Der richtige Iron Man stürzt an der Börse ab

Schwarze Woche für den Elektromobilhersteller Tesla: Schlechte Zahlen und ein brennendes Auto kosten die Firma Milliarden an der Börse. Teslas Chef ist die Vorlage für den Hollywood-Blockbuster «Iron Man».

Absturz an der Börse: Tesla-Chef Elon Musk und der ausgebrannte Tesla Model S.

Absturz an der Börse: Tesla-Chef Elon Musk und der ausgebrannte Tesla Model S.

(Bild: Keystone)

Angela Barandun@abarandun

Erst die schlechten Zahlen – und dann das: Am Mittwochnachmittag ging in der Nähe von Nashville, Tennessee ein Tesla Model S in Flammen auf. Der Wagen, eine Art elektrischer BMW der Fünferklasse, war zuvor von einer herumliegenden Anhängerkupplung getroffen worden, die offenbar die Lithium-Ionen-Batterie beschädigt hatte. Die Folge war ein Kurzschluss – und das Feuer. Verletzt wurde niemand.

Es ist bereits das dritte Model S, das in den letzten sechs Wochen gebrannt hat. Allerdings ist es das erste Mal, dass eine nationale Behörde sich des Zwischenfalls annimmt. Der erste Brand ereignete sich am 1. Oktober in der Nähe von Seattle. Auf Grund des Shutdowns der amerikanischen Bundesverwaltung konnte die zuständige Aufsicht, die National Highway Transportation Safety Administration, keine Ermittler entsenden. Laut der «New York Times» stellte sie im Nachhinein bloss fest, dass die Daten von Tesla, der lokalen Polizei und der Feuerwehr keinen Hinweis auf ein Sicherheitsproblem geliefert hätten. Der zweite Tesla brannte am 18. Oktober – allerdings in Mexiko, wo der Arm der US-Behörden nicht hinreicht.

8 Milliarden Dollar an der Börse verloren

Beim dritten Mal nun will die Behörde sich selbst darum kümmern – und herausfinden, ob sich bezüglich Sicherheit Fragen stellen, die «ein Handeln seitens der Behörde» nötig machen. Ob eine formelle Untersuchung eröffnet wird, ist also noch nicht klar.

Der dritte Brand kommt in einem dummen Moment. Tesla hat Anfang Woche die Zahlen fürs dritte Quartal präsentiert – und die Börse mit den Zahlen wie mit dem Ausblick enttäuscht. Der Aktienkurs war an diesem Tag um über 15 Prozent eingebrochen. Als der neue Brand bekannt wurde, gab die Aktie erneut um über 7 Prozent nach. Seit dem Höchststand Ende September hat das Unternehmen damit acht Milliarden Dollar an Wert verloren.

Roger Schawinski «brennt» trotzdem für seinen Tesla

Der Einbruch kommt zu einer Zeit, da ohnehin fleissig über den wahren Wert von Tesla spekuliert wird. Die Rede ist von einer Blase. Die Aktie hat in den letzten acht Monaten einen Boom erlebt. Der Kurs hat sich verfünffacht – von 35 Dollar auf zeitweise über 190 Dollar. Zum Nimbus des Unternehmens beigetragen hat sein Chef, der 42-jährige Internetmilliardär Elon Musk. Musk wird in amerikanischen Medien als neuer Steve Jobs gehandelt und diente Regisseur Jon Favreau als Vorlage für Tony Stark, den genialen Milliardär im Film «Iron Man».

Befeuert wurde der Boom von den begeisterten Kunden des 83'000 Franken teuren Model S, zu denen in der Schweiz etwa Roger Schawinski oder ABB Schweiz-Chef Remo Lütolf gehören. Schawinski publizierte Mitte September im «Tages-Anzeiger» ein flammendes Plädoyer für «seinen» Tesla. Die jüngsten Zwischenfälle tun seiner Begeisterung keinen Abbruch, wie er gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz mitteilt: «Ich brenne weiterhin für meinen Tesla.»

Ist es eine Blase?

Mittlerweile kosten die Tesla-Papiere noch knapp 140 Dollar – was einem Gesamtwert von rund 15 Milliarden entspricht. Dabei macht das Unternehmen nach wie vor Verlust. Von Juli bis September waren es 38 Millionen, bei einem Umsatz von 431 Millionen. Erste Analysten prophezeien daher weitere Kurseinbrüche – auf bis zu 50 Dollar. Sogar Elon Musk hat zuletzt angetönt, der Aktienkurs könnte derzeit zu hoch sein. Konkret sagte er: Tesla habe kein Recht, eine so hohe Bewertung zu verdienen.

Die Branche macht den Erfolg von Tesla davon abhängig, ob es dem Unternehmen gelingt, das Gefährt massentauglich zu machen. Im Moment kostet ein Tesla in den USA trotz Subventionen von 7500 Dollar über 70'000 Dollar. Für eine breite Masse interessant wird das Auto aber erst bei einem Preis von 25'000 Dollar. Und das wird laut Analysten der Barclays Bank nicht vor 2022 der Fall sein.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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