Milch, die an den Bäumen wächst

Wenig Kalorien, kein Cholesterin, kein Zucker: Mandelmilch ist das neue Super-Food in den USA. Jetzt schwappt der Trend auch auf Europa und die Schweiz über. Händler verzeichnen Wachstumsraten von bis zu 90 Prozent.

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Veganer setzen darauf, genauso wie Allergiker und Mütter, die ihre Kleinkinder keinem zusätzlichen Risiko aussetzen wollen: auf Mandelmilch. Das Gebräu aus Wasser und Mandeln, das entweder selbst in einem Hochleistungsmixer hergestellt und dann passiert wird, oder fixfertig im Handel erhältlich ist, erlebt derzeit einen Boom.

In den USA verzeichnet der Marktführer Whitewave Foods mit seiner Marke Silk bereits das sechste Quartal hintereinander ein Wachstum von zwischen 45 und 60 Prozent. Der Gesamtmarkt legte laut der Marktforschungsfirma Nielsen im letzten Jahr um 46 Prozent zu, der Umsatz beträgt mittlerweile über 700 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Der frühere Spitzenreiter im Bereich pflanzlicher Milchersatz, die Sojamilch, macht in den USA nicht einmal mehr halb so viel Umsatz.

In der Schweiz steht der Boom noch am Anfang

Nun schwappt der Trend auch auf europäische Länder über, in denen Mandelmilch bislang kaum verbreitet war. In Grossbritannien weisen die Lebensmittelhändler derzeit Wachstumsraten von 80 bis 90 Prozent aus, wie der «Daily Telegraph» berichtet. Und sogar in der Schweiz ist der Boom spürbar – auch wenn Mandelmilch bislang ein Nischenprodukt ist.

Bei der Reformhauskette Egli ist der Absatz von Mandelmilch und Mandelmilch-Mischgetränken um 55 Prozent gestiegen auf 18'000 verkaufte Packungen in diesem Jahr. Auch ganze Mandeln werden deutlich öfter nachgefragt: Egli verzeichnete ein Plus von 32 Prozent. Andere Milchersatzprodukte legten demgegenüber nur um 26 Prozent zu.

Coop muss auf die grosse Nachfrage reagieren

Die Nachfrage ist mittlerweile so gross, dass auch die Grossverteiler reagieren müssen. Weder Migros noch Coop führen bislang reine Mandelmilch, beide haben lediglich ein Reisgetränk mit Mandeln im Angebot. Wegen des stark wachsenden Marktes für Milchersatz dürfte sich das aber bald ändern. Bei Coop wächst der Absatz von Reisgetränken im zweistelligen Prozentbereich, Topseller der gesamten Milchersatz-Kategorie ist das Mandelmischgetränk. Darum passt sich der Detailhändler jetzt den Kundenwünschen an: «Wir stehen kurz vor der Einführung einer Mandelmilch», sagt Sprecherin Denise Stadler.

Treiber dieser plötzlichen Kundenvorliebe ist laut Coop die generell zunehmende Nachfrage nach laktosefreien und veganen Produkten. Das sieht man auch bei Egli, sagt Verkaufsleiterin Fabienne Marty: «Die Kundschaft wird kritischer in ihrem Kaufverhalten.» Gesundes Essen werde wichtiger; einerseits, weil mehr Unverträglichkeiten aufträten, und andererseits, weil die Kunden zunehmend selbstbestimmt auf gewisse Nahrungsmittel verzichteten.

Soja versus Mandelmilch – die Schweizer Zahlen

So weit, dass der Konsum von Mandelmilch jenen des Konkurrenzprodukts aus Soja übertrifft, ist die Schweiz aber noch lange nicht. Laut Schätzungen der Marktforschungsfirma Euromonitor beträgt der gesamte Milchmarkt in der Schweiz 2014 insgesamt 525 Millionen Franken. Das sind 20 Prozent weniger als noch 2009. 99 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Verkauf von Kuhmilch.

Nur gerade 5,3 Millionen Franken werden mit Milchersatzprodukten eingenommen. Mit 4,2 Millionen Umsatz macht Sojamilch den wichtigsten Teil aus. Reismilch und Mandelmilch kommen auf 1,1 Millionen. Gemäss den Schätzungen von Euromonitor wird Mandelmilch die Sojamilch auch in den nächsten 5 Jahren nicht überholen. Allerdings sollen die Milch-Alternativen dazu führen, dass der gesamte Milchmarkt bis dahin wieder wächst – wenn auch nur leicht.

Die Kehrseite des Booms

Der Boom hat allerdings eine Kehrseite: 80 Prozent der Mandelproduktion stammen aus Kalifornien, wo seit drei Jahren Dürre herrscht. Die Produktion einer einzelnen Mandel verschlingt indes 4 Liter Wasser. Trotzdem hat sich die kalifornische Ernte seit der Jahrtausendwende verdreifacht – auf fast 1 Million Tonnen. Ihr Wert hat sich in der gleichen Zeit aufgrund des gestiegenen Preises mehr als versechsfacht. Die riesigen Mandelbaum-Anlagen in Kalifornien werden zudem immer wieder mit dem Bienensterben in Verbindung gebracht – etwa in Markus Imhoofs Dokumentarfilm «More than Honey».

Kritiker monieren auch, dass in der Mandelmilch oft nur ein kleiner Teil der Nährstoffe aus den Mandeln enthalten ist. Laut einem Vergleich des Onlineportals «Mother Jones» stecken in einer Unze (28 Gramm) Mandeln 6 Gramm Eiweiss (so viel wie in einem Ei), 3 Gramm Balaststoffe (was einer mittelgrossen Banane entspricht) sowie 12 Gramm ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (das Äquivalent einer halben Avocado). In einem Glas Mandelmilch der Sorte Califia hingegen fanden sich nur noch ein Gramm Eiweiss und Balaststoffe sowie 5 Gramm Fett. Ausserdem wurden Vitamine und Mineralstoffe zugeführt.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.11.2014, 15:07 Uhr

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