«Kebab, Brezel und Burger können nicht mithalten»

Wie isst man heute? Bei Coop oder in der Beiz? Dazu Trendforscherin Bettina Höchli.

Feines vom kleinen Shop nebenan: Das «Limmat-Laedeli» in Zürich hat zum Zmittag verschiedene Suppen im Menüplan.

Feines vom kleinen Shop nebenan: Das «Limmat-Laedeli» in Zürich hat zum Zmittag verschiedene Suppen im Menüplan.

(Bild: Keystone)

Die Beizen leiden schon heute. Und nun soll man in der Schweiz mit dem Ladenkonzept Coop to go noch mehr Conveniencefood kaufen können. Brauchen wir das wirklich?
Bettina Höchli:Unser Alltag ist immer weniger strukturiert. Tempo prägt den Tagesablauf, Flexibilität ist gefragt. Auch das Essen wird unregelmässiger. Gerade wenn für das Essen nicht viel Zeit bleibt, entsteht bei Konsumenten ein gewisses Romance-Bedürfnis: Man wünscht sich gesundes, frisches Essen – am liebsten direkt vom Bauernhof. Und persönlich auf einen zugeschnitten: vegan vielleicht für die einen, glutenfrei für die andern. Schliesslich definieren sich immer mehr Menschen darüber, was sie essen. Burger, Kebab oder Brezel können da nicht mithalten. Bezeichnenderweise bietet McDonald’s in Sydney unter dem Namen The Corner nun auch Quinoa-Salat statt Burger mit Pommes an.

Massenprodukte hängen den Leuten also zum Hals heraus? Wird der Markt der schnellen Verpflegung, der vergangenes Jahr 2,6 Milliarden Franken umfasste, weiter wachsen?
Auf jeden Fall. Was boomt, sind die «gesunden» Take-aways. Schnägg in Zürich zum Beispiel ist ein Konzept, das Essen «direkt vom Hof in die Stadt» verspricht. Ähnlich funktioniert Gärtnerei, ein Anbieter mit Standorten in Zürich und Bern. In über 200 Läden weltweit findet Loving Hut mit seinen veganen Angeboten grossen Zuspruch. Wer Erfolg haben will, muss sich vom Standard abheben. Coop to go – wie auch vergangene Woche die Migros mit dem Konzept «My Way» – hat sich da als Grossverteiler gar nicht so schlecht positioniert. Man kann sich zum Beispiel morgens an der Müeslitheke sein Wunschmüesli zusammenstellen, auch vegan, wenn man will.

Was bedeutet das für die herkömmlichen Restaurants?
Die Gastrobranche kommt massiv unter Druck. Wir haben nicht mehr die Zeit, über Mittag zwei Stunden in die Beiz zu sitzen und vielleicht noch ein Halbeli Roten zu trinken. Die Restaurants werden von zwei Seiten in die Zange genommen. Einerseits bauen die Retailer ihre Schnellverpflegungsangebote ständig aus, andererseits holen unkomplizierte Restaurantketten wie Vapiano oder Wagamama jene Gäste ab, die sich über Mittag zwar hinsetzen wollen, aber rasch und günstig speisen möchten.

Was soll der Beizer tun?
Er kann auf den Zug aufspringen und mit flexibleren, schnelleren Angeboten punkten. Im Silicon Valley zum Beispiel kommen Anbieter gut an, die über Mittag wirklich gutes Essen dorthin liefern, wo man gerade ist. Und in San Francisco haben sich vier Spitzenköche zusammengetan, mit dem Ziel, wirklich gutes Fast Food zu bezahlbaren Preisen anzubieten. Mittels Crowdfunding wurden die Mittel für ihr Lokal Loco’l in kurzer Zeit zusammengetragen – was auf eine grosse Nachfrage schliessen lässt. Oder man setzt als Restaurant bewusst einen Kontrapunkt und zelebriert das Essen in Ruhe, mit besten Zutaten in angenehmer Atmosphäre. So ähnlich wie das vom «Restaurant Magazine» mehrfach zum besten Restaurant der Welt gekürte Noma in Kopenhagen vielleicht. Wer dort einen Tisch buchen will, muss sich drei Monate gedulden. Auch am Mittag.

Coop-Chef Joos Sutter sagte an der PK zum neuen Laden heute:

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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