Ein Wettbewerbsvorteil mit Folgen

Analyse

Die SRG konkurrenziert die privaten Medienhäuser nicht nur im Internet. Auch sonst ist das gebührenfinanzierte Unternehmen gegenüber den Verlagen im Vorteil. Der Fall Sauber zeigte das eindrücklich.

Exklusiv im Interview mit SRF: Peter Sauber. (Bild: Screenshot)

Exklusiv im Interview mit SRF: Peter Sauber. (Bild: Screenshot)

Christian Lüscher@luschair

Der Deal zwischen dem Formel-1-Rennstall Sauber und russischen Investoren ist in diesen Tagen ein zentrales Thema in den Schweizer Medien. Es ist eine etwas dubiose Geschichte. Noch ist vieles im Unklaren. Das vor allem, weil sich das Hinwiler Motorsportunternehmen nicht zu Details äussert.

Aufschlussreich ist die Öffentlichkeitsarbeit hingegen für die Medienbranche. Am Montag stellten sich Peter Sauber und CEO Monisha Kaltenborn nur den Fragen vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Anfragen von anderen Medien wurden nicht berücksichtigt. Bernerzeitung.ch/Newsnetz stellte einen Antrag, wurde aber mit der Antwort «Wir geben keine Interviews» abgewiesen. Auf die Frage nach dem Grund, hiess es: «Wir äussern uns nicht zu unserer Medienstrategie.»

Sauber kein Einzelfall

Der Fall Sauber ist kein Einzelfall. Regelmässig bekommen SRF-Formate den Vorzug. Als prominenter Fall ist Daniel Vasella zu erwähnen. Als bekannt wurde, dass der abtretende Präsident der Novartis einen Betrag von 72 Millionen Franken erhält, gab er der «Tagesschau» ein exklusives Interview. Anderen Medien war es nicht vergönnt, Vasella kritisch zu befragen.

Und auch als die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft nach ihrem Finalspiel in Zürich-Kloten landete, hatten SRF-Mitarbeiter exklusiven Zugang zu den Spielern. Die Vorzugsbehandlung war ein geradezu groteskes Schauspiel. Während die Kollegen vom Fernsehen ein Exklusivrecht genossen und ihrer Arbeit nachgehen konnten, wurden andere Medienvertreter hinter Absperrgitter gepfercht. Der verantwortliche Mediensprecher von Swiss Icehockey sagte lapidar: «Das ist nun mal so.»

Interessen sind nachvollziehbar

Man darf für diese Zustände auf keinen Fall SRF die Schuld geben. Viel mehr ist es die bewusste Kommunikationsstrategie von Unternehmen, Clubs, Verbänden und Prominenten. Sie suchen sich ihre Partner aus. Sie wollen ihre Botschaften mit einer maximalen Wirkung platzieren. SRF bietet diese Möglichkeiten als nationales Medienunternehmen. Und sollte die Situation für die in die Kritik geratenen zu brenzlig werden, kann man sich die Schar von Journalisten vom Leibe halten.

Die Entwicklung ist jedoch mit Sorge zu beobachten. Denn die SRG geniesst nicht nur als gebührenfinanziertes Unternehmen einen Sonderstatus in der Medienlandschaft Schweiz, weil sie jedes Jahr mit Beiträgen in der Höhe von 1,2 Milliarden Franken rechnen kann. Durch die neue SRG-Konzession ist es dem Unternehmen auch möglich, den Wettbewerb mit den Verlagen zu forcieren. Obwohl die SRG Texte ohne Sendungsbezug auf maximal 1000 Zeichen begrenzen muss, ist die Webseite Srf.ch heute schon viel textlastiger als vor ein paar Monaten. Gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz sagt Urs Meyer vom Verband Schweizer Medien: «Im Vergleich zu Anfang Jahr sind mehr und längere Texte, teilweise ohne direkten Sendebezug, auf Srf.ch zu finden. Wir beobachten diese Entwicklung mit grosser Sorge.»

Ausbau ist augenfällig

Noch darf die SRG im Internet nicht werben, und die Verlage können mit ihrem Angebot Geld verdienen. Aber bereits heute ist klar: Durch den Umstand, dass die SRG-Sender heute von Exklusivpartnerschaften profitieren und im Internet publizistische Freiheiten geniessen, geraten die Privaten zunehmend unter Druck.

Und auch der Ausbau der SRG-Redaktionen ist imposant. Einblick gewährte kürzlich Sportchef Urs Leutert im «Glattaler»: Heute arbeiten in seiner Abteilung Sport 170 Angestellte. Als er 1991 – der Sender hiess damals noch Schweizer Fernsehen DRS – anfing, gab es nach seinen Aussagen 21 Festangestellte und zwischen 20 und 30 freie Mitarbeitende, die sich um die gesamte Sportberichterstattung kümmerten.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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