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GeldblogWirkstoff gegen Zecken weckt Anlegerfantasien

Die Biotechfirma Evolva verfügt über interessante Produkte in einem Wachstumsmarkt. Dennoch sind ihre Aktien hoch spekulativ.

Der Wirkstoff Nootkatone, der Schutz vor Zecken bietet, und der Süsstoff Eversweet haben Potenzial.
Der Wirkstoff Nootkatone, der Schutz vor Zecken bietet, und der Süsstoff Eversweet haben Potenzial.
Foto: Keystone

Ich habe Aktien von Evolva und wundere mich, dass diese nicht stärker steigen. Die Firma hat mehrere Innovationen gemacht. Doch an der Börse wird dies zu wenig wahrgenommen. Wie stufen Sie Evolva ein? Leserfrage von W. A.

Evolva ist eine kleine Biotechfirma, deren Aktien an der Schweizer Börse von über 45 Franken in den besten Zeiten im 2007 in der Zwischenzeit auf das Pennystock-Niveau eingebrochen sind und phasenweise nur noch wenige Rappen kosteten. In letzter Zeit hat Evolva allerdings wieder das Interesse der Anlegerinnen und Anleger wecken können. Der Titel ist aber hoch spekulativ.

Trotzdem teile ich Ihre grundsätzliche Meinung, dass das Unternehmen interessante Innovationen hervorgebracht hat. Ein Meilenstein könnte der Wirkstoff Nootkatone sein. Deswegen ist Evolva in den letzten Wochen wieder auf den Radar der Investoren gelangt. Bei Nootkatone handelt es sich um ein Mittel, das durch Fermentierung gewonnen wird. Genutzt wird es vor allem für Insektenschutzmittel gegen Mücken und andere Insekten. Potenzial hat der Wirkstoff als Schutz gegen Zecken.

In diesem Jahr ist in der Schweiz die Zahl der von Zecken verursachten Gehirnentzündungen bereits auf einen Rekordwert gestiegen. Allein bis Ende Juli wurden 332 Fälle der sogenannten Frühsommer Meningoenzephalitis (FSME) gemeldet. Das sind so viele wie noch nie seit dem Jahr 2000. Laut dem Bundesamt für Gesundheit sind bis Ende Juli 10200 akute Fälle von Borreliose gemeldet worden. Eine Borreliose kann, wenn sie nicht behandelt wird, bleibende Schäden verursachen.

Aktien von Evolva stiegen phasenweise um über 20 Prozent – auf sehr tiefem Niveau.

Da der Wirkstoff von Evolva über Insektenschutzmittel offenbar einen guten Schutz gegen Zecken gibt, verfügt das Unternehmen allein schon deshalb über einiges an Wachstumspotenzial, zumal es sich weltweit um einen Markt von einer halben bis zu einer Milliarde Franken handelt. Die US-Umweltschutzbehörde EPA hat für den Wirkstoff eine Zulassung gegeben. Deshalb waren die Evolva-Aktien phasenweise um über 20 Prozent gestiegen – wenngleich auf sehr tiefem Niveau.

Mit dem grünen Licht aus den USA darf das Mittel Nootkaton zur Entwicklung von Insektenschutzmitteln und Insektiziden zum Schutz von Menschen eingesetzt werden und soll unter dem Markennamen Nootkashield vermarktet werden. Laut Firmenangaben werden mit einer wachsenden Anzahl Herstellern von Schädlingsbekämpfungsmitteln Verhandlungen zur Planung der nächsten Schritte geführt, um die Entwicklung und Vermarktung neuer Verbraucherprodukte rasch voranzutreiben. Allerdings dürften die Produkte offenbar erst 2022 in den Handel kommen.

Bekannt war Evolva bisher wegen dem Produkt Eversweet. Dabei handelt es sich um einen auch durch Fermentierung gewonnener Stevia-Süssstoff. Dafür hat Evolva schon eine Kooperation mit dem amerikanischen Cargil-Konzern. Für die Aktien spricht denn auch die Tatsache, dass aus dieser Kooperation schon bald erste Lizenzzahlungen anstehen.

Bei solchen Investitionen müssen Sie immer auch mit einem Totalausfall rechnen.

Darüber hinaus sorgt der Wirkstoff Nootkaton für Wachstumsfantasien in der Zukunft. Gedämpft werden diese Fantasien allerdings durch die Tatsache, dass die Biotechfirma nach wie vor Geld verbrennt. Zwar ist der Umsatz im letzten Jahr um rund 30 Prozent in die Höhe geklettert und Evolva hat einen geringeren negativen freien Cashflow ausgewiesen. Die flüssigen Mittel verringerten sich im letzten Geschäftsjahr auf 39,9 Millionen Franken nach 60,4 Millionen Franken im Jahr zuvor.

In einem Marktkommentar wiesen die Analysten der Helvetischen Bank kürzlich auch auf das Potential von Evolva hin, betonten aber, es sei «nicht auszuschliessen, dass Evolva nochmals eine Kapitalerhöhung benötigt». Entsprechend kam die Helvetische Bank zum Schluss: «Die Aktien eignen sich daher ausschliesslich für risikobewusste Investoren.»

Diesem Urteil schliesse ich mich an. Wenn Sie Aktien von Evolva halten, müssen Sie immer auch mit einem Totalausfall rechnen. Das ist typisch für kleine Biotechfirmen. Evolva hat aufgrund der von Ihnen angesprochenen Innovationen beträchtliche Wachstumschancen. Ob dieser aber unternehmerisch erfolgreich umgesetzt werden können, ist noch ungewiss. Darum halte ich die Papiere für interessant, stufe sie aber als hoch spekulativ ein.