Goldpreis-Sturz trifft ZKB besonders hart

Institute wie die ZKB, die auf handelbare Gold-Papiere spezialisiert sind, spüren den Preissturz beim Edelmetall stark. Die Bank ist weltweit der zweitgrösste Player im Markt mit Gold-ETF.

Preissturz: Goldbarren im Tresor der Zürcher Kantonalbank.<p class='credit'>(Bild: Keystone Martin Rütschi)</p>

Preissturz: Goldbarren im Tresor der Zürcher Kantonalbank.

(Bild: Keystone Martin Rütschi)

Andreas Flütsch@tagesanzeiger

Seit dem Rekordstand 2011, als eine Unze Gold – rund 31 Gramm – über 1900 Dollar wert war, hat das edle Metall massiv an Wert verloren. Allein seit Anfang Jahr ist der Goldpreis um 27 Prozent gesunken. «Für den Preissturz sind zur Hauptsache Aussagen der US-Notenbank verantwortlich», sagt Susanne Toren, Goldspezialistin der ZKB: «Die Inflationserwartungen sind stark gesunken, entsprechend weniger wollen die Investoren für Gold als Inflationsversicherung zahlen.» Edelmetallspezialisten der Grossbank HSBC sagen, der Goldpreis werde dieses Jahr im Schnitt 1400 Dollar pro Unze ausmachen. Die Credit Suisse rechnet, dass der Goldpreis in zwölf Monaten bei rund 1150 Dollar liegt.

Bei Instituten wie der ZKB und Swiss & Global Asset Management, dem Fondsverwalter von Julius Bär, die auf an der Börse handelbare Edelmetall-Papiere spezialisiert sind, hat der Preissturz tiefe Spuren hinterlassen. Die ETF der ZKB (Anteile an Fonds, die in Gold, Silber oder Platin investieren) sind zu 100 Prozent mit Edelmetall hinterlegt. In den Boomjahren kauften die Anleger so viele Edelmetall-Papiere, dass die Staatsbank immer grössere Mengen Gold, Silber und Platin in ihren Tresoren hinterlegen musste.

ZKB global zweitgrösster Player

Jetzt geht es in die andere Richtung. Anleger verkaufen ETF in rauen Mengen. Speziell seit der Preis von Gold, dem weitaus beliebtesten Edelmetall bei Anlegern, abstürzt, schwinden die Lagerbestände rasch. «Bei Abflüssen aus ETF sinkt die hinterlegte Menge Edelmetall eins zu eins», sagt Toren. Weltweit habe der Goldbestand, der als Sicherheit für Gold-ETF in Tresoren deponiert sei, seit dem Höchststand «um rund 20 Prozent abgenommen», sagt Stephan Müller, Edelmetallspezialist bei Swiss & Global Asset Management. Das Volumen im lukrativen Geschäft mit ETF nimmt also ab. Das wird die ZKB bei den Erträgen stark spüren, ist sie doch der zweitgrösste Player weltweit im Markt mit Gold-ETF, direkt hinter einem Londoner Fonds.

Inzwischen ist aber der Goldpreis so tief gefallen, dass er wieder leicht steigt. Das tönt paradox, hat aber durchaus seine Richtigkeit. «Die Nachfrage nach Gold, Silber und anderen Edelmetallen aus China und Indien ist wegen der gesunkenen Preise sehr gross», sagt Müller, «das bremst den Preissturz von Gold etwas.» Asiaten würden aus «kulturellen Gründen» Gold kaufen, seien aber «sehr preissensitiv. Sie kaufen, sobald es in ihren Augen günstig ist.» Diese Gegenbewegung führte gestern dazu, dass der Goldpreis, der nahe an die Marke von 1220 Dollar gefallen war, wieder leicht anstieg. Sie gehe davon aus, dass die Nachfrage aus Asien «den Fall dämpft, auf mittlere Sicht den Goldpreis stabilisiert und längerfristig gar eine gewisse Erholung bringt», sagt auch Toren.

Langfrist-Investoren steigen aus

An einen neuen Boom glaubt indes kaum jemand. Dazu habe sich etwa der Goldmarkt zu stark verändert. «Vor zwölf Jahren waren Juweliere die grössten Nachfrager nach Gold, inzwischen wird deren Bedarf aber durch Recycling etwa von Schmuck praktisch gedeckt», sagt Müller: «Der Boom bei den ETF, der 2004 einsetzte, wurde stark von Investoren angetrieben.» Entsprechend gross ist nun der Preisdruck, wenn Grossinvestoren aus dem Gold aussteigen. Verstärkt werde der Abwärtstrend von Wertschriftenhändlern, die aus den ETF auf physischen Handel von Gold umsteigen, weil dort die Gewinnmarge grösser ist.

Die Goldbaisse habe eine neue Qualität erreicht, sagt Toren. Im April hätten Hedgefonds innert Tagen mit ETF so viel Gold auf den Markt geworfen, wie Südafrika in einem Jahr nicht fördern könne. «Jetzt steigen bedenklicherweise viele langfristig orientierte Vermögensverwalter und sehr reiche Privatleute aus, was stark auf den Preis drückt», so Toren.

Tages-Anzeiger

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