Ubers fauler Trick

Der US-Fahrdienst, der seit gut zwei Wochen die Zürcher Taxibranche aufmischt, kämpft in den USA gegen die Konkurrenz anderer Smartphone-Dienste. Mit viel Geld – und unfairen Mitteln.

Ein umkäpfter Markt: In den USA ist Uber nicht der einzige Smartphone-Taxidienst. Unter Anbietern wie Uber, Lyft (mit dem pinken Schnauz) oder Gett herrscht heftige Konkurrenz. Salt Lake City, 17. Januar 2013

Ein umkäpfter Markt: In den USA ist Uber nicht der einzige Smartphone-Taxidienst. Unter Anbietern wie Uber, Lyft (mit dem pinken Schnauz) oder Gett herrscht heftige Konkurrenz. Salt Lake City, 17. Januar 2013

(Bild: Keystone Jeff Chiu/AP)

Angela Barandun@abarandun

Genügend Fahrer – das ist das Erfolgsgeheimnis des US-Fahrdienstes Uber, der selbstständige Chauffeure per Smartphone an Kunden vermittelt. Weil die Fahrer selbst – und spontan – entscheiden, wann sie arbeiten und wie lange, funktioniert das Uber-System nur, wenn eine grosse Menge an Fahrern mitmachen. Sonst stehen die Kunden plötzlich ohne eine Beförderungsmöglichkeit da. In Zürich versucht Uber mit einer Prämie von 20 Franken pro Fahrt die Chauffeure für sich zu gewinnen.

In den USA, wo es bereits mehrere Dienste gibt, die ähnlich wie Uber arbeiten, reicht das alleine nicht mehr. Der Wettbewerb um die Fahrer ist zwischen Fahrdiensten wie Uber, Lyft, Gett oder Hailo mittlerweile sogar so intensiv, dass eine 20-Franken-Prämie dort nirgends mehr hinreicht.

500 Dollar und ein Taco

In San Francisco etwa wirft Uber regelrecht mit Geld um sich, um die Konkurrenz von Lyft auszustechen: So erhielten Lyft-Fahrer, die bei der Uber-Zentrale vorbeischauten, einen Benzingutschein im Wert von 50 Dollar – einfach so. Einzige Auflage: Sie mussten ihre Kontaktdaten hinterlassen. Wer sich registrierte, musste wochenlang keine Kommission abliefern – normalerweise erhält Uber eine Umsatzbeteiligung von 20 Prozent – und erhielt nach 20 Fahrten einen Bonus von 500 Dollar.

Lyft liess sich das übrigens nicht einfach so gefallen. Das Unternehmen, dessen Autos einen pinken Schnauz an der Stossstange tragen, konterte mit der Aktion «500 Dollar und ein Taco». Uber-Fahrer, die zur Konkurrenz wechseln, wurden mit 500 Dollar und einem Gratis-Mittagessen belohnt.

Ein Angriff, um den Betrieb lahmzulegen

In einem Fall in New York könnte es Uber allerdings zu weit getrieben haben. Wie der Konkurrent Gett bekannt machte, hat das lokale Uber-Team versucht, den Betrieb des Konkurrenten zu stören, indem es reihenweise Autos bestellt und wieder storniert hat. Innert drei Tagen hat gut ein Dutzend Uber-Angestellte mehr als 100 Gett-Chauffeure aufgeboten, teils gewartet, bis sie fast da waren, um den Auftrag dann zu stornieren.

Gett-Chef Jing Herman verglich die Aktion gegenüber «Techcrunch» mit einer DDoS-Attacke – einem Internetangriff, bei dem ein Internetserver von verschiedenen Seiten so lange mit Anfragen bombardiert wird, bis er unter der Belastung zusammenbricht. Tatsächlich konnten die Fahrer keine realen Kunden befördern, während sie versuchten, die Uber-Anfragen zu erfüllen.

«Aggressive Verkaufstaktik»

Offenbar ging es dem Uber-Team aber nicht nur darum, den Betrieb des Konkurrenten zu stören, sondern nebenbei an die Handynummern der Chauffeure zu kommen. Sie wird jeweils sichtbar, sobald man eine Fahrt gebucht hat – falls man Kontakt mit dem Fahrer aufnehmen will. Eine Woche nach der Attacke im Januar wurden die Fahrer per SMS aufgefordert, zu Uber zu wechseln – und eine Geldprämie zu kassieren.

Uber bestätigte den Vorfall und musste sich sogar öffentlich entschuldigen. «Lokale Teams können sehr entschlossen sein, wenn es darum geht, Uber bekannt zu machen und aufzuzeigen, wie unsere Plattform den Fahrern neue wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnet», schreibt Uber. «Die Verkaufstaktik war zu aggressiv und wir entschuldigen uns für das Vorgehen.» Allerdings betont das Unternehmen, die Anfragen seien jeweils innert Sekundenfrist storniert worden. Ausserdem habe das Unternehmen die reguläre Stornierungsgebühr bezahlt.

Josh Mohrer, Josh Martin, Jim Martins

Ganz so harmlos, wie Uber das darstellt, war der Vorgang aber offenbar nicht. Immerhin handelte es sich nicht um Praktikanten, die über die Stränge geschlagen haben, sondern um die gesamte Führungscrew des New Yorker Teams. Und sie haben nicht nur unter ihrem eigenen Namen Fahrdienste bestellt, sondern parallel dazu Konten für Alter Egos angelegt. Der Chef des New Yorker Teams, Josh Mohrer, bestellte auch unter dem Namen Josh Martin und Jim Martins Taxis. In mindestens einem Fall soll jemand zudem eine falsche Kreditkartennummer hinterlegt haben, in einem anderen wurde die Kreditkarte gelöscht, bevor die Stornierungsgebühr belastet werden konnte, sagt der Gett-Chef. Ersteres bestreitet Uber.

Auch wenn die letzten Details der Aktion unklar sind – der Vorfall wirft kein gutes Licht auf Ubers Praktiken in diesem Fall. Laut einem früheren New Yorker Staatsanwalt hätte Gett sogar «eine Reihe berechtigter Gründe, um rechtlich gegen Uber vorzugehen», zitiert ihn «Techcrunch». Unfairer Wettbewerb wäre nur einer. Dazu ist es bislang allerdings nicht gekommen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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