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Umfrage in ObersteckholzWie zufrieden ist die Dorfbevölkerung?

Der Kanton will vor der Fusion mit Langenthal von den Obersteckholzern wissen, was in der Gemeinde gut läuft – und was eher weniger.

Obersteckholz bleibt ein ländliches Dorf, auch wenn es bald seine Eigenständigkeit aufgibt und sich der Stadt Langenthal anschliesst.
Obersteckholz bleibt ein ländliches Dorf, auch wenn es bald seine Eigenständigkeit aufgibt und sich der Stadt Langenthal anschliesst.
Archivfoto: Marcel Bieri

In wenigen Wochen ist Obersteckholz als eigene Gemeinde nur noch in Geschichtsbüchern zu finden. Natürlich wird das Dorf weiterbestehen – aber eben nicht als eigenständige Kommune mit eigenen Behörden und eigener Verwaltung. Sondern als Teil der Stadt Langenthal.

Doch vorher führt der Kanton Bern in Obersteckholz noch eine Bevölkerungsumfrage durch, den sogenannten Fusions-Check. Diesen hat das zuständige Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) in den vergangenen Jahren bereits elfmal gemacht. Aktuell wird die Umfrage auch in Mötschwil und Hindelbank durchgeführt.

Den Ist-Zustand erfassen

Entwickelt wurde der Fusions-Check auf der Basis von 47 Indikatoren von der Hochschule für Wirtschaft und Technik FH Graubünden. Das AGR habe bei der Erstellung des Kriterienkatalogs für die Umfrage mitgewirkt, sagt Rolf Widmer, Abteilungsleiter Gemeinden. Es gehe primär darum, den Nutzen von Gemeindefusionen «sachlich-wissenschaftlich» in einem zeitlichen Kontext zu untersuchen.

Warum wird die Umfrage erst so kurz vor der Fusion durchgeführt? Den aktuellen Mitarbeitern und Behördenmitgliedern von Obersteckholz bringen die Informationen zum jetzigen Zeitpunkt kaum mehr etwas. «Die Umfragen werden nach dem rechtskräftigen Fusionsentscheid und vor der Umsetzung durchgeführt», sagt Widmer. So sei sichergestellt, dass man den Ist-Zustand der Gemeinden vor dem Zusammenschluss erfassen und später bei Vergleichen heranziehen könne.

Wertvoll für die Beratung

Entscheidend sei, dass man diese Erhebungen unmittelbar vor dem Zusammenschluss von Gemeinden und anschliessend nach zwei und nochmals nach fünf bis sieben Jahren durchführe. «Der Fusions-Check trägt dazu bei, Erfahrungen über die mittel- und langfristigen Auswirkungen von Fusionen zu sammeln», sagt der Abteilungsleiter Gemeinden. Das wiederum sei wertvoll für die Beratung von Gemeinden, die ein Fusionsprojekt starten.

Die Umfrage soll laut Rolf Widmer die Wahrnehmung der Bevölkerung zeigen. Was läuft gut und was eher weniger gut in der Gemeinde? Welche Angebote und Aktivitäten werden geschätzt? Womit identifiziert man sich in der Wohngemeinde?

Die Verwaltung von Obersteckholz musste für die Umfrage lediglich die Fragebogen drucken und versenden. Die Bevölkerung kann noch bis zum 30. November teilnehmen. Ausgewertet wird der Fusions-Check anschliessend unter der Leitung der Fachhochschule in Chur und mit der Beteiligung des Kantons. Für die zwei folgenden Erhebungen wird wiederum die Fachhochschule in Absprache mit dem AGR auf die Gemeinde Langenthal zugehen und die Fragebogen zur Verfügung stellen.

Wenig Rücklauf in Städten

Laut Widmer richtet sich die Umfrage grundsätzlich an die Stimmberechtigten, weil unter anderem Fragen zur politischen Beteiligung gestellt werden. In aller Regel werden die Fragebogen (physisch und/oder elektronisch) aber allen Haushalten zur Verfügung gestellt. «Aussagen zur Qualität der Dienstleistungen von Gemeinden können durchaus von Nicht-Stimmberechtigten kommen», sagt Widmer.

Den Langenthalerinnen und Langenthalern werden die Fragebogen hingegen nicht zugestellt. Bei Fusionen mit derartigen Grössenunterschieden wie bei Langenthal und Obersteckholz zeige sich, dass der Rücklauf bei Gemeinden mit 13'000 und mehr Einwohnern im Vergleich zum Aufwand verhältnismässig klein und wenig aussagekräftig sei, erklärt Widmer. Diese Erfahrungen seien unter anderem in Münsingen und Steffisburg gemacht worden. Entsprechend werde mehr Wert darauf gelegt, eine gute Rücklaufquote bei den kleineren Gemeinden zu erzielen.

Die Kosten für den Fusions-Check trägt der Kanton. Die Gemeinden leisten ihren Teil, indem sie die Daten liefern und die Fragebögen für die Bevölkerungsumfrage drucken, versenden und elektronisch zugänglich machen. Die genauen Kosten seien von Projekt zu Projekt unterschiedlich, je nach Umfang und Fortdauer der jeweiligen Erhebungen, sagt Widmer.

Der Aufwand für Verwaltung und Behörden von Obersteckholz hält sich somit in Grenzen, wie Gemeindepräsident Heinrich Jörg bestätigt. Seine Amtszeit endet wie die seiner Ratskollegen Ende Jahr. Die letzte Gemeindeversammlung Anfang Dezember hätte eigentlich zum Feiern genutzt werden sollen. Doch Corona-bedingt werde darauf verzichtet, sagt Jörg. Wenn es die Lage zulasse, wolle die Gemeinde am 31. Dezember eine Abschlussfeier organisieren. Damit würde endgültig ein Kapitel der Gemeindegeschichte abgeschlossen.