Leb wohl, Kabel-TV

Bald ist ein anderes Sehverhalten gefragt.

Kürzlich war in dieser Zeitung vom Ende des Kabelfernsehens die Rede. Dabei war kein Ton der Nostalgie gewidmet. Sicher, Informationen zu TV 2.0 sind wichtig. Doch wäre es anständig, Abschied zu nehmen. Abschied vom Fernsehen, wie wir es kennen.

Wir, das ist die Kohorte, die in den Achtzigern nachts noch Testbildschirmen begegneten und den Aufstieg der Privatsender erlebten – und damit Sendungen wie «Explosiv», «Der Preis ist Heiss» oder «Sledge Hammer». Wir, das sind die, für die Fernsehen nichts ist, was man plant, sondern etwas, was geschieht. Seit Cablecom nur noch rund ein Dutzend Sender aufschaltet, den Tod also in Raten inszeniert, tendiert die Hoffnung, etwas zu finden, heute zwar gegen null. Doch wir erinnern uns gut, wie einst spätnachts Slasher über den Bildschirm flimmerten oder nach dem Nachtessen gerade das Uefa-Cup-Halbfinale spielte. Wir hätten nicht danach gesucht, wir stolperten nur darüber. Und das war gut so.

Ab dem 2. Juni soll Schluss sein mit Kabel-TV, und damit mit Belanglosem nach einem strengen Tag. Diese Entwicklung ist zu bedauern, aber nicht verwunderlich. Auch Facebook zeigt uns nur jene Dinge, von denen ein Algorithmus denkt, dass wir sie sehen möchten. Dating-Apps suchen den exakten Match. Und Partybekanntschaften werden dank sozialen Medien rasch zu Leuten, von denen wir innert Kürze viele Schwächen kennen. Nun soll der Zufall also auch noch von der Mattscheibe verschwinden, die schon lange keine solche mehr ist, sondern Plasma, LED und HD. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen von einer Welt.

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