«Die Finma hat unseren Entscheid vorbehaltlos akzeptiert»

Die Bank Vontobel will im US-Steuerstreit ihre Unschuld beweisen – als bislang einzige Bank. Kommunikationsverantwortlicher Reto Giudicetti erklärt, wieso – und was das konkret bedeutet.

So sieht der Widerstand aus: Eingangshalle der Bank Vontobel in Zürich.

So sieht der Widerstand aus: Eingangshalle der Bank Vontobel in Zürich.

(Bild: Keystone Alessandro della Bella)

Angela Barandun@abarandun

Herr Giudicetti, die Bank Vontobel will in den USA als bislang einzige Bank keine Busse bezahlen, sondern plant, ihre Unschuld zu beweisen. Sind Sie der Winkelried des Schweizer Finanzplatzes?
Wir haben immer kommuniziert, dass wir unser Geschäftsmodell frühzeitig zukunftssicher ausgestaltet haben.

Was muss Vontobel tun, um die Unschuld zu beweisen?
Eine unabhängige Prüfgesellschaft muss dem US-Justizdepartement in der zweiten Jahreshälfte 2014 einen entsprechenden Bericht vorlegen.

In den letzten Wochen hat man immer wieder gehört, dass genau das praktisch unmöglich ist - nicht zuletzt weil man keine Firma findet, die das Gutachten erstellt.
Unser Vorgehen entspricht den Vorgaben aus dem US-Programm und reflektiert unser Geschäftsmodell. Wir hatten keine Probleme, eine Prüfgesellschaft zu finden, die diese Aufgabe übernimmt.

Um wen handelt es sich? Um einen der bekannten Namen wie PWC, KPMG, Ernst & Young oder Deloitte?
Es handelt sich um ein renommiertes globales Unternehmen, welches den Anforderungen der US-Behörden vollumfänglich entspricht. Namen möchten wir keine nennen.

Es gab also Vorgaben seitens der USA, welche Buchprüfer ein solches Unschuldsgutachten erstellen dürfen?
Ja. Und an diesen Vorgaben der US-Behörden haben wir uns orientiert.

Was bedeutet der Entscheid für Kategorie 3 finanziell?
Institute in der dritten Kategorie haben keine US-Steuergesetze verletzt, müssen darum keine Busse bezahlen und streben einen sogenannten Non-Target-Letter des US-Justizministeriums an.

Allerdings dürfte auch der Unschuldsbeweis einiges kosten.
Natürlich sind damit gewisse Kosten verbunden. Das Ausmass ist allerdings überschaubar. Wir investieren bereits seit Jahren in entsprechende Systeme und Prozesse, die ein untadeliges Geschäftsgebaren sicherstellen.

Die offizielle Schweiz hat den Banken explizit davon abgeraten, sich für Kategorie 3 zu entscheiden. Gibt es jetzt Ärger?
Wir haben selbstverständlich vorgängig ein Gespräch mit der Finanzmarktaufsicht (Finma) geführt. Diese hat unseren Entscheid vorbehaltlos akzeptiert.

Trotz des Aufrufs, den Finma-Direktor Patrick Raaflaub vor zwei Wochen in der NZZ gestartet hat?
Wir handhaben diesen Prozess unaufgeregt und gehen unseren Weg unbeirrt. Er ist die logische Konsequenz der frühzeitigen Neuausrichtung unseres US-Geschäfts: Wir haben rechtzeitig verschiedene Massnahmen ergriffen und insbesondere alle von uns betreuten US-Privatkunden in eine separate und SEC-registrierte Gesellschaft ausgegliedert, die nach amerikanischem Recht funktioniert. Für uns war darum immer klar, dass wir in die Kategorie 3 gehören. Das wollten wir auch möglichst schnell transparent machen – das sind wir unseren Kunden, unseren Mitarbeitenden und unseren Aktionären schuldig.

Was passiert, wenn Vontobel irgendwo einen Doppelbürger übersehen hat? Dann drohen der Bank empfindliche Strafen.
Diese Frage stellt sich nicht. Wir sind überzeugt, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben und das auch belegen können.

Eine frühere, autorisierte Version dieses Interviews wurde von der Bank Vontobel zurückgezogen und in wesentlichen Bereichen angepasst.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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