handelszeitung» einen Immobilienexperten. Doch auch in diesen Fällen sei angeraten, sich vor jedem Kauf einzeln zu informieren, ob Ausländer in dem jeweiligen Land zum Kauf berechtigt sind.

ajk

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