Die Green Card gibt es gegen Geld

Wer 500 000 Dollar investiert, darf in die USA einwandern.

Geschafft: Für diesen Deutschen geht sein Traum auch ohne halbe Million Dollar in Erfüllung.

Geschafft: Für diesen Deutschen geht sein Traum auch ohne halbe Million Dollar in Erfüllung.

(Bild: americandream.de)

R. J. de Varona klingt, als habe er es ­eilig. Im Schnellzugstempo rasselt der dynamische Manager die Vorzüge des Geschäftsmodells seiner Firma herunter, die TSG Capital heisst und für die er als Finanzchef und Geschäftsleiter tätig ist. Die kurze Zusammenfassung seiner Verkaufsmasche lautet: Sein Unternehmen kauft in Südflorida, immer noch eines der Epizentren der Immobilienkrise, für billiges Geld zwangsver­steigerte Eigentumswohnungen und Häuser auf. Anschliessend werden ­diese Immobilien aufgemöbelt und in der Folge weiterverkauft oder ver­mietet. So weit, so bekannt.

Der Clou am Geschäftsmodell von TSG Capital: Das Kapital für dieses «flipping» von Immobilien, wie der Fachausdruck lautet, stammt von ausländischen Investoren. Diese räumen dem Unternehmen einen Kredit mit ­einer fünfjährigen Laufzeit über je 500 000 Dollar ein, der zu fünf Prozent verzinst wird. Hinzu kommt noch eine administrative Gebühr von 50 000 Dollar. «Das ist billiges Geld», sagt de ­Varona. Dennoch lohnt sich das ­Geschäft auch für die Investoren: Sie ­erhalten nämlich relativ rasch eine ­Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung (Green Card) für die USA, die auch für Ehepartner und Kinder gültig ist.

Geld soll Arbeitsplätze schaffen

Möglich macht dies ein Visa-Programm mit dem bürokratischen Namen EB-5, das im Jahr 1990 geschaffen ­worden ist und seit der Finanzkrise einen zweiten Frühling durchlebt. Das Programm sieht die Vergabe von Green Cards für Investoren vor, die 500 000 Dollar in eine Region mit hoher Arbeitslosigkeit oder schwacher Grundver­sorgung investieren. Für alle anderen Regionen lautet der Mindesteinsatz eine Million Dollar. Einzige Bedingung: Mit dem Geld müssen mindestens zehn Arbeitsplätze geschaffen werden.

Besonders attraktiv ist das Visa-Programm für Asiaten. Gemäss den letzten verfügbaren Zahlen aus dem Finanzjahr 2012, das bis Ende September 2012 dauerte, wurden mehr als 6100 Auf­enthaltsbewilligungen an Chinesen und fast 500 temporäre Green Cards an Menschen aus Taiwan verteilt. Dies ­entspricht 86 Prozent aller erteilten Visa in dieser Kategorie. Die Ober­grenze beträgt 10 000 Visa pro Jahr; sie wurde in den vergangenen zehn Jahren allerdings nie erreicht.

Auch Schweizer investieren

Unter den risikofreudigen Investoren befanden sich aber auch zwei Schweizer Staatsbürger. Einer davon ist Eddy Kauffmann. Der Zürcher war der allererste ausländische Geldgeber von TSG Capital, wie er im Gespräch erzählt. Nach einem langen geschäftlichen Aufenthalt in London habe er sich mit seiner Frau und seinen beiden ­kleinen Kindern nach einem neuen Wohnort umgeschaut. Die USA standen dabei, auch aus familiären Gründen, zuoberst auf der Liste. «Doch es ist nicht ganz einfach, eine Aufenthaltsbewilligung zu erhalten», sagt Kauffmann, der lange Jahre im Geschäft mit Beteiligungskapital gearbeitet hat. Letztlich entschied er sich, nach Rücksprache mit einem Einwanderungsanwalt und ­eigenen Erkundungen in Südflorida, für das EB-5-Programm von TSG Capital.

Natürlich, räumt Kauffmann ein, «muss man als Geldgeber sehr vor­sichtig sein» (siehe Begleittext). Seiner Meinung nach kann es aber mit dem Immobilienmarkt im Grossraum Miami, wo er nun mit seiner Familie wohnt, nur aufwärtsgehen. Letztlich wird Kauffmann aber frühestens im Jahr 2014 wissen, ob sich seine Investition ausbezahlt – dann nämlich, wenn die Einwanderungsbehörde Uscis untersucht, ob mit seinen 500 000 Dollar tatsächlich zehn Jobs geschaffen wurden. Bis zu diesem Audit bleibt die Aufenthalts­bewilligung der Familie Kauffmann provisorisch.

TSG Capital hat bisher, nach eigenen Angaben, sieben Investoren an der Angel. Sie stammen in erster Linie aus Süd- und Mittelamerika, wie Manager R. J. de Varona sagt. Nun befinde er sich auf der Suche nach fünf weiteren Geldgebern. Zahlen zum Geschäftsgang ­seiner Firma will er jedoch nicht publik machen. Stattdessen rattert er Zahlen über die Zahl der Zwangsversteige­rungen in Miami und den durchschnitt­lichen Preis einer Immobilie herunter und behauptet, dass das Geschäfts­modell seiner Firma – und deren Muttergesellschaft The Solution Group – ­geradezu idiotensicher sei. Auch Eddy Kauffmann gibt sich vorsichtig optimistisch und sagt: «Bisher sieht es nicht schlecht aus.»

Basler Zeitung

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