Ist Ihre Gemeinde Tourismus-Schweizermeister?

Der Tourismus im Land boomt – aber nicht überall: Zahlen bis auf die Gemeinde runtergebrochen zeigen, wo das Geschäft rund läuft.

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Patrick Meier@pameier

2018 erreichte die Schweiz einen Rekord an Logiernächten: 38,8 Millionen Übernachtungen in Hotels wurden gebucht. So viele wie noch nie. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamts für Statistik.

Der Blick auf die einzelnen Regionen offenbart auch deutliche Unterschiede: So musste das Tessin einen Rückgang um 7,5 Prozent auf 2,3 Millionen Übernachtungen verbuchen, während in allen anderen Regionen durchschnittlich 4,2 Prozent mehr Personen eine Hotelübernachtung buchten als im Jahr 2017.

Einzelne Tessiner Gemeinden wie Cevio oder Maggia mussten sogar einen Rückgang der Bettenbelegung von über 20 Prozent hinnehmen. Das zeigt ein Blick auf die folgende interaktive Karte.

Jutta Ulrich von Tessin Tourismus sieht das nicht so tragisch. Sie sagt: «Das Jahr 2017 war aufgrund der Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels und einer einmaligen Raiffeisen-Aktion ein aussergewöhnlich gutes Jahr für das Tessin.» Ein Rückgang im Folgejahr sei also nicht erstaunlich.

Tatsächlich verbuchte das Tessin im Jahr 2017 mit 2,5 Millionen Logiernächten so viele wie seit 2011 nicht mehr. An die früheren Spitzenwerte kam allerdings auch das Jahr 2017 nicht heran. Zehn Jahre zuvor etwa hatte das Tessin 2,8 Millionen Logiernächte registriert. Wenn man also die Entwicklung über die letzten fünfzehn Jahre betrachtet, ist der Gesamttrend deutlich: Das Tessin verliert nicht erst kürzlich, sondern seit Jahren stetig Touristen.

In vielen anderen Regionen hingegen konnte ab 2016 der Rückgang gedreht werden. Die Logiernächte stiegen wieder an.

Vor allem nach der Finanzkrise 2008 und dem Erstarken des Schweizer Frankens kämpften die Tourismusregionen mit sinkenden Besucherzahlen aus dem Ausland. Besonders schmerzhaft war der Rückgang der deutschen Touristen: Von ihnen machen heute 30 Prozent weniger in der Schweiz Ferien als noch 2008. Und auch hier war das Tessin besonders stark betroffen. Die Logiernächte der deutschen Touristen sanken seit 2008 von knapp einer halben Million auf die Hälfte.

Der Region Luzern/Vierwaldstättersee gelang es, diesen Verlust auszugleichen. Hier war der Einbruch nach der Finanzkrise deutlich kürzer. «Luzern konnte sich besonders früh im Überseemarkt positionieren, um als Region eine diversifizierte und breite Gästeschar anzuziehen. Zudem half, dass die städtischen Destinationen weniger stark von den währungsbedingten Rückschlägen ab 2008 betroffen waren», sagt André Aschwanden von Schweiz Tourismus.

Ein Blick in die Statistik zeigt denn auch, dass in der Region Luzern über 60 Prozent der ausländischen Touristen aus Übersee kommen, mehr als in allen anderen Tourismusregionen. Diese Touristengruppen sind es denn auch, die den Rückgang an europäischen Touristen seit 2008 ausgleichen beziehungsweise der Region sogar zu einem deutlichen Wachstum verhelfen.

Allgemein gibt es grosse Unterschiede, in welchen Regionen ausländische Touristen am liebsten Ferien machen. Chinesen gehen nirgendwo lieber hin als in die Region Luzern, auch Inder, Koreaner und sogar Thailänder gehören dort zu den Top Ten. In Graubünden spielen chinesische Touristen hingegen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Hier fühlen sich vor allem Deutsche wohl, die über 40 Prozent der ausländischen Touristen ausmachen.

Die für diese Analyse verwendeten Zahlen spiegeln nur die klassische Hotellerie wider. Daneben gibt es noch Campingplätze, Ferienwohnungen und Massenunterkünfte, welche schweizweit für nochmals gut 16 Millionen Übernachtungen sorgen. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind private Objekte, welche über Onlineplattformen wie Airbnb vermietet werden, über diese gibt es keine schweizweite Statistik.

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