«Alles hängt an Samih Sawiris»

Interview

Bis zu 160 Millionen Franken Verlust schreibt Orascom von Samih Sawiris für das letzte Jahr. Geht ihm jetzt das Geld aus? Dazu Finanzanalyst Patrick Hasenböhler.

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Angela Barandun@abarandun

Herr Hasenböhler, Orascom hat eine weitere Gewinnwarnung publiziert. Zwischen 145 und 160 Millionen Franken Verlust drohen 2013. Ende September hatte das Unternehmen noch rund 57 Millionen Franken in der Kasse. Geht ihm das Geld aus?
Das kann man heute noch nicht sagen. Erst das detaillierte Jahresergebnis wird das zeigen. Tendenziell halte ich die finanzielle Situation für weniger angespannt, als die Gewinnwarnung auf den ersten Blick glauben macht. Entscheidend dafür ist nicht der Reinverlust, sondern wie viel davon auf die Geldflussrechnung durchschlägt. Bewertungsverluste spielen keine Rolle für die Frage, ob das Unternehmen noch Geld zur Verfügung hat.

Und solche Bewertungsverluste spielen bei Orascom eine grosse Rolle.
Das geht zumindest aus der aktuellen Mitteilung hervor. Allerdings ist auch der Umsatz zwischen Oktober und Dezember noch einmal stärker gesunken als erwartet. Aber am Schluss ist es für den Aktienkurs nicht so wichtig, ob Orascom 100 oder 110 Millionen Franken Verlust ausweist.

Wieso?
Wäre Orascom eine normale Publikumsgesellschaft, dürfte es das Unternehmen heute sowieso nicht mehr geben. Eine breit abgestützte Kapitalerhöhung ist schon seit längerem ausgeschlossen. Kaum ein Minderheitsaktionär würde angesichts der aktuellen politischen Situation in Ägypten heute noch Geld in das Unternehmen einschiessen. Sein Überleben hängt davon ab, ob Samih Sawiris auch weiterhin Mittel einbringt – und davon gehe ich aus.

Kann er das weiterhin stemmen? Auch sein Vermögen ist endlich.
Ich kenne die private finanzielle Situation von Samih Sawiris und seiner Familie nicht. Aber wenn er knapp bei Kasse wäre, hätte er wohl nicht vor kurzem in Deutschland zwei Reiseveranstalter übernommen.

Die Turbulenzen bei Orascom sind gross. Zuletzt musste der Konzernchef Gerhard Niesslein gehen, Samih Sawiris hat die interimistische Führung übernommen. Was läuft schief bei Orascom?
Die desolate finanzielle Situation, in der sich das Unternehmen befindet, ist einzig der politischen Situation in Ägypten geschuldet. Das Unternehmen hat nichts falsch gemacht.

Das bedeutet aber auch, dass man daran nichts ändern kann.
Orascom hat 2013 Vermögenswerte von über 60 Millionen Franken verkauft. Theoretisch könnte der Konzern auch die Tourismusanlagen in Ägypten abstossen. Aber zu welchem Preis? Eigentlich bleibt dem Unternehmen nur die Möglichkeit, so lange durchzuhalten, bis sich die politische Lage in Ägypten entspannt. Es hängen ja auch viele Arbeitsplätze davon ab. Die Investitionen sind bereits auf einem Minimum, neben Andermatt sind die meisten anderen Projekte auf Eis gelegt. Auch an den Kosten lässt sich kaum schrauben. Aber sobald die Situation in Ägypten kehrt, stehen die Chancen gut, dass es auch bei Orascom aufwärtsgeht. Das Unternehmen kann mit seinen Tourismusanlagen auf extrem viel Substanz bauen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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