Zum Hauptinhalt springen

Handballclub reagiertWie Wacker Ausfälle verhindern will

Seit 10 Tagen trainieren die Thuner wieder. Sie machen einiges anders als in der Vergangenheit. Die Verletzungsanfälligkeit soll massiv reduziert werden.

Neben statt auf dem Feld: Damien Guignet, Nicolas Raemy und Luca Linder (v.l.) sind im Herbst 2019 verletzt und trainieren, während die Teamkollegen spielen.
Neben statt auf dem Feld: Damien Guignet, Nicolas Raemy und Luca Linder (v.l.) sind im Herbst 2019 verletzt und trainieren, während die Teamkollegen spielen.
Bild: Christian Pfander

Es war Herbst 2019, und Martin Rubin sagte: «Es fägt gd nid so.» Keinen Spass bereitete Wackers Coach die Tatsache, dass er gerade Spieler um Spieler verlor, auf acht (!) Akteure musste er im bevorstehenden Match gegen Kriens verzichten, sie fehlten allesamt verletzt. Längst hatte sich der Trainer daran gewöhnt, nicht auf das ganze Kader zurückgreifen zu können. Aber acht Ausfälle? Das war selbst für die Thuner eine Menge.

Kein einziges Mal in den vergangenen drei Saisons traten die Berner Oberländer in Vollbesetzung an. Die Absenzenliste las sich bisweilen wie die mögliche Startaufstellung. Das war zunehmend ein Problem. Es kostete Erfolg. Und es kostete Zuschauer – schliesslich will auch wirklich die 1. Mannschaft sehen, wer in die Lachenhalle kommt.

Nun reagieren die Thuner. Sie nehmen einige Änderungen vor, etwa in der Vorbereitung. Diese begann eine Woche früher als gewöhnlich, und dies nicht nur wegen der Coronapause. Gearbeitet wurde ausschliesslich an der Athletik, an der Physis; den Ball sahen die Spieler maximal aus der Ferne. Und nun befindet sich Rubins Team in einer Intensivphase mit zwei Einheiten täglich. Am Vormittag und am frühen Abend schuften die Berner Oberländer gegenwärtig: Sie leisten das Pensum einer Profiequipe, die sie freilich nicht sind. Und übernächste Woche veranstalten sie in Mürren ein Trainingslager – das erste seit Jahren.

Ausserdem sind die Spieler mit einer App ausgestattet worden, welche Athletiktrainer Cyril Dähler ermöglicht, zu sehen, wie gross die Belastung ist, der die Akteure gerade ausgesetzt sind. Ziel ist, die Intensität der Einheiten entsprechend zu steuern.

Wacker also trainiert öfter und gewissermassen professioneller als in der Vergangenheit. Das dürfte nicht bloss mit den vielen Ausfällen jüngst in Verbindung stehen. Die Thuner starten Anfang September in ihre wohl bislang wichtigste Saison. Sportclubs sind spätestens seit der Coronakrise unter finanziellem Druck. Und die Berner Oberländer überzeugten nach ihrem zweiten Meistertitel 2018 nicht ausnahmslos. Sie gewannen 2019 zwar den Cup, verloren aber insgesamt den Anschluss an Kadetten Schaffhausen und Pfadi Winterthur, die andern Spitzenvereine.

2020/2021 soll alles besser werden: mit der App, nach Möglichkeit ohne Ausfälle – und vor allen Dingen mit Lukas von Deschwanden, dem langjährigen Schlüsselspieler, der nach Thun zurückgekehrt ist.