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- Indien Indien: Für Schweizer Unternehmen ein Land mit Riesenpotenzial Von Max Mohn, SDA Vorausbericht

Bundesrat Johann Schneider-Ammann reist vom Mittwoch bis Samstag mit einer Wirtschaftsdelegation nach Indien.

Das Land hat grosses Potenzial - nach einer Delle 2009 zeigen die Handelszahlen mit der Schweiz ständig nach oben. Die Wirtschaft Indiens wuchs 2010 um 9,7 Prozent, 2011 dürften 8,4 Prozent drinliegen. Die Schweizer Direktinvestitionen beliefen sich Ende 2009 auf 3,3 Milliarden Fr. oder 0,4 Prozent der Gesamtinvestitionen im Ausland. Auf der Rangliste der Investorenländer liegt die Schweiz damit auf Platz 23. Umgekehrt ist der Bestand bescheidener, aber nicht vernachlässigbar. Inder arbeiten im informellen Sektor Franz Probst, der Präsident der Handelskammer Schweiz-Indien, bezeichnet die Direktinvestitionen nur als Spitze des Eisbergs. Schweizer Firmen hätten in Indien beträchtlich mehr investiert, etwa der Zementriese Holcim. Holcim gehört in der aufstrebenden Nation mit ihren riesigen Infrastrukturbedürfnissen der zweitgrösste Zementhersteller. Auch das offiziell ausgewiesene Wirtschaftswachstum täuscht, wie Probst erklärt. Die Mehrheit der Inder arbeitet im informellen Sektor - unter zuweilen erbärmlichen Bedingungen. Unter Berücksichtigung dieses Sektors dürfte das Wachstum weit höher sein. Problem Unterernährung bleibt Derzeit kämpft Indien mit einer hohen Inflation - allein im Januar stiegen die Grosshandelspreise um 8,2 Prozent, die Lebensmittelpreise sogar um 15,7 Prozent. Interventionen der Zentralbank verpufften. Drei Viertel der Inder leben mit weniger als 2 Dollar im Tag, die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren sind laut der UNO unterernährt. Die Herausforderungen im Land mit seinen 1,2 Milliarden Menschen sind damit gewaltig. Die Regierung unter Ministerpräsident Manmohan Singh von der Kongresspartei hat 2009 versprochen, die armen Massen am Wirtschaftswachstum zu beteiligen. Schweiz exportiert die duale Berufsbildung Unter anderem soll das mit einer Bildungsoffensive geschehen, wie Probst erklärt. Jährlich drängen 12,5 Millionen Jugendliche neu auf den Arbeitsmarkt. Können sie nicht ausgebildet und beschäftigt werden, tickt eine soziale Zeitbombe in der grössten Demokratie der Welt. Generell gilt in Indien wie auch in der Schweiz eine universitäre Ausbildung als prestigeträchtig. Die Regierung will dies ändern: Berufliche Fähigkeiten stehen oben auf ihrer Traktandenliste. Fernziel ist, 500 Millionen Menschen auszubilden. Schweizer Unternehmen vor Ort leisten Pionierarbeit beim Aufbau eines dualen Berufsbildungssystems nach helvetischem Muster. Ein Programm hat gemäss Probst das Ziel, in 10 Jahren eine Million Schulabgänger auszubilden. Dafür braucht es 36'000 Lehrpersonen. Eine andere Methode zur besseren Teilhabe der Massen am Wachstum ist die Kontrolle, wie Probst sagt. Derzeit erhält jeder Einwohner eine Computernummer zugeteilt. Diese soll im Endeffekt eine effiziente Wirkungskontrolle staatlicher und anderer Programme ermöglichen. So soll weniger im Korruptionssumpf versickern. Ein Land mit grosser Zukunft Probst sieht die Zukunft Indiens in glänzenden Farben, wenn die Regierung ihre ehrgeizigen Ziele umsetzen kann. 1967 habe die englische Zeitung «Times» Indien als gescheiterten Staat wie etwa heute Haiti beschrieben. Heute schreibe das Blatt von der «big party» auf dem Subkontinent. Mit dem Subkontinent bestens vertraut ist Peter Steiner, Konzernchef des Zürcher Generalunternehmens Karl Steiner AG. Auch er ist Mitglied der Wirtschaftsdelegation um Bundesrat Schneider- Ammann. Seine Firma, seit 2010 zu 66 Prozent in Besitz des Baukonzerns Hindustan Construction, arbeitet in Indien am Bau ganzer neuer Städte. Praktisch ab der Stange bietet Steiner Gesamtprojekte an - von der Planung über die Finanzierung bis zum Betrieb. Derzeit entsteht eine Stadt zwischen Pune und Mumbai für 400'000 Bewohner. Mit indischem Kapital und späterem Börsengang, wie Steiner sagt. Die Leute sollen aus den Slums, die vielfach zentrale und besser nutzbare Lagen in Städten wie Mumbai belegen, wegbewegt werden. Die neuen Städte seien nicht nur für Gutbetuchte, versichert Steiner. Und in Slums leben längst nicht nur die Ärmsten. Ein wachsender Mittelstand von 300 bis 350 Millionen Leuten will besser wohnen. Überhaupt sei Indien für Infrastrukturbauer ein Mekka, ist Steiner überzeugt.

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